Osnabrück  Kriegsrhetorik gegen Griechenland: Wie weit geht Erdogan?

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 27.10.2022 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Was plant der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und wie weit wird er gehen, um die Wahlen im Juni zu gewinnen? Foto: IMAGO/Turkish presidency Office\ apaimages
Was plant der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und wie weit wird er gehen, um die Wahlen im Juni zu gewinnen? Foto: IMAGO/Turkish presidency Office\ apaimages
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Der Bundeskanzler fliegt nach Griechenland und verteidigt das Land gegen Drohungen aus der Türkei. Der Konflikt an der Grenze der beiden Länder ist nicht zu unterschätzen.

Drohungen gegen einen Nachbarstaat, Gebietsansprüche, Militärmanöver im Grenzgebiet - das kommt einem bekannt vor. Droht zwischen der Türkei und Griechenland eine Entwicklung wie in der Ukraine?

Sicher, die Lage ist nicht eins zu eins vergleichbar: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist mitten im Wahlkampf. Bis Juni muss er die Türken erneut von seinen Qualitäten als Staatschef überzeugen. Und da sieht es derzeit düster aus: Die Türkei leidet unter einer Hyperinflation, die man sich hierzulande nicht vorstellen kann. Während die Rate in Deutschland gerade eben zweistellig ist, beträgt sie in der Türkei mehr als 80 Prozent - laut offiziellen Angaben. Fachleute schätzen die Zahl noch wesentlich höher. Dazu kommen Millionen vor allem syrischer Flüchtlinge und ein harter Verteilungskampf in den untersten sozialen Schichten. Findet Erdogan darauf keine überzeugenden Antworten, könnte es für ihn eng werden.

Wenn aber die eigene Politik zusammen mit türkischem Nationalstolz und Amtsbonus nicht überzeugen, was bleibt, um die Menschen zu mobilisieren? Wie so häufig könnte es der Feind außerhalb des Landes sein. Erdogans Kriegsrhetorik gegenüber Griechenland und die Drohung, man könne griechische Inseln nachts überfallen, sollten aufhorchen lassen. Am Ende mag all das nur Wahlkampfrhetorik sein. Aber wie sicher ist es, dass aus Worten bis zum Wahltermin nächsten Juni nicht Taten werden, die weder im Sinne der Menschen vor Ort, noch im Sinne der türkischen Bevölkerung, der EU oder der Nato wären?

Bundeskanzler Olaf Scholz tat gut daran, die Interessen beider Länder bei seinem Griechenland-Besuch im Blick zu behalten. Vor einem Jahr hätte sich niemand den russischen Krieg in der Ukraine vorstellen können, wie er heute läuft. Die EU sollte alles daran setzen, eine Eskalation zwischen der Türkei und Griechenland zu verhindern.

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