Berlin Mit Sendung zu Katar: Plasberg gibt „Hart aber Fair“ an Nachfolger ab
Seit mehr als 20 Jahren moderiert Frank Plasberg „Hart aber fair“ – am 14. November nun zum letzten Mal. Das Thema: Die umstrittene Fußball-WM in Katar. So war die letzte Sendung – und das wird sein Nachfolger.
Jeden Montagabend moderierte Frank Plasberg die Sendung „Hart aber fair“ im Ersten – 22 Jahre lang. Nun begrüßte der 65-Jährige zum letzten Mal Gäste in seiner Talkrunde. Das Thema, knapp eine Woche vor dem Eröffnungsspiel: die WM in Katar. „Eine Fußball-WM im Winter. In der Wüste. In einem Land ohne Fußball-Tradition, das Menschenrechte missachtet: Ist das der totale Ausverkauf des Fußballs? Oder siegt am Ende doch die große Leidenschaft für das Spiel?“, heißt es auf der Webseite der Sendung.
Für Willi Lemke, Ex-Manager des SV Werder Bremen und ehemaliger UN-Sonderbotschafter Sport, ist klar: Er freut sich auf die WM. „Ich gehe davon aus, heute wird der letzte Tag des WM-Bashings sein“, sagt er. Ab morgen werde sich die Berichterstattung mit dem Fußball beschäftigen.
Steffen Simon, DFB-Mediendirektor, widerspricht. Er betont, dass die Missstände, die während der sportlichen Großveranstaltung auffallen, auch weiter thematisiert werden. „Es ist die umstrittenste WM aller Zeiten, das wissen wir. Ob sie Katar verändern wird, wissen wir nicht“, sagt er. Der Fußball sei durch diese WM-Vergabe aber auf jeden Fall politischer geworden.
Für Bundesinnen- und Sportministerin Nancy Faeser (SPD) steht noch nicht fest, ob sie in den kommenden Wochen Gast in Katar sein wird. Sie knüpfe das vor allem an eine Bedingung: „Der kritische Dialog vor Ort muss weitergeführt werden.“ Sie sehe bereits deutliche Verbesserungen in den Arbeitnehmerrechten, sagt aber, man müsse dran bleiben. Von daher verspricht sie, auch nach der WM den „Prozess in Katar“ zu begleiten.
Sicher boykottieren werde Tugba Tekkal die WM: „Obwohl ich Fußballerin durch und durch bin, kann ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.“ Ihr Fernseher bleibe aus, auch wenn Deutschland im Finale stehen sollte. Und sie hofft, dass viele Menschen so denken. Denn Tekkal ist nicht nur Ex-Bundesligaspielerin, sondern auch Menschenrechtsaktivistin. „Es ist wichtig im Umgang mit Unrechtsregimen eine ganz klare Haltung zu zeigen“, unterstreicht sie ihre Meinung.
Dass sich durch die WM nachhaltig etwas in Katar ändern wird, daran glaubt Thomas Hitzlsperger, ehemaliger Nationalspieler, nicht: „In zwei Jahren ist EM in unserem Land. Niemand wird dann noch für Katar interessieren. Das war schon immer so: nach Russland, nach Brasilien.“ Angst, als homosexueller Mann jetzt dorthin zu reisen, hat er aber nicht. Immerhin habe die Regierung von Katar eine Sicherheitsgarantie gegeben. Auch wenn es grotesk sei, dass so etwas im „sichersten Land der Welt“ nötig ist.
Der Talkrunde voraus ging eine Dokumentation von und mit Thomas Hitzlsperger. „Hitzlsperger reist nach Katar und sucht nach Arbeitern, die die Stadien mitgebaut haben und ihm aus erster Hand von den dortigen Zuständen berichten können“, so das Erste. „Viel wird über Katar gesprochen, doch selten mit Katarern. Und schon gar nicht mit Frauen.“
Moderator Frank Plasberg hat in der letzten von ihm präsentierten Ausgabe der Talkshow „hart aber fair“ für seinen Nachfolger Louis Klamroth Platz gemacht. Klamroth trat zum Schluss der Sendung am Montagabend etwas überraschend aus der Kulisse und forderte Plasberg auf: „Frank, du musst jetzt mal ein bisschen Kontrolle abgeben.“
Danach bat er ihn, einen „Schritt zur Seite“ zu gehen - damit er selbst erstmals auf das berühmte Pad drücken könne, mit dem bei „hart aber fair“ kleine Filme gestartet werden können. Plasberg ließ ihn gewähren. Danach zeigte Klamroth einen großen Abschiedsfilm mit Szenen aus Plasberg „hart aber fair“-Zeit.
Der 65-Jährige hatte im Sommer erklärt, die Moderation des ARD-Talks nach mehr als 20 Jahren abgeben zu wollen. Er hatte die Sendung seit 2001 moderiert. Am Montag war nun der große Moment gekommen - Plasberg verabschiedete er sich von seinem Publikum. „hart aber fair“ soll nun eine Pause machen und von 2023 vom deutlich jüngeren Klamroth präsentiert werden.
Vor Klamroths Kurzauftritt hatte Plasbergs langjährige Kollegin und „Zuschaueranwältin“ Brigitte Büscher bereits ausgewählte Meinungen aus dem Publikum zum Weggang des Langzeit-Gastgebers vorgetragen. Manche waren durchaus kritisch. Ein Zuschauer schrieb: „Vielleicht bringt der neue Moderator etwas Stimmung in die Bude.“ Viele waren aber wohlwollend. Eine Zuschauerin erklärte, sie habe „eigentlich nur wegen Herrn Plasberg“ zugeschaut. Der neue Moderator trete in „große Fußstapfen“. Plasberg begrüßte Klamroth wenig später mit dem Satz: „Hallo Louis, was hast du für eine Schuhgröße?“
Am Ende stand Plasberg mit einem großen Blumenstrauß vor dem Studio-Publikum und Mitarbeitern der Sendung, die ihm applaudierten. Er wiederum bedankte sich bei seinen Kollegen und den Zuschauern. Auf einer Videowand stand „Danke Frank“.
„Für mich ist ein schöner Tag“, erklärte Plasberg zudem. Ein 79 Jahre alter Professor habe ihm einen Rat zukommen lassen, wie man mit dem nun folgenden Lebensabschnitte umgehen könne. Es sei der Rat, den auch seine Frau ihm gegenüber formuliert habe: „Immer helle Kleidung tragen und gut riechen.“ Plasberg versprach: „Ich werd‘s machen.“