Berlin Außergewöhnlich viele Fälle: Was Eltern zum RS-Virus wissen sollten
Bei Kindern in Deutschland geht eine ernste Krankheit um: die Atemwegserkrankung RS. Wie Sie eine Infektion erkennen und ob das Virus auch für Erwachsene gefährlich ist.
Neben Corona grassiert in Deutschland gerade eine andere ernste Atemwegserkrankung. Das Humane Respiratorische Synzytial-Virus, oder kurz RS-Virus, sorgt für volle Kliniken und sogar Notaufnahmen. Insbesondere Kinder sind betroffen. So sind die meisten Kinder, die mit Atemwegsinfektionen ins Krankenhaus eingeliefert werden, mit dem RS-Virus infiziert. Das Robert-Koch-Institut spricht von einer außergewöhnlich hohen Zahl, die in den nächsten Wochen weiter steigen werde. Warum das Virus so gefährlich ist, und wie sie sich verhalten sollten, wenn ihr Kind infiziert ist.
Die Erkrankung verursacht erkältungsähnliche Symptome, wie Schnupfen, trockenen Husten, Niesen und Halsschmerzen. Bei schweren Verläufen kommt auch hohes Fieber und Symptome, die mit Keuchhusten verwechselt werden können, hinzu. Eine Infektion macht sich oft mit blasser und trockener Haut bemerkbar. Bei Säuglingen kann die Fontanelle einsinken.
Diese ernsten Erkrankungen sind bei Kindern deutlich häufiger, während sich eine Infektion bei Erwachsenen meist als leichte Erkältung äußert. Besonders gefährlich ist die Krankheit für Frühchen und Kinder mit Lungen-, oder Herzproblemen.
Laut dem BVKJ kann eine RSV-Infektion zu einer Bronchiolitis führen, einer Entzündung der kleinen Bronchien. Die Schleimhäute schwellen dann an, außerdem bildet sich Schleim, der dem Kind das Atmen schwer macht. Eine RSV-Infektion kann auch zu einer Lungenentzündung führen.
„Wenn ein kleines Kind offensichtlich Schwierigkeiten beim Atmen hat, schnell atmet und insbesondere beim Ausatmen giemende Atemgeräusche hat, sind das Alarmsignale“, sagt der Kinderarzt Ulrich Fegeler vom BVKJ. Giemen heißt: Beim Atmen zeigt sich ein pfeifendes, knisterndes oder zischendes Geräusch.
Neben Fieber und Husten ist laut dem Kinderarzt ein weiteres Anzeichen, wenn das Kind müder wirkt, als man es sonst kennt. Auch Probleme beim Füttern sollten Eltern ernst nehmen. So kann es laut dem Robert Koch-Institut sein, dass das Kind Nahrung oder Trinken verweigert oder erbricht.
All diese Anzeichen sind Anlass genug, sie vom Kinderarzt oder der Kinderärztin oder gegebenenfalls auch in der Notfallambulanz abklären zu lassen, so der BVKJ.
Jüngere Kinder haben engere Atemwege, wodurch es schneller zu einer Bronchitis kommen kann. Zudem sprechen einige Ärzte, etwa Robin Kobbe vom Universitätsklinikum Eppendorf, von einer „immunologischen Lücke“ bei vielen Kindern.
Durch Maskenpflicht und andere Anti-Corona-Maßnahmen sei das Immunsystem vieler Kinder nicht trainiert worden, erklärt der Experte für Atemwegserkrankungen bei Kindern der „Tagesschau“. Das führe zu einer besonders hohen Ansteckungsrate und einer verschobenen Saisonalität. Die jahresübliche Erkältungswelle beginnt also früher.
Wie die Schweizer Virologin Isabella Eckerle erklärt, sei die bei vielen Eltern verbreitete Vorstellung eines „Infektionskontos“ jedoch falsch. Mangelnde Infektionen müssten nicht ausgeglichen werden. Daher lohne es sich durchaus, das eigene Kind vor Infektionen zu schützen. Auch das Immunsystem des Kindes werde dadurch nicht geschwächt.
Das ist unklar. Unter sechs Monaten ist das Risiko für einen schweren Verlauf am größten. Eine Studie des Helmholtz-Instituts in München legt eine Korrelation mit frühkindlichen Asthma-Erkrankungen nahe, wenn eine RS-Erkrankung im Säuglingsalter vorliegt. In Nagetieren wurden bereits 24 Stunden nach der Infektion dauerhafte Veränderungen im Gehirn nachgewiesen. Diese äußerten sich im schlechteren Abschneiden der Tiere bei Verhaltens- und Lerntests. Ob sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist unklar. Interessanterweise ließ sich das schlechtere Abschneidung durch eine vorherige Impfung komplett verhindern.
Es gibt keinen funktionierenden Impfstoff. Der erwähnte Tierversuch wurde mit einer modifizierten Tuberkulose-Impfung vorgenommen. Es gibt die Möglichkeit einer passiven Immunisierung durch Antikörper. Diese schützt aber nur für etwa zwanzig Tage und ist zudem sehr teuer, sodass sie nicht flächendeckend eingesetzt wird. Pfizer gab vor kurzem bekannt, einen Impfstoff gegen das RS-Virus an Schwangeren getestet zu haben. Für diese Welle kommt das jedoch zu spät.