Osnabrück  Vom Arzt bis zur Pflegekraft: Das zahlen die Niels-Stensen-Kliniken ihren Mitarbeitern

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 15.11.2022 18:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Niels-Stensen-Kliniken sind der größte Gesundheitsverbund in Stadt und Landkreis Osnabrück sowie dem Emsland. Foto: Stefan Gelhot
Die Niels-Stensen-Kliniken sind der größte Gesundheitsverbund in Stadt und Landkreis Osnabrück sowie dem Emsland. Foto: Stefan Gelhot
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Fast 7.000 Mitarbeitende zählen die Niels-Stensen-Kliniken in Osnabrück und dem Emsland. Einen klassischen Tarifvertrag gibt es hier nicht. Ein Überblick, was Ärzte und Pflegekräfte verdienen.

Mit neun Krankenhäusern, mehr als 1.600 Betten und fast 7.000 Mitarbeitenden sind die Niels-Stensen-Kliniken eigenen Angaben zufolge der größte Gesundheitsverbund in Stadt und Landkreis Osnabrück sowie dem Emsland. Größte Gesellschafter sind mit jeweils 41 Prozent der Bischöfliche Stuhl zu Osnabrück sowie das St. Georgsstift Thuine. Zudem sind die katholische Kirchengemeinde St. Matthäus Melle mit 11 Prozent und die katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus Ankum mit 7 Prozent beteiligt.

Die Vergütung der Beschäftigten erfolgt zumindest teilweise nach den Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes – kurz AVR. Hierbei handelt es sich nicht um einen Tarifvertrag im klassischen Sinne, stattdessen gelten die Besonderheiten des kirchlichen Arbeitsrechts.

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Konkret legen die AVR die Arbeitsbedingungen verbindlich fest und enthalten unter anderem Bestimmungen über die Höhe der Entgelte – beispielsweise für Ärzte, den Pflegedienst oder Medizinische Fachangestellte.

Demnach verdienen Assistenzärzte anfänglich als Grundgehalt nach dem Studium ohne Berufserfahrung bei einer 40-Stunden-Woche 4695 Euro brutto im Monat. Mit zunehmender Berufserfahrung erreichen sie allerdings höhere Gehaltsstufen, sodass sich ihr Gehalt am Ende auf jährlich bis zu 90.000 Euro steigern kann (wobei in dieser Summe auch die Bereitschaftsdienste der Ärzte inkludiert sind).

Wer hingegen als Facharzt in den Niels-Stensen-Kliniken tätig ist, startet bei monatlich 6190 Euro brutto. Auch sie erreichen alle drei beziehungsweise später alle zwei Jahre die nächsthöhere Gehaltsstufe. Das Maximum liegt bei einer monatlichen Grundvergütung von rund 8.000 Euro.

Oberärzte und leitende Oberärzte steigen monatlich bei 7761 Euro brutto ein, Steigerungen in höhere Stufen sind alle drei Jahre möglich.

Die Gehälter von Chefärzten teilen sich wiederum in fixe und variable Bestandteile auf. Das fixe Entgelt orientiert sich ebenfalls an den AVR und beginnt bei monatlich brutto 9782 Euro und kann auf bis zu 10.100 Euro steigen.

Die variable Vergütung hingegen ergibt sich aus einer Beteiligung an Wahlleistungserlösen der Klinik sowie einer Zielvereinbarung, die sich an Qualitätsaspekten der Klinik orientiert. Heißt: Einerseits verdient ein Chefarzt an Leistungen, die über den normalen Umfang der allgemeinen Krankenhausleistungen hinausgehen und die ein Patient freiwillig wählen kann. Zugleich erhält er einen Bonus, wenn die Klinik bestimmte qualitative Ziele erreicht, beispielsweise in Hinblick auf eine bessere Patientenversorgung.

