Schutz vor Klimafolgen Bremse für den Starkregen
Seit knapp 40 Jahren gibt es in Aurich Regenrückhaltebecken. Die Anlagen sind einem ständigen Wandel unterworfen.
Aurich - Von einer Entscheidung aus den 1980er-Jahren profitiert die Stadt Aurich noch heute. Im Jahr 1984 wurde das erste Regenrückhaltebecken im Industriegebiet Nord angelegt. Weitere 118 dieser Bauwerke folgten seitdem und sorgen mit rund 30.000 Kubikmeter Speicherkapazität bei Starkregen dafür, dass es nicht – oder nur wenig – zu Überflutungen kommt. Ehlke Ubben, Leiter der Auricher Stadtentwässerung, stellte die Bauwerke, für die viel Überzeugungsarbeit geleistet werden musste, kürzlich im Umweltausschuss der Stadt vor.
Nicht mehr wegzudenken seien die Regenrückhaltebecken bei der Planung von Neubaugebieten, so Ubben. Jährlich kämen im Auricher Stadtgebiet drei bis vier dieser Anlagen hinzu. Dabei mache sich der Klimawandel auch bemerkbar. „Die Becken sind heute 50 Prozent größer als noch vor 20 Jahren.“ Und wahrscheinlich müssten sie in Zukunft noch größer dimensioniert werden.
Anlagen funktionieren ohne Pumpen
Dabei sei der Anfang vor knapp 40 Jahren nicht leicht gewesen. Die Erschließungsträger hätten in den ersten Jahren mit vielen Diskussionen überzeugt werden müssen, die Rückhaltebecken einzuplanen. Denn schließlich geht dabei Fläche verloren, auf die keine Häuser gebaut werden können. Mittlerweile aber sei allgemein der Nutzen der Becken anerkannt.
Die Funktionsweise ist dabei relativ einfach. Bei Starkregen wird das Wasser, das nicht sofort über die Kanalisation abfließen kann, von den Regenrückhaltebecken aufgenommen. Die Entleerung nach dem Guss soll dann innerhalb eines halben Tages erfolgen, damit im Zweifel auch weitere starke Regenfälle aufgenommen werden können. Pumpen kommen dabei nicht zum Einsatz. Nur das natürliche Gefälle sorgt für den Abfluss des Wassers. Auch künftig sollen Regenrückhaltebecken so angelegt werden, dass auf Pumpen verzichtet werden kann, sagte Ubben.
Künftig soll mehr Wasser vor Ort versickern
Immer mehr Regenrückhaltebecken bedeuten auch einen immer größeren Aufwand bei den Unterhaltungsarbeiten. Denn im Gegensatz zu anderen Städten sind die Bauwerke in Aurich naturnah angelegt und nicht aus Beton. In einigen schwimmen sogar Fische, Angler kümmern sich dann um die großen Becken. „Dennoch sind es technische Bauwerke und keine Biotope“, so Ehlke Ubben. Der Betriebshof sowie externe Dienstleister würden sich darum kümmern, dass sie auch funktionieren. Dennoch würden Räumarbeiten immer nur in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde vorgenommen. Das gelte vor allem bei Rückhaltebecken, bei denen besonders viele Sträucher, Büsche oder gar Bäume weichen müssen, um die Funktion sowie den Zugang zum Bauwerk zu erhalten.
Mit Erfolg, wie Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß unterstrich. In anderen Regionen gebe es viel mehr Probleme bei Starkregen als in der Stadt Aurich. Auch der Grundwasserstand sei in Aurich besser als anderswo.
Und das könnte sogar künftig noch besser werden, wie Ehlke Ubben ausführte. Denn bislang dienen die Regenrückhaltebecken ausschließlich dafür, das Wasser so lange aufzuhalten, bis in der Kanalisation wieder genug Kapazitäten vorhanden sind. Dann fließt es ab. Angesichts von immer häufiger auftretenden Trockenperioden müsse aber daran gearbeitet werden, mehr Wasser vor Ort versickern zu lassen. Darüber sei man derzeit im Gespräch mit den Entwässerungsverbänden, so Ubben.