Hannover Grüne im VW-Aufsichtsrat? Besser als im Wirtschaftsministerium!
Wie kam Julia Willie Hamburg in den VW-Aufsichtsrat? Vermutlich über einen Deal, der Schlimmeres verhindert hat. Eine Chance hat die Grünen-Politikerin aber verdient.
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fährt privat einen Volkswagen. Seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg fährt Fahrrad. Die Grünen-Politikerin hat gar kein Auto. Und einen Abschluss hat die 36-Jährige im Gegensatz zum Volljuristen Weil ebensowenig.
So unterschiedlich die beiden Spitzenpolitiker auch sind, haben sie doch eines gemein: Sie vertreten das Land Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat. Weil als Regierungschef sowieso und Hamburg neuerdings nach Bildung der rot-grünen Koalition. Dass neben Weil bei VW nicht der Autofan und Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sitzt, dürfte an einem Deal zwischen den Parteien liegen.
Hamburg wollte eigentlich das Wirtschaftsministerium haben, ist aber neben ihrem Amt als stellvertretende Ministerpräsidentin lediglich Bildungsministerin geworden. Dafür, dass Lies vom Umwelt- ins mächtige Wirtschaftsministerium zurückkehren konnte, wurde Hamburg von Weil offenbar mit dem Aufsichtsratsposten bei VW „belohnt“.
Ist Hamburg eine Fehlbesetzung, weil sie kein Auto und keinen Abschluss hat? Mitnichten. Hamburg ist ein politisches Talent mit einer schnellen Auffassungsgabe. Sie hat sich nach schwerer Krankheit zurück ins Leben und bis an die politische Spitze Niedersachsens gekämpft. Sie verteufelt Autos keineswegs, braucht als Stadtmensch in Hannover nur schlicht keines.
Geben wir ihr die Chance, sich in die komplexe Materie eines weltweit agierenden Automobilkonzerns einzuarbeiten. Grüne Ideologien wird sie im Aufsichtsrat ohnehin nicht durchboxen können, denn das Gremium ist dem Wohl des Unternehmens verpflichtet.
Insofern ist Julia Willie Hamburg womöglich besser bei VW als an der Spitze eines Ministeriums aufgehoben, das nicht nur für die Wirtschaft in Niedersachsen, sondern auch für die Verkehrspolitik im Land verantwortlich ist. Und wer will hier schon eine Partei in Verantwortung sehen, die etwa den Bau neuer Autobahnen ablehnt und mit ihrem Kröten- und Vogelschutz schon so manchen Wirtschaftsmotor abgewürgt hat.