Kiel  Aminata Touré auf dem Cover der Vogue – zwischen Modepuppenimage und Ministerin

Inga Gercke, Sarah Sauerland
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Von Inga Gercke, Sarah Sauerland
| 18.11.2022 10:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit 30 Jahren hat Aminata Touré in ihrer politischen Laufbahn schon vieles erreicht. Nun ist die auch auf dem Cover der Dezemberausgabe der Vogue Germany. Foto: Delali Ayivi für VOGUE Germany
Mit 30 Jahren hat Aminata Touré in ihrer politischen Laufbahn schon vieles erreicht. Nun ist die auch auf dem Cover der Dezemberausgabe der Vogue Germany. Foto: Delali Ayivi für VOGUE Germany
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Als jüngste Ministerin Deutschlands hat es Touré auf das Titelbild der Modezeitschrift geschafft. Warum sie dem Shooting zustimmte und welche Presseanfragen sie nerven.

Im Oktober postete Aminata Touré ein kurzes Video auf ihrem Instagram-Kanal. Soweit erst einmal nichts Ungewöhnliches für die Sozialministerin. Regelmäßig nimmt die 30-Jährige ihre Follower mit durch ihren politischen Arbeitsalltag. Doch dieses Video ist anders. Hier bereitet sie sich auf keinen Termin vor, erledigt keinen Papierkram oder andere politische Aufgaben. In diesem kurzen Video fährt sie irgendwo hin. Sie sei aufgeregt, teilt sie ihren Followern damals mit. Mehr dürfe Sie noch nicht verraten.

Wohin sie damals unterwegs war, wissen wir jetzt: Die 30-jährige Touré war auf dem Weg zum Fotoshooting für die Dezemberausgabe des Modemagazins Vogue Germany. „Die Rückmeldungen sind bis jetzt alle positiv”, sagte die Politikerin am Freitagvormittag, kurz nachdem die Meldung öffentlich wurde. Auch Touré selbst kündigte die Nachricht und das dazugehörige Shooting auf ihrem Instagram-Kanal an. Innerhalb von fünf Stunden bekommt der Instagram-Post über 16.500 „Gefällt-mir“ angaben.

Für das Titelfoto posiert sie in einem weißen Strickkleid vor einem blauen Hintergrund. Thema des Heftes: „Visionen“. In einem langen Porträt spricht sie über ihre Idee von Politik, den Herausforderungen und ihrer Motivation.

„Aminata Touré ist eine der inspirierendsten Politikerinnen des Landes. Ihre Haltung zu unterschiedlichsten Themen, sowie die Art und Weise wie sie ihren Beruf ausübt, machte sie für uns zur Wunschkandidatin um das Heftthema ‚Visionen‘ zu transportieren.“, so Kerstin Weng, Head of Editorial Content Vogue Germany. Die Vogue-Story mit und über Aminata Touré finden Sie hier.

Über die Anfrage der Vogue habe sie sich sehr gefreut. „Ich war total geschmeichelt”, sagt sie. „Die Anfrage war sehr wertschätzend formuliert. Ich sei eine Frau, die schon viel geleistet hätte - und ich hätte eine Vorbildfunktion”, sagt Touré. Ein weiteres Argument, was sie überzeugte: “Sie sagten auch, dass sie noch nie eine Politikerin auf dem Cover gehabt hätten, also habe ich ’ja’ gesagt.”

Und tatsächlich: Als erste amtierende Politikerin überhaupt ziert Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré das Cover der Modezeitschrift.

Touré, die in der schleswig-holsteinischen Politikwelt nicht selten mit unkonventionellen Outfits auffällt, habe das Vogue-Angebot aber keineswegs nur aus modischen Gründen zugesagt: „Mit diesem Auftritt kann ich noch einmal eine andere Zielgruppe ansprechen. Menschen, die sich durchaus für Politik interessieren, denen aber der direkte Zugang fehlt.“ Denn das habe sie sich selbst auf die Fahne geschrieben: „Politik für Menschen greifbar und auch nahbarer zu machen. Die Vogue ist das Modemagazin schlechthin - und für mein Vorhaben ist das einfach großartig.”

Das „Vogue“-Porträt thematisiert auch die Reaktionen auf die vermeintliche Nahbarkeit der Ministerin in den sozialen Medien. In der Vergangenheit waren Tourés Social Media Aktivitäten bereits öfter Thema in der Berichterstattung über sie. Beispielsweise wurde die Politikerin zu einer ihrer Instagram-Storys kritisch befragt, indem sie sich für ihre Vereidigung als Ministerin zurechtmachte: Tanzend knetet sie sich Haarschaum in die Haare. Ob sie nicht vom Ministerinnenamt ablenken würde, wurde sie damals gefragt. Im Vogue-Interview antwortet sie darauf: „Wie bitte soll mich das abhalten von meinem Job, dass ich morgens mal kurz meine Hüften schwinge?“

Nerven Aminata Touré solche Presseanfragen, die sich weniger mit politischen Inhalten als mit Äußerlichkeiten beschäftigen? „Es kommt halt immer darauf an. Wenn man über diese Äußerlichkeiten dann Inhalte transportieren kann, nervt es mich nicht. Werde ich aber nur darauf reduziert, finde ich das natürlich nicht gut.”

Deutschlands jüngste Ministerin, Buchautorin, nun ist sie das Gesicht der Vogue- Coverstory: Was kommt als nächstes? „Ich will die nächsten fünf Jahre einen guten Job als Ministerin machen. Und glauben Sie mir, das ist schon herausfordernd genug”, sagt sie.

Wenn aber solche Anfragen wie die der Vogue dazwischen kommen, „und ich so Politik vermitteln kann”, dann nehme sie solche Chancen natürlich auch an - und Spaß habe es am Ende auch noch gemacht.

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