Hamburg  Ist es ok, Smartphone oder Laptop seines Kindes zu überwachen?

Eva Dorothée Schmid
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Von Eva Dorothée Schmid
| 26.10.2022 15:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dürfen Eltern überwachen, was das Kind auf seinen digitalen Geräten so treibt? Foto: Imago Images/Panthermedia
Dürfen Eltern überwachen, was das Kind auf seinen digitalen Geräten so treibt? Foto: Imago Images/Panthermedia
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Mama liest mit: Es gibt Apps, mit denen man überwachen kann, was Kinder an ihrem Smartphone oder Tablet so treiben. Doch ist es in Ordnung, Kindern so ihre Privatsphäre zu nehmen?

Mein Sohn ist zehn. Er hätte gerne ein Smartphone, aber ich finde, als Grundschüler ist er dafür noch viel zu jung. Seit zwei Jahren haben wir ein Familientablet, auf dem er und seine Schwester einen Kinderaccount haben. Darin sind altersgerechte Apps installiert, die sie nutzen können, bis die tägliche Digital-Zeit vorbei ist und das Gerät sich mit Vorwarnung selbst ausschaltet. Praktischer Nebeneffekt: So ist ausgeschlossen, dass die Kinder Programme nutzen, die nicht für sie geeignet sind und im Internet können sie auch nicht surfen.

In den vergangenen Monaten kam bei meinem Sohn immer häufiger der Wunsch nach einem eigenen Computer auf, denn er wollte die Version des Computerspiels „Minecraft“ spielen, die nur auf Rechnern, nicht aber auf mobilen Endgeräten läuft. Die Freunde hätten die schließlich auch.

Als mein Arbeitgeber Laptops ausmusterte und günstig zur Verfügung stellte, besorgte ich ein Gerät, das mein Sohn zu seinem zehnten Geburtstag bekam. Darauf installiert: Das gewünschte Computerspiel.

Allerdings finde ich es ziemlich verantwortungslos, ein zehnjähriges Kind alleine an einen Rechner mit Internetzugang zu lassen. Man denke nur an Gewaltdarstellungen, Pornografie, Erwachsene, die sich über Chats an Minderjährige heranmachen. Horrende Rechnungen, weil das Kind unbedarft In-App-Käufe tätigt. Davor will ich mein Kind (und mich) so lange es geht schützen. Ich kann ihm aber auch nicht ständig über die Schulter schauen, dafür fehlt mir schlicht die Zeit. Was also tun?

Bei Recherchen fand ich heraus, dass Microsoft die kostenlose App “Family Safety“ anbietet. Damit kann man das Microsoft-Konto kindgerecht einstellen und kontrollieren. Es ist möglich, damit Inhalte nach Alter zu filtern, Internetseiten zu sperren und Bildschirmzeiten festzulegen.

Das klang wie die Lösung für mein Unbehagen. Enthusiastisch machte ich mich an die Einstellungen. Das Gerät sollte vor acht Uhr morgens und nach acht Uhr abends gar nicht erst angehen. Jugendgefährdende Seiten dürfen nicht aufgerufen werden und vor der Installation von jeglichen Apps muss mein Sohn mich um Erlaubnis bitten. Und wenn die Zeit um ist, erscheint auf dem Bildschirm die Mitteilung, dass er mich um Verlängerung bitten kann.

Seither piept mein Smartphone oft. Der Sohn möchte häufig Verlängerung. Würde man ihn lassen, dann würde er seine gesamte Freizeit vor dem Bildschirm verbringen und darüber alles andere vergessen.

Ich hatte meinem Sohn gesagt, dass ich nicht möchte, dass er Browser-Spiele spielt. Mir poppt da zu viel Werbung auf. Eine Seite mit solchen Onlinespielen habe ich vorsorglich gesperrt. Bald stellte ich fest, dass ich minutiös sehen kann, welche App er wann wie lange nutzt, welche Seiten im Internet er aufruft und sogar, welche Begriffe er bei Google eingibt.

Der Junge ist clever, er fand schnell andere Seiten, auf denen Onlinespiele angeboten werden. Es begann ein Katz-und-Maus-Spiel. Er rief eine Seite auf, ich sah das und sperrte sie. Irgendwann kam ich mir vor wie Big Brother persönlich.

Dabei bin ich total dagegen, ein Kind ständig zu überwachen. Deshalb hat mein Sohn anders als seine Freunde keine Smartwatch, mit der man tracken kann, wo sich das Kind gerade befindet. Dabei hätte er gerne eine. Ich habe ihm erklärt, dass er das nicht wollen kann, dass ich ihn immer und überall überwache.

Und jetzt am Laptop ist Überwachung plötzlich ok? Ich finde, das ist etwas anderes. Die Gefahren, die ihm dort drohen, schätze ich höher ein als jene in unserem gutbürgerlichen Viertel. Er kann noch nicht komplett alleine mit digitalen Medien umgehen. Wenn er etwas sieht, das für ihn nicht geeignet ist, dann will ich das mitbekommen, um mit ihm darüber zu sprechen. Das gehört für mich zur Medienerziehung.

Ich will wissen, was er am Bildschirm macht. Denn davon hängt für mich auch ab, wie viel Zeit er dort verbringen darf. Programmiert er kleine Spiele, dann ist das natürlich etwas anderes als wenn er sich von Youtube-Videos berieseln lässt.

Allerdings darf die Überwachung auf keinen Fall hinter seinem Rücken stattfinden! Ich erklärte ihm umgehend, dass ich über die App alles verfolgen kann, was er macht. Und dass er dafür den Rechner selbstbestimmt nutzen darf, aber im festgesteckten Rahmen. Ob das für ihn ok sei, wollte ich wissen. Er bejahte und hörte danach auf, nach ihm verbotenen Seiten zu suchen.

Ich schaue nur noch stichprobenartig in die App. Und ich bin sicher, dass wir sie nicht mehr brauchen werden, wenn er älter ist. Das Smartphone eines Jugendlichen würde ich niemals in dieser Form überwachen. Der ist aber auch schon medienkompetenter als ein Grundschüler.

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