Frisia-Frauen hören auf  Nach 76 Jahren – Auricher Traditionschor löst sich auf

Gerd-Arnold Ubben
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Von Gerd-Arnold Ubben
| 30.11.2022 15:04 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sommerkonzert des Auricher Frauenchores „Frisia“ mit seiner damaligen Chorleiterin Imke Brandenburg in den Räumlichkeiten der Freien evangelischen Gemeinde in Aurich. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Sommerkonzert des Auricher Frauenchores „Frisia“ mit seiner damaligen Chorleiterin Imke Brandenburg in den Räumlichkeiten der Freien evangelischen Gemeinde in Aurich. Foto: Gerd-Arnold Ubben
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Die Entscheidung fiel schweren Herzens, aber einstimmig: Der traditionsreiche Auricher Frauenchor Frisia löst sich auf. Vorsitzende Elfriede Lübbers über die Gründe.

Aurich - Sie hatten alle viel Spaß am gemeinsamen Singen, doch nun ist es damit vorbei. Der traditionsreiche Frauenchor „Frisia“ Aurich löst sich nach 76 Jahren zum Ende des Jahres auf, tat Vorsitzende Elfriede Lübbers schweren Herzens kund. In einer Mitgliederversammlung wurde diese Entscheidung einstimmig getroffen. „Zum Schluss“, sagte Elfriede Lübbers, „wurde es immer schwieriger zu sagen: Wenn wir auftreten, müssen wir gut auftreten. Unsere frühere hervorragende Qualität können wir mit nur noch zwölf Sängerinnen nicht mehr leisten.“

Die Corona-Krise mit ihren Reglementierungen habe dem Chor einerseits den Todesstoß versetzt. Andererseits wurde den Mitgliedern dadurch die Entscheidung, mit dem Chor aufzuhören, abgenommen. Auch den Frisianerinnen fehle der Nachwuchs, so die Vorsitzende. Der Chor sei überaltert. Zudem habe es einige Todesfälle in der Chorgemeinschaft gegeben.

Mit Corona war Schluss

Mit Beginn der Pandemie habe der Chor das Singen eingestellt und sich bis heute auch nicht mehr zu den sonst einmal wöchentlich stattfindenden Übungsstunden in den Räumlichkeiten der Freien evangelischen Gemeinde getroffen. Das sei sehr bedauerlich, denn der Chor war für viele, insbesondere bei den wöchentlichen Übungsabenden, eine wichtige Stütze, soziale Kontakte zu pflegen oder zum Beispiel nach überstandenen schweren Erkrankungen ein wenig aus dem Alltag herauszukommen, erklärte Ursula Stelzig. Sie ist mit 61 Jahren das jüngste Mitglied. Jetzt würde der Chor den Tatsachen ins Auge sehen und mit Demut den Chor auflösen. Dabei erinnere sie sich gerne an ihren ersten Übungsabend vor etwa 18 Jahren, als gleich zu Beginn „California Dreaming“ gesungen wurde. Das habe ihr gefallen und sie sei dabei geblieben.

2014 übernahmen die Frisia-Frauen und ihre damalige Chorleiterin Petra Maria Bondzio die Gestaltung des Weihnachtssingens in der Auricher Lambertikirche vom Männergesangverein „Frisia“. Foto: Günther Lübbers
2014 übernahmen die Frisia-Frauen und ihre damalige Chorleiterin Petra Maria Bondzio die Gestaltung des Weihnachtssingens in der Auricher Lambertikirche vom Männergesangverein „Frisia“. Foto: Günther Lübbers

Der Frauenchor „Frisia“ habe sich einst auf die Fahnen geschrieben, Freude am Singen zu haben und Freude zu bereiten, Freundschaften zu schaffen, Grenzen zu überwinden, soziale Bindungen zu fördern und eine singende lebendige Gemeinschaft zu sein.

Trennung von den Männern

Ins Leben gerufen wurde der Chor am 27. Mai 1946 als „Jungmädchenchor der Jugendgruppe Aurich“ von Lehrer Ewald Siemers, der ein Viertel Jahrhundert als Chorleiter wirkte, in der Gaststätte „Bremer Schlüssel“ am Pferdemarkt. Dem neuen Chor gehörten seinerzeit 35 Sängerinnen an. Im Laufe der Jahre wuchs der „Frauen- und Mädchenchor“ des Männergesangvereins Frisia Aurich, wie er sich später nannte, auf 75 Sängerinnen an. Auf den verschiedensten Veranstaltungen war der Chor in den folgenden Jahren vertreten.

2014 übernahmen die Frisia-Frauen und ihre damalige Chorleiterin Petra Maria Bondzio die Gestaltung des Weihnachtssingens in der Auricher Lambertikirche vom Männergesangverein „Frisia“. Foto: Günther Lübbers
2014 übernahmen die Frisia-Frauen und ihre damalige Chorleiterin Petra Maria Bondzio die Gestaltung des Weihnachtssingens in der Auricher Lambertikirche vom Männergesangverein „Frisia“. Foto: Günther Lübbers

Im Jahre 1988 trennten sich die Frauen von dem Männergesangverein „Frisia“, dem sie Jahre angehört hatten, und wurden als eigener Verein selbstständig. Sie nannten sich nunmehr Frauenchor „Frisia“ Aurich e. V. und schlossen sich dem Ostfriesischen Chorverband und darüber dem Deutschen Chorverband an.

Von Pop bis Renaissance

Der Chor, so Elfriede Lübbers, habe sich seit jeher mit einem breiten musikalischen Spektrum einen guten Namen bei Konzerten, sozialem Singen und besonderen Anlässen in der Stadt Aurich und Umgebung wie zum Beispiel im Rahmen der Völkerverständigung in Appingedam/Niederlande oder Israel gemacht.

Zum Repertoire gehörten moderne Musicalstücke, Filmmusiktitel, Popsongs und Chorsätze von Komponisten der Renaissance bis in die Gegenwart, moderne Chorliteratur; jeweils einstudiert mit verschiedenen, teils langjährigen, Chorleitern und Chorleiterinnen.

Wehmütige Erinnerungen

Ein Höhepunkt mit einer besonders schönen Atmosphäre, so Ursula Stelzig, sei der 65. Delegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes in Papenburg gewesen, als sie dort 2014 die deutsche Nationalhymne singen durften. Im gleichen Jahr hätten sie die Gestaltung des Weihnachtssingen in der Auricher Lambertikirche vom Männergesangverein „Frisia“ übernommen.

Genossen hätten sie es, so Elfriede Lübbers, sich verschiedene Musicals vor Ort anzuhören wie „Les Miserables“ in Duisburg, „Jekyll and Hyde“ in Bremen oder „Phantom der Oper“, „König der Löwen“ und „Mama Mia“ in Hamburg, das sei schon etwas Besonderes für sie als Musikbegeisterte gewesen. Gern erinnern sich die Sängerinnen auch an die Jubiläumskonzerte anlässlich des 60. Chorjubiläums in Appingedam sowie der Auricher Stadthalle. Diese fanden gemeinsam mit dem gemischten Chor aus Aurich-Vaihingen statt.

Trotz aller Wehmut sind sich die Sängerinnen jedoch einig, dass sie sich weiterhin regelmäßig treffen werden.

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