Amt kassiert Entscheidung  Feuerwehrschutzkleidung – Landkreis Aurich legt Veto ein

| | 07.11.2022 18:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die alte Bekleidung der Feuerwehrleute im Brookmerland (hier bei einem Einsatz im Juli 2020) genügt nicht mehr den Sicherheitsanforderungen. Foto: Thomas Dirks
Die alte Bekleidung der Feuerwehrleute im Brookmerland (hier bei einem Einsatz im Juli 2020) genügt nicht mehr den Sicherheitsanforderungen. Foto: Thomas Dirks
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Die Samtgemeinde Brookmerland muss die Ausschreibung nach Kritik vom Rechnungsprüfungsamt wiederholen. Das hat Folgen für die Feuerwehrleute.

Brookmerland - Länger als geplant müssen Brookmerlands Feuerwehrleute auf neue Schutzkleidung warten. Grund sind Probleme bei der Ausschreibung. Diese wurde vom Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Aurich beanstandet. Das bestätigte Landkreis-Pressesprecher Nikolai Neumayer auf Anfrage. Wie er mitteilte, müsse die Ausschreibung wiederholt werden.

Zur Einordnung: Die Schutzkleidung der Brookmerlander Feuerwehr muss ausgemustert werden, da sie den TÜV nicht mehr besteht (wir berichteten). Alle aktiven Feuerwehrfrauen und -männer benötigen neue Jacken und Hosen, und zwar möglichst schnell. Die alte Bekleidung stellt, wie festgestellt wurde, ein buchstäblich untragbares Risiko dar. Die alte Schutzbekleidung entfaltet nicht mehr die Schutzwirkung, die sie nach modernen Vorschriften entfalten sollte. Die Verwaltung der Samtgemeinde hatte reagiert und die Beschaffung von Ersatzkleidung im Sommer ausgeschrieben.

170 Überjacken und 170 Überhosen.

Gekauft werden sollen 170 Feuerwehrüberjacken und 170 -überhosen. Das ging aus dem Ausschreibungstext hervor. Demnach soll ein vierjähriger Rahmenvertrag über die Lieferung von Feuerwehrbekleidung geschlossen werden. Wie Verwaltungschef Gerhard Ihmels Anfang September mitteilte, sei nach Prüfung von drei angeforderten Angeboten ein Lieferant ausgeschlossen worden, da er das Leistungsverzeichnis nicht erfüllte. „Zwischen den beiden anderen Lieferanten entschied das Ergebnis einer Bewertungsmatrix“, hieß es. Das Ergebnis wurde vom Landkreis aber nicht akzeptiert. Die genauen Gründe nannte er nicht, verwies stattdessen an die Samtgemeindeverwaltung. „Es lagen keine vergleichbaren Angebote vor, sodass der Auftrag nicht vergeben werden konnte“, teilte Ordnungsamtschef Guido Feldmann auf Anfrage mit. Die Beschaffung werde sich um einen Monat verzögern.

Nach früheren Angaben von Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens sind die Hosen und Jacken, die die Brookmerlander Feuerwehrleute bisher bei Einsätzen tragen, zum Teil bis zu 20 Jahre alt.

Kleidung genügt Sicherheitskriterien nicht

Damit genügen sie nicht mehr aktuellen Sicherheitsstandards. Einige seien bereits löchrig und zerschlissen. Das Hauptproblem aber ist ein anderes.

Wie Cassens erklärte, fehlt den meisten Kleidungsstücken eine Revisionsöffnung. Diese sei notwendig, um eine in den Jacken und Hosen verarbeitete atmungsaktive Membran überprüfen zu können. Diese Membran schützt nicht nur vor Hitze, sondern auch vor Infektionen durch Krankheitskeime und Viren. Ist die Membran beschädigt, besteht ihre Schutzfunktion nicht mehr oder ist mindestens eingeschränkt. Um den Zustand der Membrane in alten Jacken und Hosen prüfen zu können, müssen Öffnungen in den Stoff geschnitten werden. Einmal jährlich werden die Hosen und Jacken der Brandbekämpfer einem Sicherheitscheck unterzogen. Die Schutzkleidung der Feuerwehrleute hat diesen nicht mehr bestanden, weshalb nun Handlungsbedarf besteht, und für Ersatz gesorgt werden muss.

Kosten in Höhe von 200.000 Euro

Für die Samtgemeinde wird das teuer, was ihr Kämmerer Stephan Weers bei der Vorstellung des Doppelhaushalts für die Jahre 2022 und 2023 im Frühjahr bereits angedeutet hatte. Alle aktiven Feuerwehrmitglieder mit neuer Einsatzkleidung auszustatten, wird demnach laut Weers 200.000 Euro kosten. Diese Summe ist in dem Zahlenwerk für diesen Verwendungszweck vorgesehen.

Insgesamt gibt es im Brookmerland 178 aktive Feuerwehrleute. 95 Einsatzkräfte sind ausgebildete Atemschutzgeräteträger und aufgrund ihrer Einsatzaufgaben besonders auf funktionierende Schutzkleidung angewiesen. Rund ein Drittel von ihnen wurde vorübergehend mit Leihbekleidung ausgestattet.

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