Dehoga-Landesverbandstag  Personalmangel trotz Gehaltserhöhungen

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 14.11.2022 18:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mareike Zägel, Dehoga-Kreisvorsitzende Foto: Romuald Banik
Mareike Zägel, Dehoga-Kreisvorsitzende Foto: Romuald Banik
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Die Gaststättenbranche kämpft immer wieder gegen Fachkräftemangel. Zuletzt winkten Gehaltserhöhungen – aber die Auricher Kreisvorsitzende des Dehogas ist skeptisch, ob das ausreicht.

Aurich - Auf eine neue Normalität muss sich das Hotel- und Gaststättengewerbe in Ostfriesland einstellen. Nur mit Anpassung und Flexibilität könne man die aktuellen Krisen überstehen, sagte der Präsident des niedersächsischen Dehoga, Detlef Schröder. Und Krisen gibt es derzeit viele.

Vor allem die Preissteigerungen bei Strom und Gas sowie die Inflation und damit auch gestiegene Kosten bei Lebensmitteln stellen die Branche vor Herausforderungen. „Manche Produkte fliegen einem um die Ohren“, sagte Schröder.

Delegierte des Dehoga-Landesverbands trafen sich am Montag in Aurich. Foto: Romuald Banik
Delegierte des Dehoga-Landesverbands trafen sich am Montag in Aurich. Foto: Romuald Banik

Kostensenkung kaum möglich

Möglichkeiten, die Kosten zu senken, gibt es jedoch kaum. Von der Erhebung einer Energiepauschale rät der Dehoga ab. Die Preise für Gerichte müssen individuell kalkuliert werden. Auch Preiserhöhungen seien schwierig, so Schröder, immerhin müssten Gäste sie auch noch bezahlen können.

Teilweise gibt es auch schon Überlegungen seitens der Wirte, über den Winter zu schließen. Eine wirklich praktikable Lösung ist das allerdings nicht, sagte der Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbands, Rainer Balke. Man dürfe nicht vergessen, dass ein solcher Schritt auch ein schlechtes Zeichen an das Personal wäre – das sich nach der Pause womöglich umorientiert hätte. Viele Betriebe könnten sich die Schließung deshalb gar nicht erlauben, so Balke.

Arbeiten, wenn andere frei haben

Immer wieder Thema ist auch der Fachkräftemangel. Seit Langem kämpft die Branche mit einem negativen Image. Arbeiten, wenn andere Feierabend haben, an Wochenenden und Feiertagen – nicht jeder kann oder will damit umgehen. Hinzu kommt immer wieder die Kritik der schlechten Bezahlung. Laut Balke habe sich die Situation für die Arbeitnehmer bereits gebessert. Im Schnitt hätten sich vor allem die niedrigen Gehälter um 25 Prozent erhöht. Und das sei nicht nur eine Auswirkung des erhöhten Mindestlohns, wie Balke auf Nachfrage betont. Die Betriebe wollten die Arbeit damit attraktiver machen.

Kommt dieser Schritt vielleicht zu spät? In der Pandemie wanderten fast 20 Prozent des Personals in Niedersachsen in andere Bereiche ab, ein Teil kehrte laut Dehoga zurück, fast acht Prozent fehlen nach wie vor. Hätte die Branche früher um ihre Mitarbeiter kämpfen müssen, um in der Krise besser bestehen zu können? „Wären wir pfiffig gewesen, hätten wir es voraussehen können“, sagte Balke dazu. „Man sieht Veränderungsbedarf erst dann, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.“

Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbands (links) und Detlef Schröder, Präsident des Dehoga-Landesverbands
Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbands (links) und Detlef Schröder, Präsident des Dehoga-Landesverbands

Wertschätzung ist zentral

Ähnlich sieht das die Auricher Kreisvorsitzende des Dehoga, Mareike Zägel. Im Nachhinein sei es immer leicht zu sagen, wo man hätte besser handeln können. „Wir brauchen jetzt Konzepte und gute Ideen“, sagte sie. Und zwar schnell: Mit den Babyboomern geht demnächst ein geburtenstarker Jahrgang in Rente. Das reißt Lücken auf – und die aktuellen Generationen hätten andere Ansprüche an die Arbeit als ältere, sagte Zägel. Daran könne man sich aber anpassen. Nicht jeder sei dafür gemacht, um sechs Uhr morgens für einen Bürojob aufzustehen. Aber auch das Gehalt bleibt Thema. Bei den aktuellen Erhöhungen dürfe man nicht vergessen, dass auch das Personal mit den Preissteigerungen zu kämpfen habe. Von ihrem höheren Gehalt hätten sie kaum noch etwas, sagte Zägel.

Die Veränderungen in der Branche fangen für Zägel bereits im Kleinen an. Ein zentraler Punkt sei die Wertschätzung – sowohl vom Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern gegenüber als auch vom Gast gegenüber der Gastronomie. Aktuell gehe die Schere gerade bei Letzterem immer stärker in beide Extreme auseinander, sagte Zägel.

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