Juniorinnen-Bundesliga Auricherinnen spielen sich in einen Rausch
Wer hätte das gedacht: Die B-Juniorinnen der SpVg gewinnen das Spitzenspiel 5:0 gegen den VfL Wolfsburg und bleiben Erster in der Bundesliga. Eine Spielerin ragte dabei heraus.
Etwas abseits beobachtete Stefan Wilts mit einem milden Lächeln, wie seine Spielerinnen sich vor der Zuschauertribüne feiern ließen. Die Anhänger, die am Sonnabend zahlreich ins Auricher Ellernfeld-Stadion gekommen waren, rollten ein Banner aus, vor dem die jungen Fußballerinnen bereitwillig posierten. „Herbstmeister“ war darauf in großen Lettern zu lesen. Und ja, es ist tatsächlich wahr. Die Auricher B-Juniorinnen führen zur Halbzeit die Bundesliga-Tabelle an.
Im Spitzenspiel ließen die Auricherinnen dem mehrfachen Deutschen Meister VfL Wolfsburg im Spitzenspiel nicht den Hauch einer Chance. 5:0: So leuchtete das Ergebnis auf der Anzeigetafel. Die Gästespielerinnen schlichen mit hängenden Köpfen vom Feld und überlegten wohl, ob sie überhaupt schon mal so hoch in der Bundesliga verloren hatten.
Wer kann diese Mannschaft noch stoppen?
„Ich bin einfach nur stolz, dass wir das Spiel so souverän gespielt haben“, sagte SpVg-Trainer Stefan Wilts. Vor der Saison sorgte seine Ansage, oben mitspielen zu wollen, für überraschte Gesichter. Nach dem überlegen geführten Spitzenspiel fragt sich der Beobachter: Wer soll diese Mannschaft noch stoppen? In der Tabelle kann nur noch der SV Meppen folgen, die Schwergewichte Wolfsburg, Werder und der HSV sind längst abgehängt.
In den ersten Partien spielten sich die Außenstürmerinnen Elisabeth Steiner und Ann-Carolin Hoffmann in den Vordergrund. Gegen Wolfsburg stahl ihnen Charlette Sittner die Show. Drei Tore erzielte die SpVg-Stürmerin. Das frühe 1:0, das wichtige 3:0 direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit und noch ein absolutes Traumtor zum zwischenzeitlichen 4:0. Nach ihrer Auswechslung strahlte sie über beide Backen.
Die Auricherinnen übernahmen von Beginn an die Spielkontrolle. Bissig, laufstark und mit einer Menge Spielfreude. Trainer Wilts hatte seine Mannschaft etwas umgestellt. Ann-Carolin Hoffmann spielte wie immer links vorne, aber ihr Pendant auf der anderen Seite, Elisabeth Steiner, wurde ins offensive Mittelfeld beordert. Dafür spielte Sittner auf der Außenposition. Vorne in der Sturmmitte sorgte Alina Vogel für Unruhe. Ein guter Schachzug, wie sich schnell herausstellte. In der 15. Minute spielte Junia Sass im Strafraum Charlette Sittner an, die den Ball überlegt in die lange Ecke zur frühen Führung für Aurich schob.
Traumtor zum 4:0
Nur zehn Minuten später durften die Auricher wieder jubeln. Alina Vogel stand goldrichtig, als die Wolfsburger Torhüterin Hannah-Marie Mitschke den Ball nicht festhalten konnte. Der Rückstand lähmte die Gäste. Nicht einmal kamen sie gefährlich vor das Auricher Tor. Abwehrspielerin Marie Okoroh ließ sich nie aus der Ruhe bringen. Die schnelle Außenverteidigerin Hanna Ernst lief so gut wie jeden Angriff auf ihrer Seite ab.
Direkt nach Wiederbeginn zogen die Auricher Spielerinnen dann endgültig den Stecker beim Gegner. Nur wenige Sekunden waren gespielt, als die VfL-Torhüterin einen Schuss von Hoffmann prallen ließ. Sittner bedankte sich und staubte zum 3:0 ab, die Partie war spätestens zu diesem Zeitpunkt gelaufen für den mehrfachen Deutschen Meister.
Die rund 200 Zuschauer waren nun endgültig verzückt. Kurz vor ihrer Auswechslung sorgte Sittner dann für Jubelstürme. Eigentlich war die Chance für sie nach einer Hoffmann-Flanke schon so gut wie vorbei. Doch dann drehte sich die junge Stürmerin im Strafraum und chippte den Ball diagonal über die Torhüterin in die lange Ecke. Ein echtes Traumtor, das auch Stadionsprecher Siggi Sneider verzückte. „Ein Sensationstor“ – fast versagte seine Stimme vorlauter Begeisterung.
Dass die Stimmung auch innerhalb der Mannschaft gut ist, bewies das letzte Tor der Auricherinnen. Nur wenige Sekunden war Emma Schurwonn auf dem Feld, als sie für den 5:0-Endstand sorgte. Euphorisch rannten ihre Mitspielerinnen auf sie zu um sie zu umarmen.
Zwei Spiele muss die Sportvereinigung Aurich nun noch vor der Winterpause absolvieren. Am nächsten Wochenende ist Union Berlin zu Gast. „Und wir haben noch ein schweres Auswärtsspiel in Bremen. Dann sehen wir mal, wie es weitergeht“, so Wilts. Bleiben die Auricherinnen bis zum Saisonende an der Spitze, spielen sie um die Deutsche Meisterschaft. Dann könnte es sogar gegen Bayern München gehen – was für eine Geschichte.