Osnabrück  375 Jahre Westfälischer Friede: Osnabrück schon in Feierlaune

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 06.12.2022 17:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das wird auf keinen Fall langweilig: Mitglieder der Dance Company des Theaters Osnabrück tanzen zur Vorstellung des Programms „375 Jahre Westfälischer Friede“ im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses. Foto: Thomas Osterfeld
Das wird auf keinen Fall langweilig: Mitglieder der Dance Company des Theaters Osnabrück tanzen zur Vorstellung des Programms „375 Jahre Westfälischer Friede“ im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses. Foto: Thomas Osterfeld
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375 Jahre Westfälischer Friede: Osnabrück feiert 2023 große Historie. Für die Bürger gibt es Feste und Aktionen. Das Kulturpublikum wird im Programm auch fündig - bei genauerem Hinsehen.

Sie tragen schwarze Gewänder und weiße Halskrausen wie die Gesandten, die einst in Osnabrück den Westfälischen Frieden von 1648 aushandelten. Aber die Tänzerinnen und Tänzer des Theaters Osnabrück stehen nicht stocksteif wie die Herren in den Bilderrahmen, die den Friedenssaal im Osnabrücker Rathaus schmücken. Sie wirbeln mit Schwung an der ehrwürdigen Galerie vorbei. Die Botschaft ihrer stürmischen Performance: 375 Jahre Westfälischer Friede – das wird bestimmt nicht langweilig.

„Frieden ist nicht selbstverständlich. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, Frieden auch künftig zu gestalten“: Die Botschaft von Osnabrücks Bürgermeisterin Katharina Pötter zum Jubiläum des Westfälischen Friedens 2023 klingt dann aber doch wieder ganz diplomatisch abgewogen. Sieben Themen für sieben Monate, 200 Veranstaltungen, ein Terminwirbel mit Tendenz zur Unübersichtlichkeit.

Die Datenlage verdeckt, dass die Stadt ihr Budget für das Jubiläumjahr auf jetzt 2,6 Millionen Euro zurückgefahren hat. Zudem hat sich Kurator Stefan Schmidkte aus dem Projekt schon wieder verabschiedet. Er widmet sich ausschließlich Chemnitz, 2025 Kulturhauptstadt Europas. „Geschichte reflektieren, Zukunft neudenken“: Osnabrück versucht unterdessen den Spagat zwischen Gestern und Heute, eigenwillige Rechtschreibung inklusive.

Das Jubiläumsjahr soll die Bürger der Stadt ebenso begeistern wie auswärtige Besucher. Keine leichte Aufgabe. So gibt es jede Menge Projekte vor Ort vom Bürgerfest bis zum Auftritt der Straßentheatertruppe „Punch Agathe“ mit einer 16 Meter hohen Marionette auf dem Marktplatz - plus einen ganzen Strauß an Konferenzen und Meetings. Die eine große Ausstellung zum Thema, wie sie 1998 zum 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens gezeigt worden war, wird es aber nicht wieder geben.

Für künstlerische Highlights muss man doch etwas genauer in das auf den ersten Blick prallvolle Programm schauen. Ende Mai soll der ghanaische Künstler Ibrahim Mahama, 2017 auf der Documenta in Kassel und Athen präsent, ein Gebäude in der Osnabrücker Innenstadt verhüllen. Ist das schon der Topact des Jubiläumsjahres? Natürlich kommt das Theater mit mehreren Projekten heraus. Tanzfestival, Benjamin Brittens „War Requiem“, die dramatisierte Fassung von Erich Maria Remarques Roman „Der Weg zurück“: Das liest sich aber auch nach einer ganz normalen Spielzeit.

Dabei wird 2023 für Osnabrück nicht nur wegen des Westfälischen Frieden ein Kulturjahr außerhalb der Norm. Das Felix-Nussbaum-Haus wird 25, die Kunsthalle 30 Jahre alt. Erich Maria Remarque ist mit seinem 125. Geburtstag ebenfalls zu feiern. Und dann gibt es noch die „Kulturnacht XXL“. Wenn das nicht außergewöhnlich werden wird.   

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