Insgesamt macht der variable Anteil an der Jahresgesamtvergütung der Chefärzte einen erheblichen Anteil aus – gemäß früheren Studien deutlich über 30 Prozent. Dem Kienbaum-Vergütungsreport zufolge lag 2019 das Jahresgesamtgehalt von Chefärzten in Kliniken bei durchschnittlich 300.000 Euro.

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Daneben erhalten Mitarbeiter für Bereitschaftsdienste das sogenannte Bereitschaftsdienstentgelt, das bei 42,25 Euro je Stunde startet. Rufbereitschaftsdienste, bei denen sich Mitarbeiter also nur für einen eventuellen Einsatz bereithalten müssen, erbringen eine Pauschale in Höhe des doppelten (an Werktagen) beziehungsweise des vierfachen (an Wochenenden) Stundenentgelts. Somit liegen die Pauschalen zwischen 100 und 200 Euro.

Wird ihre Arbeitskraft dann benötigt, werden sie zusätzlich nach der Anzahl der Stunden und in Höhe des jeweiligen Stundenlohnes bezahlt. Darüber hinaus werden bei beiden Diensten Zuschläge für Überstunden, Nachtstunden, Sonn- und Feiertagsarbeit gezahlt.

Auch der Pflegedienst der Niels-Stensen-Kliniken wird gemäß den AVR entlohnt. Konkret verdienen beispielsweise Pflegehelfer ohne Ausbildung zwischen 2407 Euro und 2600 Euro brutto im Monat. Haben sie mindestens eine einjährige Ausbildung absolviert, steigt das Grundgehalt auf bis zu 3400 Euro.

Examinierte Pflegefachkräfte verdienen bei einer 38,5-Stunden-Woche als Grundgehalt zwischen 2932 Euro und 3654 Euro brutto. Die Gehaltsstufe ist dabei unter anderem abhängig von der jeweiligen Berufserfahrung: Eine examinierte Pflegefachkraft mit sechs Jahren Berufserfahrung bekommt zum Beispiel ein Grundgehalt in Höhe von 3379 Euro (Entgeltgruppe P7).

Überdies können höhere Gehaltseinstufungen im Pflegedienst auch durch Fortbildungen erreicht werden. Hierzu zählen beispielsweise Fachweiterbildungen im Intensiv- und Anästhesie-Bereich oder Weiterbildungen als Wundmanager.

Neben dem Grundgehalt gibt es zusätzlich eine jährliche Sonderzahlung, die je nach Entgeltgruppe bis zu 86 Prozent des monatlichen Bruttoentgeltes betragen kann. Auch gibt es diverse monatliche Zulagen: eine Leistungszulage in Höhe von 2 Prozent des Bruttomonatsentgelts, eine Zulage von 25 Euro sowie eine Pflegezulage von 120 Euro.

Spezifische Sonderzuschläge gibt es noch für die Behandlung von Patienten mit bestimmten Indikationen (46,02 Euro) und in der Intensivmedizin (100 Euro).

Im Schichtdienst wird zusätzliche entweder eine Schichtzulage (40 Euro) oder eine Wechselschichtzulage (155 Euro) monatlich gewährt.

Zusätzlich zu den monetären Zuschlägen gibt es bei Nachtarbeit sowie Schicht- beziehungsweise Wechselschichtdiensten bis zu zehn Tage Zusatzurlaub pro Jahr.

Mitarbeitende außerhalb des ärztlichen Diensts und des Pflegediensts wie beispielsweise Medizinische Fachangestellte verdienen in den Niels-Stensen-Kliniken bei einer 39-Stunden-Woche in der Regel zwischen 2500 und 3400 Euro brutto.

Gehaltsstufensteigerungen erfolgen auch hier in Zwei-Jahressprüngen. Neben einer Weihnachtszuwendung (77,51 Prozent des Bruttomonatsentgeltes) erhalten sie zudem Urlaubsgeld in Höhe von 444 Euro sowie wie bei den Ärzten Zuschläge für Bereitschaftsdienste sowie für Rufbereitschaft.

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