Osnabrück Energetische Sanierungen - für wen lohnt es sich und was ist zu beachten?
In Zeiten von steigenden Energiepreisen lohnt es sich, ein Konzept für energetische Sanierungen zu bedenken. Doch Bürokratie, Lieferschwierigkeiten und Personalmangel sind nur ein paar Beispiele für potenzielle Fallstricke.
Um die Wärme nachhaltig im Raum zu halten, brauchen Mieter, Vermieter und Hausbesitzer etwas Vorlauf - und einen Plan: Ein großes Stichwort in diesem Rahmen ist energetische Sanierung. Aber was ist dabei zu beachten? Und wie lässt sich der Prozess vereinfachen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
Bereiche des Hauses, die von der Sanierungsmaßnahme betroffen sein können, sind in erster Linie die Außenwände, das Dach, die Fenster und Heizungen. Ältere Häuser sind nach dem damaligen Stand der Technik mit Materialen isoliert worden, die inzwischen überholt werden müssten; die Halbwertszeit ist erreicht.
Darum bietet es sich an, bei einem ersten Sanierungsprojekt wie dem Dach auch gleich ganzheitlich vorzugehen und alle Fördermöglichkeiten einzubeziehen. Damit kann das gesamte Gebäude in seiner Energieauslastung neu betrachtet und komplett optimiert werden, erklärt der Energieeffizienz-Experte André Graeber im Live-Talk unserer Redaktion.
Eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst und Young berichtet davon, dass für die Einhaltung der Klimaschutzziele 2030 Sanierungsmaßnahmen in Höhe von 30 Milliarden Euro geschultert werden müssten. Etwa 80 Prozent aller Gebäude müssten demnach idealerweise zeitnah einer solchen energetischen Sanierung unterzogen werden.
Der Energieberater der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, Ralf Kalisch, hält das für nicht umsetzbar. Allein in der Anlagentechnik werden laut Kalisch etwa eine Million Heizungen pro Jahr ausgetauscht, insgesamt sind etwa 40 Millionen Heizungen deutschlandweit verbaut. Man müsse sich darauf einstellen, dass das Heizen teurer werde - dem könne man jedoch am besten die energetische Sanierung entgegensetzen. Auch neuere Modelle wie Wärmepumpen seien langfristig betrachtet nicht automatisch die sinnvollsten Heizungsmodelle.
Mit den angepassten Förderbedingungen beim Bundesministerium für Wirtschaft seien allein im August etwa 140.000 Anträge eingegangen - und bis heute wurden viele Förderungen noch nicht bewilligt, so Kalisch. Es brauche eine zeitnahe Bewilligung, schließlich ist besonders die Verwendung der Fördergelder an ein Ablaufdatum geknüpft: Binnen zwei Jahren nach Einreichen des Förderantrags müssen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein.
Letztlich funktioniere das nur durch Aufklärung, erklärt André Graeber: Immobilienbesitzer müssten sich genau mit ihren Beständen und den sinnvollen Sanierungsoptionen befassen.
Doch ein Hindernis sei dabei auch weiterhin die Bewilligung der Förderanträge, aktuell trete man bei vielen Sanierungsprojekten auf der Stelle. Graeber berichtet von viel Willen bei Immobilienbesitzern, größere Projekte anzugehen; gleichzeitig brauche es eine Sicherheit, ob die großen Investitionen bezuschusst werden könnten.
Ein weiteres Nadelöhr bei der Finanzierung von energetischer Sanierung ist die Unterstützung der Banken durch Kredite. Viele ältere Menschen schrecken vor dem großen Investment in ihrem Haus zurück, weil die Bewilligung der Kredite sehr langatmig ist und das Abbezahlen viele Jahre dauert. Darum hofft André Graeber auf mehr Flexibilität und Erleichterung bei den Beantragungsprozessen.
Bis zu 25 Prozent Energie seien durch ein ganzheitliches Konzept einsparbar, berichtet Ralf Kalisch. Jedoch weist der Energieberater auch auf die Kosten hin, die investiert werden müssten. Nicht nur die Energiekosten seien gestiegen, auch Handwerker und Baumaterial sei teurer geworden - so dauere es umso länger, bis sich die Investition amortisiere.
Ein wichtiger Weg, Hausbesitzer dennoch von dem Investment zu überzeugen, ist ein gesellschaftliches Umdenken, betont Kalisch. Durch alte Technologien werde viel unnötige Energie verbraucht, die vermeidbar wäre.
Energieeffizienz-Experte Graeber sieht schnell Summen von 40.000 bis 45.000 Euro auf die Besitzer eines Einfamilienhauses zukommen, die sich für eine Sanierung entscheiden. Gebäude in den 50er-Jahren seien etwa hergestellt worden, um schnell Wohnraum zu schaffen - dafür wurde oft minderwertiges Material verbaut, teilweise ist die Fassade der Häuser schon beschädigt.
Auch wenn die Sanierung einer Immobilie sehr kostspielig werden kann, rät Graeber, den Schritt zu wagen. Solle das Haus langfristig verkauft werden, wirke sich das Investment positiv auf den Wert der Immobilie aus. Viele recyclingfähige Dämmmaterialien sind sogar förderfähig, die Anträge auf staatliche Zuzahlung müssen aber immer vor dem Beginn der Baumaßnahmen gestellt werden.
Fehler könnten immer passieren, betont der Energieberater Ralf Kalisch. Doch die Schäden am Bauwerk treten langfristig erst auf, wenn die Garantien ausgelaufen sind. Darum sei es umso wichtiger, sich zuverlässige Hilfe zu suchen.
Energetische Sanierung rechnet sich zwar langfristig, für Mieter, Vermieter und Hausbesitzer hält Ralf Kalisch auch ohne das große Investment einige Tipps parat: „Vorlauftemperatur runter, Warmwassertemperatur runter, alles, was nicht unbedingt am Stromnetz sein muss, trennen. Bewusst mit dem eigenen Energieverbrauch umgehen.“ Die Heizung schalte beispielsweise erst bei etwa 58 Grad ab, wenn die Vorlauftemperatur auf 50 Grad eingestellt sei - demnach reichen 10 Grad weniger also vollkommen aus. Auch das Warmwasser müsse gar nicht so heiß eingestellt sein, ansonsten werde das Wasser im Speicher ganzjährig auf 60 Grad erhitzt.
Auf die Kleinigkeiten weist auch André Graeber hin; der Energieeffizienz-Experte beobachtet beispielsweise oft, dass Möbel direkt vor den Heizkörpern stehen. Das erwärme zwar die Seitenwand, die Wohnung verliert dadurch aber an Wärmeenergie.
Auch können offene Leitungen, die Warmwasser führen, gut mit Dämmmaterial isoliert werden, sodass das Wasser sich nicht schon vor der Heizung abkühlen kann. Genauso ist laut Graeber das richtige Lüften wichtig - die Heizung auszuschalten und die Fenster komplett zu öffnen, weil sich nur frische Luft richtig erwärmt.
In einer weiteren Ausgabe unseres interaktiven Leserforums haben unsere Moderatoren mit Andreas Holtgrave von der Verbraucherzentrale Niedersachsen und Robert Doelling, Gründer von energie-experten.org, über den Einbau der neuen Heizungstechnologie gesprochen. Was müssen Mieter, Hausbesitzer und Vermieter beachten?
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