Prozess in Aurich Pärchen wegen Internetbetrugs vor Gericht
Ihre Verurteilung wegen Betrugs wollte ein Pärchen aus dem Kreis Leer nicht akzeptieren und zog vors Landgericht Aurich. Warum sie doch noch die Berufung zurückzogen.
Aurich - Ein im März vom Amtsgericht wegen Betruges verurteiltes Pärchen aus dem Kreis Leer hat am Mittwoch seine Berufung vor dem Landgericht in Aurich zurückgezogen. Angesichts weiterer Verfahren zu ähnlichen Vorwürfen erschien es beiden sinnvoller, die ausstehenden Entscheidungen abzuwarten, sodass das Gericht am Ende sämtliche Strafen zu einem Paket zusammenschnüren kann.
In erster Instanz waren die 31-Jährige und ihr 35-jähriger Lebensgefährte wegen gemeinschaftlichen und gewerblichen Betruges zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es damals als erwiesen an, dass die Angeklagten zwischen 2019 und 2020 Elektrowerkzeuge und Haushaltsgeräte auf dem Internetportal Ebay verkauft hatten, ohne die Ware an die Kunden zu liefern. Jeweils im Mai und Juni 2020 hatten sie in einem Geschäft eine teure Motorsense bestellt, die sie in geringfügiger Höhe angezahlt und mitgenommen hatten. Die verbliebene Summe waren sie schuldig geblieben. Das Gericht bezifferte ihren Gewinn insgesamt auf rund 3000 Euro, deren Einziehung angeordnet wurde.
Angeklagte wollten Bewährungsstrafe
Sowohl der Mann als auch die Frau hatten sich gegen die Entscheidung an das Landgericht gewandt. Zwar hatten sie die Vorwürfe unumwunden eingeräumt, ihre Berufung zielte indes auf eine Strafe von höchstens zwei Jahren, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Beide sind wegen ähnlicher Taten bereits mehrfach aufgefallen, der 35-Jährige sitzt derzeit in Meppen in Haft.
In der Verhandlung äußerte er sich erstmals zu den Motiven für die Betrügereien. Er habe ein Alkoholproblem und sei gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in die Spielsucht gerutscht. In Spielhallen und Casinos hätten sie Geld erspielt und verloren. Inzwischen sind beide hochverschuldet. Seine Lebensgefährtin hatte ihr Konto für die Transaktionen zur Verfügung gestellt. Triebfeder sei jedoch der Angeklagte gewesen, erklärte ihr Verteidiger. „Ich hatte nicht den Mut und die Stärke, das zu stoppen“, bekannte die 31-Jährige. Immer habe sie gehofft, durch das Spielen aus der Schuldenfalle herausfinden zu können. Das Spielen hat sie inzwischen aufgegeben, mithilfe der Schuldnerberatung arbeitet sie daran, ihre Finanzen zu regulieren.
Weil in Kürze in einem anderen Verfahren vor derselben Strafkammer rund sechzig weitere Betrügereien verhandelt werden sollen, zogen es die Angeklagten nach Rücksprache mit ihren Verteidigern vor, ein Gesamturteil abzuwarten.