Kirche und Stadt Norden einigen sich Vorderer Teil der Norder Osterstraße wird Fußgängerzone
Die Verwaltung und die katholische Kirche einigten sich auf einen Grundstücksverkauf, mit weitreichenden Folgen für die Innenstadt. Künftig gibt es mehr Platz für Fußgänger, Autos werden umgeleitet.
Norden - 42 Jahre nach der ersten Idee haben die Stadt Norden und die katholische Kirche am Dienstag beim Notar einen Grundstückskauf besiegelt, der die Norder Innenstadt revolutionieren wird. Die katholische Kirche hat der Stadt das Grundstück verkauft, auf dem bisher das Pfarramt steht. Dort soll künftig eine neue Ost-West-Verbindung für den Autoverkehr verlaufen. Der vordere Teil der Osterstraße wird für den Autoverkehr gesperrt und Teil der Fußgängerzone. Laut Bürgermeister Florian Eiben sollen die Bauarbeiten Ende 2026 abgeschlossen sein. Die Politik habe den Plänen mit großer Mehrheit zugestimmt.
Wir brauchen eine Ost-West- und eine West-Ost-Verbindung, die wir zurzeit durch die Osterstraße haben“, sagte Eiben am Dienstag in einem Pressegespräch. Sobald an der Ecke Neuer Weg/Osterstraße eine Veranstaltung ist und mehrere Menschen zusammenkommen, werde es schwierig mit dem Autoverkehr. „Das Gute ist, diese Ecke wird künftig dicht sein“, sagte Eiben. So könne man eine Verlängerung der Fußgängerzone zur Osterstraße machen. „Wir vergrößern damit den autofreien Bereich in der Innenstadt für mehr Aufenthaltsqualität“, so Eiben.
Die neue Straße führt mitten durchs heutige Pfarrhaus
Die etwa 100 Meter lange, neue Straße wird von der Osterstraße abgehen und quasi durch das bisherige Pfarrhaus, über den dahinterliegenden Parkplatz führen und von dort aus wieder auf die Kleine Mühlenstraße geführt werden. Nicht nur der Straßenverlauf wird sich ändern: Künftig kann man auf dieser Route in beide Richtungen fahren. Die bisherige Einbahnstraßenregelung ist dann aufgehoben. Außerdem überlegt die Stadt, die bisherige Kreisstraße zu entwidmen und wieder zur Gemeindestraße zu machen, um den Bereich weiterentwickeln zu können. Auch, wie man künftig mit dem dann ungenutzten Teil der Kleinen Mühlenstraße umgeht. Eiben kann sich nach eigenen Aussagen Begrünung, Sitzgelegenheiten, einen Laubengang und Fahrradabstellplätze vorstellen. Diese Fragen müssten dann aber in den Detailplanungen geklärt werden.
„Für die Stadt ist es ein guter Tag, dass wir das gemeinschaftlich so hinbekommen haben“, sagte Eiben. Er betonte aber auch, dass dies nicht allein sein Verdienst sei. „Das Thema hat drei Bürgermeister beschäftigt, die alle ihren Beitrag geleistet haben“, sagte er.
Kirche spricht von langwierigem Abwägungsprozess
Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Knut Balzer, nennt die Umbaupläne „einen ziemlichen Eingriff“ und sprach von einem „langwierigen Abwägungsprozess“ innerhalb der Gemeinde. Es sei schwierig gewesen, die Gemeinde davon zu überzeugen, die „Kröte dieser Straße“ schlucken zu müssen zugunsten der Stadtentwicklung. Noch immer gebe es in der Gemeinde Sorgen, dass die Straße, die künftig nur noch 4,60 Meter statt bisher 15 Meter an der Kirche vorbeiführt, Schäden am Kirchengebäude verursachen könnte – auch wenn Gutachten diese Sorgen nicht bestätigen. „Wir wollen der Entwicklung der Stadt aber nicht entgegenstehen“, sagte Balzer.
Diese Entwicklung hält Florian Eiben für dringend notwendig. „Wir haben gemeinsam mit der Politik viele Ideen, wie wir die Stadt entwickeln können. Wir müssen aber bei allen Projekten aufpassen, dass sie leistbar sind und man sich nicht vertüdelt“, so Eiben. Aber Mobilität verändere sich. Schon aus Klimagesichtspunkten müsse der Autoverkehr reduziert werden.
Stadt muss sich laut Bürgermeister dringend verändern
Gerade mache die Verwaltung die Grundlagenarbeit, um in den nächsten Jahren die Stadt zu entwickeln und auch zu verändern. „Ich glaube, es wird Zeit, dass wir das machen“, sagte Eiben. Vorteile dieser geplanten Umgestaltung sieht Eiben in der dann vergrößerten Fußgängerzone. Dadurch werde der Mittelstand in der Osterstraße gestärkt. Die Aufenthaltsqualität der Menschen in der Stadt werde sich wesentlich verbessern, weil der Autoverkehr raus ist, sagte Eiben. Auch müsse die Osterstraße für Veranstaltungen nicht regelmäßig gesperrt werden, was zu einer Verringerung des Parksuchverkehrs führen werde.
Eiben rechnet für die Umbaumaßnahmen mit einer sechsstelligen Summe. Genaue Zahlen werden sich im Haushalt 2024 abbilden. Die Umgestaltung der Osterstraße fällt laut Eiben noch in das Sanierungsgebiet „Umgestaltung historischer Marktplatz“. Dadurch könnten die Baumaßnahmen mit Hilfe von Fördergeldern refinanziert werden. Dieses Landesprogramm läuft noch bis 2026. Deshalb ist es das erklärte Ziel der Verwaltung, bis zu diesem Zeitpunkt fertig zu sein.
Jörg Tapper, Inhaber vom Café ten Cate in der Norder Osterstraße, freut sich sehr, dass die Fußgängerzone vor seinem Café kommt. Es sei ein langer Traum, auf den er mehr als 20 Jahre gewartet habe, sagte Tapper im Gespräch mit unserer Zeitung. „Eine Innenstadt im touristischen Bereich muss eine Fußgängerzone haben“, so Tapper. Alle würden da Urlaub machen, wo man bequem und sicher einkaufen könne. „Allen Anliegern an der Osterstraße wird angesichts dieser Nachricht ein Stein vom Herzen fallen“, ist sich Tapper sicher.