Kroglitzbrücke Bauwerk in Schirum ist in allen Teilen marode
Seit Monaten ist die Kroglitzbrücke über den Ems-Jade-Kanal komplett gesperrt. Nun scheint ein Baugutachten ihr Schicksal zu besiegeln.
Aurich - Es sieht nicht gut aus für die Kroglitzbrücke über den Ems-Jade-Kanal in Schirum. Die Stadt Aurich beabsichtigt seit mehreren Monaten, das Bauwerk aus dem Jahr 1953 abzureißen. Nun bestätigt ein Gutachten, dass die Brücke marode ist. Das führte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß am Donnerstag im Verkehrsausschuss aus.
Drei Varianten habe der Gutachter untersucht. Bei der ersten würde die Brücke nicht angefasst werden. Dann sei aber eine Freigabe weder für den Kraftfahrzeugverkehr noch für Fußgänger oder Radfahrer möglich, so Busch-Maaß. Variante zwei sieht eine Sanierung für Fußgänger und Radfahrer vor. Das allerdings würde mindestens 550.000 Euro kosten. Hinzu kämen jährlich weitere 5000 Euro für eine regelmäßige Begehung der Brücke. „Alle Bauteile der Brücke sind schadhaft“, betont die Stadtbaurätin. Die letzte Möglichkeit schließlich wäre der sofortige Abriss. Dafür müssten 50.000 Euro ausgegeben werden.
Lebensqualität für Anwohner gesunken
Ein Neubau war nicht in der Fragestellung für den Gutachter enthalten. Das sei auch nicht so einfach, so Busch-Maaß. Dafür müsste die Statik neu berechnet und die Wirtschaftlichkeit geprüft werden.
Nüchterne Aussagen eines Gutachtens, die Astrid Lübben als Anwohnerin und langjährige Nutzerin der Kroglitzbrücke nur schwer akzeptieren kann. Sie wohnt am Kroglitzweg in einem der drei Häuser an der Brücke. Seit der Sperrung der Überquerung habe die Lebensqualität für die Anwohner drastisch abgenommen. Denn von der einen Seite dränge das Gewerbegebiet Schirum immer näher an die Häuser. Zur Zeit baut B-Plast 2000 dort zwei neue Hallen. Ein Entrinnen vor dem Lärm und Schmutz der Industrie aber sei wegen der gesperrten Brücke nicht mehr möglich. Einfach mal einen Spaziergang im Grünen unternehmen, um etwas Ruhe zu finden, sei ihr nun verwehrt, sagt Astrid Lübben im Ausschuss.
Spaziergänge nur im Gewerbegebiet möglich
Sie fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Falsche Versprechungen seien schon vor einigen Jahren gemacht worden. So hätten die Landwirte, auch ihre Familie, Land verkauft, damit auf der anderen Seite des Kanals eine neue Straße gebaut werden konnte. Das Versprechen: Mit der neuen Straße müssten die landwirtschaftlichen Maschinen nicht mehr über die Kroglitzbrücke. „Dann könnte die Brücke für Fußgänger bleiben“, habe man ihr damals versprochen. Leider sei das nicht schriftlich fixiert worden.
Sie kann nicht nachvollziehen, warum Fußgänger die Brücke nicht mehr nutzen dürfen wegen der Einsturzgefahr - Schiffe aber weiterhin den Bereich passieren dürften. Es sei auch nicht richtig, dass der Umweg über die nächstgelegenen Brücken nur einen Kilometer lang sei, so Lübben im ON-Gespräch. Für einen Spaziergang müsste sie insgesamt zwei Kilometer durchs Gewerbegebiet laufen. „Danach muss ich auch nicht mehr weitergehen.“
Stadt sucht nach Fördermitteln für Brückenneubau
Des Öfteren wird sie gefragt, warum sie denn dort wohne. Sie habe ja ahnen können, dass die alte Brücke irgendwann abgerissen werde. „Das Haus ist 1889 gebaut worden und seitdem in Familienbesitz“, erzählt Astrid Lübben. Der Urgroßvater hatte damals an dem grade eröffneten Kanal ein Torfschiff und hat das Haus gebaut. „Damals gab es da noch kein Gewerbegebiet.“
Man könnte über einen Ersatz nachdenken, so Lübben. Man könnte mehr die Trommel rühren dafür. Aber sie ist realistisch: Groß seien die Chancen wohl nicht, dass sie vor ihrer Haustür mal wieder den Kanal überqueren kann.
Zumindest nach Fördermitteln für einen Neubau will Alexandra Busch-Maaß sich noch umschauen. Beschlossen ist der Abriss der Brücke noch nicht. Dafür war das Gutachten noch zu frisch. Die Fraktionen müssen darüber noch beraten.