Osnabrück  China sollte Moskau zum Einlenken bewegen - schon aus Eigeninteresse

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 15.11.2022 15:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wird es einsam um ihn? Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Treffen auf Bali. Foto: dpa
Wird es einsam um ihn? Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Treffen auf Bali. Foto: dpa
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Beim Gipfel der G20-Runde gerät Russland wegen seines Krieges gegen die Ukraine unter Druck. Bisherige Unterstützer wie China und Indien wollen sich wohl nicht länger vorbehaltlos hinter Russland stellen. Zeit für eine Kurskorrektur.

Eine große Mehrheit der G20-Staaten wird in der Gipfelerklärung einem Entwurf zufolge offenbar den russischen Angriffskrieg verurteilen. Ob China dabei sein wird, ist noch offen. Allein die Tatsache, dass Peking einen solchen Passus nicht verhindert, könnte einen ersten Schritt hin zu einer zaghaften Kurskorrektur andeuten.

Gut möglich, dass man in Peking zunehmend zu der Erkenntnis gelangt, dass es wenig vorteilhaft wäre, es sich mit den großen westlichen Handelspartnern wie den USA und der EU zu verscherzen. Die Wirtschaft der Volksrepublik ist tief verflochten in der Weltwirtschaft; florierende Exporte sind ein elementarer Bestandteil des ökonomischen Erfolgs. Die Entwicklung des Landes hängt auch vom gedeihlichen Handel auf globaler Ebene ab.

Präsident Xi Jinping wird also kaum den Zugang zu den weltweiten Märkten riskieren, um Russland langfristig den Rücken zu decken - zumal Xi auf Bali nun klar gemacht hat, dass niemand an einer Blockbildung interessiert sein könne.

Der Balanceakt zwischen der für die chinesische Führung wichtigen Kooperation auf dem Energiesektor mit Moskau und der Notwendigkeit, die ohnehin spannungsgeladenen Beziehungen zum Westen nicht noch weiter zu belasten, wird immer schwieriger.

Tatsächlich wäre ein Ende des russischen Krieges gegen die Ukraine wohl das wirksamste Mittel für die Erholung der angespannten Weltwirtschaft und käme somit auch China zugute. Peking hätte wenig zu verlieren, drängte es Russland an den Verhandlungstisch.

Doch auch der Druck auf die Ukraine seitens des aliierten Westens müsste zunehmen. So verständlich und legitim es ist, dass Kiew auf die Wiederherstellung der territorialen Integrität des Landes beharrt - die Rückgabe aller besetzten Gebiete zur Voraussetzung für Gespräche mit Moskau zu machen, ist wenig zielführend. Es ist ja gerade das Wesen von Verhandlungen, Möglichkeiten und Wege für einen Friedensschluss auszuloten, der nur ein Kompromiss sein kann.

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