Hamburg  Virales Video: Wieso die Grünen-Politikerin Fester gerade im Netz verspottet wird

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 25.10.2022 18:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit ihren Aussagen eckt sie als jüngste Bundestagsabgeordnete der aktuellen Legislaturperiode immer wieder an: Emilia Fester. Foto: imago images/Political Moments
Mit ihren Aussagen eckt sie als jüngste Bundestagsabgeordnete der aktuellen Legislaturperiode immer wieder an: Emilia Fester. Foto: imago images/Political Moments
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Derzeit muss die Hamburger Grünen-Politikerin Emilia Fester den Spott des Internets über sich ergehen lassen. Grund dafür ist ein Video einer Satireshow, das jetzt viral ging. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bundestagsabgeordnete aneckt.

Zwei eigene Büros, Zugreisen in der ersten Klasse und unbeschwerte Tanzvideos aus dem Bundestag: Emilia „Milla“ Fester (24) versucht sich als Bindeglied zwischen der heutigen Jugend und der Politik und teilt dafür ihr offenbar annehmliches Leben als Bundestagsabgeordnete auf ihren Social-Media-Kanälen.

Gleichzeitig behauptet die Hamburger Grünen-Politikerin, dass sie für diesen Job ihre Jugend aufopfere. Angesichts ihrer Beiträge auf Instagram und Co. hält sich das Mitleid vieler Nutzer jedoch in Grenzen: Das zeigen die Reaktionen auf ein Satirevideo des Bayerischen Rundfunks und des Kabarettisten Helmut Schleich mit dem Namen „Emilia F. - Wir Kinder vom Bahnhof Reichstag“, das derzeit viral geht. Es wurde schon über tausendmal geteilt.

„Ich wusste: Bundestag, da will ich hin. Reden halten, Stimmung machen, ganz vorne mit dabei sein. Das ist es doch“ sagt eine Stimme zu Beginn des 95-sekündigen Videos, die Fester darstellen soll. Im Hintergrund läuft die deutsche Version von David Bowies Lied „Heroes“, als plötzlich der Bruch kommt: „Dann ging alles so verdammt schnell: Zehntausend Euro Gehalt im Monat, die Diäten hatten mich voll im Griff.“

Die Freifahrten im ICE, die Fahrbereitschaft rund um die Uhr, zwei Büros und eigene Angestellte würden einen Strudel bilden, der sie immer weiter herunterziehen würde. Zur Ablenkung tanze sie mit ihren Freunden im Bundestag.

Ein normales Leben sei für sie jetzt unerreichbar: „Ich aber hatte diesem Job meine Jugend geopfert. Ich war ganz unten angekommen“ heißt es von der Erzählerin, während man Fester tanzend und singend in der Badewanne sieht. Die Aussage bezieht sich auf ein früheres „Spiegel“-Porträt über die 24-Jährige, in dem sie beschrieb, dass sie 80 bis 90 Stunden in der Woche arbeiten würde und dadurch „auch ihre eigene Jugend für diesen Job opfern“ würde.

Das Video hat besonders auf Twitter Aufmerksamkeit erlangt und wurde schon über 1300 Mal geteilt. In der Kommentarsektion findet man jedoch wenig Mitgefühl für die junge Politikerin, vielmehr variiert die Stimmung zwischen Belustigung und Unmut: „Wir sollten ein Spendenkonto für die Arme einrichten. Wenn sie schon extra ihre Jugend für uns opfert...“, schlägt ein Nutzer ironisch vor. Ein anderer kritisiert die fortschreitende Verjüngung des Bundestages: „Es ist alles nicht mehr ernst zu nehmen. Vor allem die TikTok-Fraktion im Deutschen Bundestag.“

Doch ganz allein steht die 24-jährige Hamburgerin mit je über 20.000 Followern auf Instagram und Twitter nicht da. Es gibt auch Nutzer, die ihre Beiträge in den sozialen Medien mögen: „Auch wenn ich jetzt hier zerrissen werde, im Grunde mag ich sie, weil sie ist unterhaltsam. Das kann man jetzt nicht von Allen behaupten“, schreibt ein Nutzer.

Es ist nicht der erste Anlass, der Fester in die Schlagzeilen bringt. Im Sommer war in diversen Medienberichten zu lesen, dass sie ein Wahlrecht für Zweijährige fordert. Im Gespräch mit Wolfgang Schäuble (CDU) antwortete sie auf dessen Frage, welches seiner vier Enkel im Alter von zwei, vier, fünfzehn und siebzehn Jahren aus ihrer Sicht wählen dürfen sollte, antwortete sie: „Für mich persönlich: alle, die wollen.“ Das sorgte für Kritik und auch viele Beleidigungen, insbesondere auf Twitter. Erste große Aufmerksamkeit erlangte sie durch eine flammende Rede in der Impfpflichtdebatte aus dem März 2022.

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