Hamburg  Block-House-Erbin: „Ich habe schreckliche Angst um meine Kinder“

Jürgen Muhl
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Von Jürgen Muhl
| 18.11.2022 16:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gerhard Delling mit Freundin Christina Block bei der Premiere des Musicals Mamma Mia. Foto: imago images/Future Image
Gerhard Delling mit Freundin Christina Block bei der Premiere des Musicals Mamma Mia. Foto: imago images/Future Image
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Christina Block, die Lebensgefährtin des Sportmoderators Gerhard Delling, hat jüngst den Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann öffentlich gemacht. Im Gespräch berichtet sie davon, wie ihr ehemaliger Partner die gemeinsamen Kinder unrechtmäßig nach Dänemark geholt habe. Der Ex-Mann stellt die Situation anders dar.

Es war an einem heißen Sonntag im Juli 2021. Christina Block macht mit ihren vier Kindern Urlaub auf Sylt. Mittags geht es in ein Strandrestaurant. Johanna (damals 15), Greta (13), Klara (11) und Theodor (7) spielen miteinander. Hin und wieder mahnt die Mutter, angesichts der vielen Gäste zur Besonnenheit. Sie selbst unterhält sich an dem langen hölzernen Tisch mit anderen Gästen. Später kommt ihr Lebensgefährte, der ehemalige ARD-Sportmoderator Gerhard Delling, hinzu. Doch schon bald ist es mit der familiären Harmonie vorbei.

Wie Christina Block im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, habe der Vater der Kinder, von dem sie seit acht Jahren getrennt und seit 2018 geschieden ist, die gemeinsame älteste Tochter nach einem Streit mit ihrer Mutter zu sich geholt. Eine Woche später gibt Johanna an, von nun an bei ihm im dänischen Domizil in Gravenstein leben zu wollen. Rechtlich ist dies bis dahin in Ordnung.

Christina Block, Tochter des Gründers der Steakhouse-Kette „Block-House“ und heutige Mitinhaberin des Unternehmens, wozu auch das Hamburger Hotel Elysee gehört, und ihr Ex Mann haben das gemeinsame Sorgerecht der vier Kinder, die in Hamburg bei der Mutter leben und zur Schule gehen. An jedem zweiten Wochenende reisen sie in der Regel zum Vater, zumeist mit dem Zug bis Flensburg, wo Blocks früherer Ehemann sie am Bahnhof abholt und mit nach Gravenstein auf die Nordseite der Flensburger Förde nimmt. Stephan Hensel ist dort mit einer Dänin verheiratet, gemeinsam haben sie ein mittlerweile siebenjähriges Kind.

Einen Monat später: Hensel erscheint am Wohnhaus von Christina Block in Hamburg und will Greta, Klara und Theodor mitnehmen. Die älteste Tochter Johanna ist in Dänemark geblieben. Greta wolle aber nicht zum Vater, „weil der immer so einen Druck aufbaut“. Und der kleine Theo eigentlich auch nicht, wie Block sich erinnert. Letztlich aber steigen sie ins Auto des Vaters. Ab geht es nach Dänemark. Übers Wochenende, wie alle glauben. Ein Irrtum.

Wenig später, am 28. August 2021, teilt der geschiedene Ehemann in einer E-Mail seiner Ex-Frau mit, dass die Kinder „nicht nach Hamburg zurückkehren werden“. Entsetzen bei der Mutter, sie ist geschockt. Block spricht von „Entführung“, ein Psychologe bestätigt eine „Eltern-Kind-Entfremdung“.

Seit 15 Monaten hat Block mittlerweile keinen Kontakt zu den Kindern, die angeblich in Gravenstein eine dänische Schule besuchen. Sie sorgt sich besonders um Klara und Theodor. Eine beschwerliche rechtliche Auseinandersetzung beginnt, ein Krieg um die Kinder.

Immer wieder behauptet der Vater, die Mutter habe ihre Kinder nicht gut behandelt. Was Block vehement bestreitet. Gegenüber unserer Zeitung spricht Hensel wiederum von „Entführungsversuchen“ der Mutter. Daher besuchten die Kinder auch derzeit nicht die Schule. Den Beschluss des Oberlandesgerichts Hamburg, die Kinder der Mutter zu übergeben, akzeptiert er nicht. Es werde neue Urteile nach dänischem Recht geben und dann werde er das alleinige Sorgerecht der Kinder erhalten, glaubt Hensel. Block verweist auf diverse Erklärungen der Schule, der Kinderärztin, Physiotherapeutin und Freunden, so dass auch das Oberlandesgericht Hamburg und das Jugendamt festgestellt haben, dass „keine belastbaren Anhaltspunkte für körperliche Misshandlungen“ bestehen.

Die oberste Instanz, das Hanseatische Oberlandesgericht entscheidet im Oktober 2021 zugunsten der Mutter. So wird das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder Klara und Theodor „vorläufig auf die Mutter alleine übertragen“. Der Vater wird verpflichtet, die Kinder an die Mutter herauszugeben. Und: Der Antrag des Vaters auf vorläufige Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts für die Kinder Klara und Theodor auf ihn wird zurückgewiesen. Das Urteil, das einem vorherigen anderslautenden Beschluss des Amtsgerichts Hamburg widerspricht und nicht anfechtbar ist, liegt unserer Redaktion in schriftlicher Form vor.

Bis heute aber, also ein Jahr nach der Urteilsverkündung, ist nichts geschehen. Dänemark akzeptiert zwar die deutsche Rechtsprechung, verweigert aber, die Vollstreckung selbst durchzuführen. Der Vater ignoriert das, schottet die Kinder ab, die Mutter hat ihre Kinder bis heute nicht gesehen.

In der vergangenen Woche reiste Block mit ihrer 81-jährigen Mutter und ihrem Bruder Philipp nach Gravenstein, dabei waren auch sechs private Personenschützer. „Zu unserer eigenen Sicherheit“, sagt Block. Sie fürchtet sich vor ihrem ehemaligen Ehemann „und seiner Aggressivität“.

Nach einer Hotelnacht im benachbarten Sonderburg hoffte man, am frühen Morgen die Kinder auf dem Schulweg „nur zu sehen und zu sprechen“. Niemand verließ das Haus. Stattdessen stand plötzlich die dänische Polizei vor der Tür und nahm die deutschen Sicherheitskräfte fest. Sie blieben 36 Stunden in dänischer Haft. Hensel sieht darin einen „ersten Entführungsversuch“.

Weiterlesen: Kinder entführt? Das sagt Gerhard Delling zum Sorgerechtsstreit seiner Lebensgefährtin

Block ist verzweifelt. Wie auch ihr Lebensgefährte Gerhard Delling. „Es ist unerträglich für mich als Vater und Freund – aber vor allem für das Mutterherz.“ Er und Block hoffen jetzt auf die Justiz und die deutsche Politik. Seit dieser Woche liegt der Fall auch auf dem Schreibtisch von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther.

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