Fußball-WM in Katar  Wenig Vorfreude auf die WM

| | 08.11.2022 17:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Um diesen Pokal geht es in Katar. Das WM-Turnier im November ist das Umstrittenste in der Fußball-Geschichte.Foto: DPA
Um diesen Pokal geht es in Katar. Das WM-Turnier im November ist das Umstrittenste in der Fußball-Geschichte.Foto: DPA
Artikel teilen:

Ostfriesische Fußballfans blicken mit Abscheu auf die Umstände – warum das aber kein Grund für einen TV-Boykott ist.

Ostfriesland - Bestechung in einem korrupten Weltverband bei der Vergabe, ein unsäglicher Zeitpunkt und ein Gastgeberland, das die Menschenrechte mit Füßen tritt und für die Errichtung der WM-Stadien auch den Verlust von zahlreichen Menschen in Kauf nimmt: Zwölf Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist die Liste der Vorbehalte gegen das Fußball-Turnier groß. Die Sportfans in aller Welt stehen vor der Frage, ob sie die Weltmeisterschaft boykottieren oder doch stundenlang vor dem Fernseher sitzen oder gar einen Stadionbesuch in Erwägung ziehen. Die ON haben sich bei ostfriesischen Fußball-Fans umgehört. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle missbilligen die Machenschaften bei der Vergabe und die Zustände im Gastgeberland. Doch alle sind auch Fußball-Fans und werden sich zumindest die deutschen Spiele anschauen.

So wie Winfried Neumann, Vorsitzender des Fußballkreises Ostfriesland. „Ich freue mich auf gute Fußballspiele. Ein Boykott kommt nicht infrage, dafür bin ich zu sehr Fußballer“, sagt Neumann. Doch er ist eben auch Funktionär. Und in dieser Eigenschaft hat er ebenfalls eine klare Meinung.

„Die Vergabe war schon ein No-Go. Es geht nur noch um das Geld, und dann ist da auch noch die Situation der Arbeiter vor Ort“, sagt Neumann.

Doch jetzt so kurz vor Anpfiff der Spiele könne man nichts mehr ändern. „Nun müssen wir da durch. Die Spieler selbst können nichts dafür“, sagt Neumann.

Der Vorsitzende des ostfriesischen Fußballkreises plädiert dafür, künftig die Vergabe einer Weltmeisterschaft genauer zu überdenken und sie nur in Länder mit einer kompletten Infrastruktur und einer Fußball-Tradition zu vergeben. Dieses Mal sei die Kritik besonders laut. „Dabei haben wir die WM vor vier Jahren in Russland gehabt. Es gibt viele Beispiele“, sagt Neumann, der auch auf die WM 1978 in Argentinien verweist – damals eine Militärdiktatur.

Bei Werner Hoffmann, Vorsitzender der SpVg Aurich, kommt auch noch kein Fußball-Fieber auf. „Wie kann man eine Weltmeisterschaft dorthin vergeben“, fragt sich Hoffmann. Der SpVg-Vorsitzende hat Dokumentationen über die Machenschaften der FIFA und der Zustände in Katar gesehen, die ihm die Lust auf Fußball verhagelt hätten. Er findet aber auch: Die Proteste hätten viel früher erfolgen müssen und nicht jetzt aus allen Ecken und zwei Wochen vorher. „Da hätte doch auch der Europäische Verband sagen können: Wir schicken keine Mannschaften. Aber das gesamte System ist ein ziemliches Desaster“, sagt Hoffmann.

Ein Boykott vor dem heimischen Fernseher ist für ihn wenig zielführend. „Der moralische Kompass wird auf den Endverbraucher ausgerichtet. Das geht gar nicht. Und ob ich vor dem Fernseher sitze, interessiert keinen Scheich“, sagt Hoffmann. Deshalb wird er sich zumindest die Spiele der Deutschen Nationalmannschaft anschauen und vielleicht das eine oder andere Spiel. Aber Euphorie kommt nicht auf. „Ich schaue nicht mit derselben Begeisterung wie früher“, sagt der SpVg-Vorsitzende. Er erinnert sich an Turniere vor 1994, in einer Zeit vor dem Bosman-Urteil. Noch vor der großen Kommerzialisierung. „Das war viel exotischer und spannender. Viele Spieler sah man bei einem Turnier zum ersten Mal“, so Hoffmann.

Bernd Emkes, Vorsitzender von Eintracht Ihlow, verspürt ebenfalls noch keine große Vorfreude. Die ganzen Umstände rund um das Turnier missfallen dem Eintracht-Vorsitzenden. „Das ist alles nicht schön“, sagt Emkes und sei zu verurteilen. Noch bis vor ein paar Tagen hatte er sich noch keine Gedanken darüber gemacht, ob er die Spiele schaut. „Die Euphorie ist nicht da, aber ich werde mir die Spiele der Nationalmannschaft auf jeden Fall ansehen.“ Das Trikot liegt bereits griffbereit im Schrank, wahrscheinlich fiebert er gemeinsam mit Nachbarn mit, wenn Deutschland bei dem umstrittenen Turnier aufläuft.

Ähnliche Artikel