Sicher durch die Winterruhe  Was man für Igel nun tun sollte – und was nicht

Julie Bontjer
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Von Julie Bontjer
| 24.11.2022 12:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein an der Lippe verletzter Igel wird in einer Auffangstation untersucht. Foto: DPA
Ein an der Lippe verletzter Igel wird in einer Auffangstation untersucht. Foto: DPA
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Nur selten sind die Tiere in der kalten Jahreszeit auf Hilfe von Menschen angewiesen – wie man einen Ernstfall erkennt, und was es dann zu tun gilt.

Aurich - Für Igel ist jetzt Endspurt angesagt: Momentan sind die Tiere wieder auf der Suche nach einem geeigneten Quartier, um dort ihre Winterruhe abhalten zu können. Denn von November bis zum Frühling finden Igel nicht genug Nahrung. Sie überbrücken die futterlose Zeit, indem ihr Körper auf „Sparflamme“ läuft. Das bedeutet, dass die Tiere ihren Stoffwechsel, also Atmung, Herzschlag und Körpertemperatur, auf ein Minimum herunterfahren.

Besonders um die kalte Jahreszeit herum sind Igel also auf Nahrungssuche. Das tun sie, um sich Fettreserven anzufressen. Die Tiere ernähren sich vorwiegend von Insekten und gelegentlich auch von Fallobst oder kleineren Säugetieren.

Fast ein Drittel des Gewichts geht verloren

Doch manchmal kann es sein, dass Igel auch im Dezember oder noch später gesichtet werden. Das ist meist kein Grund zur Beunruhigung, sagt der Regionalgeschäftsführer des Nabu Ostfrieslands, Jan Fuchs aus Aurich. Igel seien auch in ihrer Winterruhe, besonders an wärmeren Tagen, in der Lage aufzuwachen und sich etwas zu fressen zu suchen, sagt er.

Kräftige männliche Igel suchen sich bereits Anfang Oktober einen Platz für die Winterruhe. Es folgen im Laufe des Monats die Weibchen, die noch ein paar Wochen mehr brauchen, um sich das bei der Schwangerschaft verbrauchte Gewicht anzufressen. Zuletzt legen sich die Jungtiere schlafen, die oftmals noch den gesamten November über nach Nahrung suchen. Denn sie benötigen mindestens ein halbes Kilo Körpergewicht, um die Zeit bis zum nächsten Frühjahr zu überstehen. Am Ende des Schlafs hat ein erwachsener Igel rund 30 Prozent seines Körpergewichts verloren. Zum Vergleich: Das weltweite Durchschnittsgewicht eines Menschen liegt bei 62 Kilogramm. 30 Prozent davon sind ungefähr 18 Kilogramm. Ein Igel verliert also eine ganze Menge an Gewicht in seiner Winterruhe.

In den Gärten lauern Gefahren

Fällt die Temperatur unter fünf Grad Celsius und ein Igel irrt herum, ist es wichtig, zu schauen, ob er abgemagert oder geschwächt aussieht, sagt Jan Fuchs. Ist das der Fall, müsse der Igel entweder zu einer Igelauffangstation gebracht oder zu Hause gepflegt werden. Jan Fuchs rät, den Igel zum Beispiel in einer Gartenhütte unterzubringen. Sie sollte möglichst windgeschützt und trocken sein. Trotzdem solle in jedem Fall eine Auffangstation kontaktiert werden.

Ein Igel, der im Laub oder unter einem Holzhaufen liegt, solle einfach dort liegen gelassen werden. Für Igel ist die Winterruhe überlebenswichtig. Jedes Aufwachen kostet sie Energie und Kraft. Jan Fuchs rät deshalb dazu, Igel in Ruhe zu lassen, wenn sie nicht sehr krank oder geschwächt aussehen. Weitere Gefahren sind offene Fallschächte im Garten oder Teiche ohne Aufstiegshilfen, also flache Steine am Teichrand. Sie sollten abgedeckt werden, um es den Igeln leichter zu machen.

Zu viel Futter kann zur Gefahr werden

Um den Tieren speziell im Winter zu helfen, reicht es oft schon, den eigenen Garten etwas aufzubereiten, so Jan Fuchs. Igel brauchen einen Hohlraum, der möglichst nicht nass wird. Geeignet sind beispielsweise Verstecke unter Gebüschen und Bäumen oder zwischen aufgestapeltem Holz. Verlockend für Igel ist außerdem ein bisschen aufgeschichtetes Laub. Da sie es gern kuschelig haben. Wer den Igeln zusätzlich noch etwas Gutes tun will, könne auch ein wenig heimisches Fallobst, wie Birnen oder Äpfel oder ein wenig Katzenfutter hinstellen, so Fuchs.

Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Futtermenge nicht zu groß ist. Denn sonst könnten sich die Igel überfressen. Das kann dazu führen, dass sie schlecht schlafen. Denn um das ganze Futter zu verdauen, muss der Igel seinen Kreislauf wieder hochfahren. Und dann kann er nicht in seiner Winterruhe bleiben.

Einen Igel im Winter zu sehen ist also nichts Ungewöhnliches. Jedoch sind Igel wild lebende Tiere und solange sie nicht auf Hilfe angewiesen sind, sollten sie in Ruhe gelassen werden.

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