Prozess in Aurich Angeklagte soll 16-Jährige zur Prostitution gezwungen haben
Eine 38-Jährige aus Aurich muss sich vor dem Auricher Landgericht verantworten. Im Video schilderte das mutmaßliche Opfer schreckliche Details.
Aurich - Weil sie eine zur Tatzeit 16-Jährige zur Prostitution gezwungen haben soll, muss sich seit Dienstag eine Frau aus Aurich vor dem Landgericht Aurich verantworten. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die 38-Jährige wiegen schwer. Sie reichen von besonders schwerer Zwangsprostitution und Zuhälterei bis hin zu Misshandlung von Schutzbefohlenen.
Demnach soll die 38-Jährige die damals 16-Jährige als Au Pair nach Ostfriesland gelockt haben. Beide Frauen stammen aus der Slowakei, wo sie sich als Nachbarinnen seit vielen Jahren kennen. Im Sommer 2019 war die Jugendliche mit dem Bus nach Aurich gekommen – in der Annahme, sie werde die Angeklagte in Ostfriesland bei der Versorgung ihrer vier Kinder unterstützen.
Hilflosigkeit der16-Jährigen ausgenutzt
Laut Oberstaatsanwältin Annette Hüfner hatte diese der jungen Frau jedoch schon nach wenigen Tagen ihren Ausweis abgenommen und sie zum ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Freiern gezwungen. Auch soll sie das Mädchen geschlagen und bedroht und nicht ausreichend mit Nahrung versorgt haben.
Die Kontakte zu den Männern sollen von der Angeklagten organisiert worden sein, heißt es weiter. Den Lohn für die Sexarbeit der Minderjährigen, insgesamt 5400 Euro, soll sie an sich genommen haben. Die Angeklagte habe die Hilflosigkeit der 16-Jährigen ausgenutzt, die sich ohne Geld und Sprachkenntnisse in einem fremden Land in einer Zwangslage befunden habe, sagte Oberstaatsanwältin Annette Hüfner.
Prozess wurde im Sommer ausgesetzt
Es war der zweite Anlauf der Großen Strafkammer um Richter Björn Raap gegen die Angeklagte, nachdem eine erste Verhandlung im vergangenen Sommer ausgesetzt worden war. Die junge Frau lebt inzwischen wieder in ihrer Heimat und war damals als Zeugin nicht erschienen. Vergeblich hatte Richter Raap seinerzeit alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sie doch noch anhören zu können. Weil sie auch am Dienstag fehlte, entschied er gegen den Widerspruch des Verteidigers Arno Enninga, die fast dreistündige Videoaufnahme ihrer Aussage bei der Polizei zum Beweis einzuführen.
Darin berichtet die Frau, sie habe mit verschiedenen Männern im Auto in ein nahegelegenes Wäldchen fahren müssen, wo sie „ungewollten Sex“ gehabt habe. Sie habe Angst gehabt und nur geweint. Als sie sich im März 2020 verweigert habe, habe die Angeklagte sie aus ihrer Wohnung geworfen. Über Umwege war die junge Frau schließlich an eine Frau geraten, die ebenfalls aus der Slowakei stammt und ein ähnliches Schicksal erlitten hatte.
Angeklagte bestreitet die Vorwürfe
Ihr hatte sie sich anvertraut und deren Mann hatte schließlich die Polizei gerufen. „Allein, weil ich das Mädchen so da sitzen sehen habe“, schilderte er in der Verhandlung. Sie habe verängstigt und eingeschüchtert gewirkt. Als er ihre Geschichte gehört habe, sei ihm „speiübel“ geworden.
Die Angeklagte bestreitet sämtliche Vorwürfe. „Ich habe sie nicht verkauft und nicht geschlagen“, beteuerte sie. Die junge Frau sei auf Vorschlag ihrer Mutter freiwillig nach Deutschland gekommen. Inzwischen habe sie sich unter Tränen bei ihr entschuldigt.
Zum Beweis zeigte die Angeklagte einige Handyvideos, die in ihrer Wohnung aufgenommen worden sind. Warum die Frau so schwere Vorwürfe gegen sie erhoben hat, konnte die Angeklagte sich nicht erklären. Die Verhandlung am Auricher Landgericht wird am Dienstag fortgesetzt.