Berlin  Kinderkliniken überlastet, Ärzte am Ende: Wo bleibt die Hilfe, Herr Lauterbach?

Tobias Schmidt
|
Von Tobias Schmidt
| 02.12.2022 14:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Doktert am kranken System herum: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Foto: Michael Kappeler / dpa
Doktert am kranken System herum: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Foto: Michael Kappeler / dpa
Artikel teilen:

Die Not in den Kinderkliniken und Kinderarztpraxen deckt auf, was in der Gesundheitsversorgung insgesamt schief läuft. Dass ausgerechnet die Kleinsten das ausbaden müssen, ist schlimm. Karl Lauterbachs „Entlastungsgesetz“ wird daran nichts ändern.

Zunächst ist festzuhalten: Die krasse Erkältungswelle bei Kleinkindern ist auch ein desaströser Kollateralschaden der Corona-Politik. Um die Alten und Vorerkrankten vor Corona zu schützen, wurden Kinder, für die das Virus kaum gefährlich ist, aus dem Verkehr gezogen. Dichte Kitas, dichte Schulen, und dann Ewigkeiten nur mit Maske: So konnten die Immunsysteme der Kleinen nicht trainiert werden. Und deswegen werden sie jetzt von RSV, Influenza und Co. umso härter getroffen.

Tatsächlich ist die Lage an vielen Kinderkliniken gerade verzweifelter als in vielen normalen Krankenhäusern während der Corona-Höhepunkte. Eine Maskenpflicht für Erwachsene, die die Viren an die Kinder übertragen, könnte die RSV- und Influenza-Wellen bremsen. Aber das wäre unzumutbar, meinen die Erwachsenen.

Der akute Versorgungsnotstand in der Pädiatrie zeigt aber auch Fehlentwicklungen im gesamten System. Auf der einen Seite fehlt es an gut ausgebildeten und motivierten Pflegekräften ebenso wie an Ärzten. Das gilt nicht nur für Kliniken. Auch in immer mehr Praxen ist Land unter, wachsen Frust und Überlastung.

Auf der anderen Seite sinken trotz Betten-Abbau vielerorts die Belegungszahlen. Zugleich gibt es unnötige (aber gut honorierte) Operationen, überversorgte (Privat-) Patienten und immer mehr Bürokratie und Gängelung durch die Krankenkassen. So verdienen sich einige Mediziner eine goldene Nase, während sich andere krank dokumentieren.

Statt immer neuer Finanzspritzen, wie sie der Bundestag am Freitag beschloss, braucht es also eine wirkliche Reform. Dazu muss gehören, Überkapazitäten abzubauen, wogegen sich die Bundesländer seit Jahren sträuben. Dazu gehört mehr Planung, denn die gerade überlaufenden Kinderkliniken sind im Sommer meist ziemlich leer. Richtig ist es auch, mehr ambulant statt stationär zu behandeln. Das funktioniert freilich nur, wenn die Praxen mehr Geld bekommen, wozu die Politik nicht bereit ist.

So lange sich niemand traut, die knapper werdenden Mittel sinnvoller zu verteilen und zugleich den Bürokratie-Irrsinn zurückzufahren, wird das Gesundheitssystem immer kranker.

Ähnliche Artikel