Hamburg Darum sind nicht die Grünen das größte Problem der Landwirtschaft
Was ist eigentlich das größte Problem der Landwirtschaft in Deutschland? Die Grünen oder Tierrechtsaktivisten? Weit gefehlt. Wenn bei Schwerpunktkontrollen von Behörden wieder einmal große Probleme in Ställen entdeckt werden, lässt das nur eine Antwort zu:
Lebensmittel sind in Deutschland so teuer wie seit Jahrzehnten nicht. Wer einst glaubte, mit seinem Einkommen gut über die Runden zu kommen, muss bei der aktuellen Inflation auch im Supermarkt genau hinschauen, was er sich noch leisten will oder kann.
Allzu oft ist es der kleine, aber kostspielige Happen für das gute Gewissen, der eben nicht mehr im Einkaufskorb landet: Statt Bio-Eiern sind es jetzt diejenigen aus Bodenhaltung. Statt des Steaks eines Rindes von der Weide das billige Minuten-Steak. Bewusst einkaufen heißt in diesen Zeiten für immer mehr Menschen: bewusst günstig.
Nun ist der Käufer aber nicht nur Konsument, der verstärkt auf den Preis achtet, sondern auch Bürger mit Wahlrecht. Und in dieser Rolle fordert er weiter eine Verbesserung der Tierhaltung in Deutschland. Ausdruck dessen ist das Wahlergebnis der Grünen in Niedersachsen vor wenigen Tagen. Die Partei war in dem deutschen Agrarland Nummer eins mit dem Versprechen eines besseren Lebens für Rind, Schwein und Huhn in den Wahlkampf gezogen. Vieles davon findet sich im so gut wie beschlossenen Koalitionsvertrag mit der SPD wieder.
Der gesellschaftliche und politische Veränderungsdruck auf die Tierhaltung wird hoch bleiben. Und die Landwirtschaft selbst ist es, die dafür immer wieder die Begründung liefert. Wenn bei Schwerpunktkontrollen in einer Vielzahl von Ställen kleine wie große Verstöße entdeckt werden, kommt das keineswegs überraschend.
Seit Jahren ist beispielsweise der problematische Umgang mit kranken Tieren bekannt. Immer wieder veröffentlichen Tierrechtsaktivisten entsprechende Schockbilder aus Ställen und stehen Tierhalter vor Gericht. Welche andere Erkenntnis ist daraus zu ziehen als: Der Umbau der Ställe ist dringend nötig?
Am Ende ist es so: Nicht die Grünen sind das größte Problem für die Landwirtschaft. Auch nicht Tierrechtsaktivisten, die Tierhaltung gleich ganz abschaffen wollen. Und auch nicht der Preisdruck, der zweifelsohne Bauern belastet. Es sind Landwirte, die sich nicht an Recht und Gesetz halten. Vielleicht sind es wenige. Aber sie prägen das Image.