Prozess am Auricher Landgericht  Pärchen soll Drogen auch an Minderjährige verkauft haben

Marion Bubolz
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Von Marion Bubolz
| 18.11.2022 08:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Eingang des Landgerichts. Foto: Romuald Banik
Der Eingang des Landgerichts. Foto: Romuald Banik
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Zwei 23-Jährige stehen vor der Dritten Großen Strafkammer, weil sie in Norden Marihuana, Kokain und Ecstasy in Umlauf brachten. Beim Eintreiben des Geldes war auch Angst im Spiel.

Aurich - Weil sie gemeinsam in Norden Marihuana in nicht geringer Menge verkauft haben sollen, müssen sich seit Donnerstag ein 23-Jähriger aus Alfeld und seine gleichaltrige Ex-Freundin aus Norden vor der Dritten Großen Strafkammer am Landgericht Aurich verantworten. Als Bande sollen sie die Drogen auch an Minderjährige weitergegeben haben. Während der Mann die Beschaffung organisiert habe, seien die Drogen in der Wohnung der Frau abgepackt und verkauft worden, heißt es in der Anklageschrift. Zwei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche sollen als sogenannte Läufer den Großteil der Ware unter die Leute gebracht haben. Beide müssen sich in einem eigenen Verfahren verantworten.

Der 23-Jährige soll außerdem säumige Zahler mit Gewalt gedroht haben. Der leitende Ermittler berichtete, man sei über die Festnahme eines der Läufer auf die beiden Angeklagten gestoßen. Man habe einige ihrer Kunden vernommen, die von dem 23-Jährigen zum Teil „massiv unter Druck“ gesetzt worden seien. Alle hätten „mächtig Angst“ vor dem Angeklagten gehabt, weshalb sie nur zögerlich ausgesagt hätten.

Angeklagte war geständig, ihr Ex-Freund nicht

Staatsanwalt Gleißner geht davon aus, dass die Angeklagten zwischen Februar und Juni 2021 mindestens einmal pro Monat mindestens 200 Gramm Marihuana verkauft haben. Ihre Einnahmen bezifferte er auf rund 5500 Euro. Im Chatverlauf ihrer beschlagnahmten Handys finden sich überdies Hinweise auf den Handel mit Kokain und Ecstasy. Während die Frau einräumte, gelegentlich auch die härteren Drogen an Kunden abgegeben zu haben, bestreitet der Mann jeden Kontakt mit Ecstasy. Zum Thema Kokain wollte er sich nicht äußern.

Im Großen und Ganzen zeigten sich beide Angeklagte jedoch geständig. Als Motiv für den Drogenhandel nannte die 23-Jährige ihren eigenen, bereits seit Jahren währenden Konsum von Marihuana. Ihr Ex-Freund hingegen halte sich fern von Drogen jeder Art. Er habe vorgeschlagen, zur Finanzierung ihres Bedarfs in den Rauschgifthandel einzusteigen.

Verhandlung wird fortgesetzt

„Das hat sich natürlich alles ganz einfach angehört“, berichtete sie. Ein langjähriger Freund des Angeklagten habe sie regelmäßig beliefert, sie habe die Kunden angeschrieben und das Geld kassiert. Einer der Jugendlichen, die fest in die Vertriebsstruktur integriert waren, sei ein Freund von ihr, sein Alter ihr durchaus bekannt gewesen. Über ihn sei der zweite Jugendliche dazugekommen. Ihr Ex-Freund habe die beiden Verkäufer bei Problemen mit der Kundschaft unterstützt. Zahlungsunwillige habe er per Telefon und manchmal auch persönlich bedroht. Inzwischen habe sie sich von ihm und dem gesamten Umfeld getrennt.

Der Angeklagte bestritt indes, Ideengeber gewesen zu sein. Nach Auskunft seines Verteidigers hatte sich das Ganze „verselbstständigt“. „Ich habe Null Euro daran verdient“, stellte der Angeklagte fest, er habe lediglich „deren Konsum finanziert“. Auch habe er niemanden bedroht. Er habe seine jungen Dealer zu Kunden begleitet, wenn diese nicht hätten zahlen wollen. Als Zweimetermann habe er allein durch seine körperliche Anwesenheit Angst verbreiten sollen.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag ab 10 Uhr fortgesetzt.

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