Hamburg Wegen Beauty-Filtern: Immer mehr Schönheits-OPs bei jungen Menschen
Filter auf Instagram, Tiktok und Co. können unser Gesicht vollkommen verändern und beeinflussen unsere Wahrnehmung von Schönheit. Für manchen Grund genug, sich operieren zu lassen. Eine Petition fordert mehr Aufklärung.
In diesem Artikel erfährst Du:
Mit dem Smartphone kann man kleine Schönheitsmakel am eigenen Körper schnell retuschieren. Einfach einen Filter über das Foto – und schon sind die Falten weg, die Gesichtszüge definierter und die Haut glatter. Eine Studie der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) zeigt nun allerdings, dass sich auch im echten Leben immer mehr junge Menschen unters Messer legen – wobei auch die Schönheitsideale auf Social Media eine entscheidende Rolle spielen.
Die VDÄPC fragte in einer Blitzumfrage unter Chirurgen nach, ob die Patienten generell jünger werden. Dabei äußerten sich rund 52 Prozent mit „Ja“. Die Frage, ob Patient bei Botulinum- und Hyaluron-Behandlungen jünger werden, beantworteten sogar rund 73 Prozent mit „Ja“, heißt es in der Studie. Botox und Hyaluron sind die gängigsten Verfahren zur ambulanten Faltenverminderung. „Dabei befinden sich die Patienten und Patientinnen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren“, erläutert der VDÄPC-Vorstand.
Insgesamt unterzogen sich 2021 deutlich mehr Frauen einem ästhetischen Eingriff im Gesicht. 88,85 Prozent der in der Studie erfassten OPs gingen auf Frauen zurück, nur 11,15 auf Männer.
Auch die Art der Eingriffe unterscheidet sich bei den beiden Geschlechtern, wie diese Grafik mit Daten der VDÄPC-Studie zeigt:
Die Umfrage ergab zudem, dass Patient oft mit bearbeiteten eigenen Fotos in die Praxen kommen sowie auch mit Bildern von Influencern von Instagram, YouTube und Co. „In modernen Lebens- und Arbeitswelten spielt eine harmonische und dynamisch-vitale Erscheinung zunehmend eine wichtige Rolle“, so die Beobachtung von VDÄPC-Präsident Dr. Steffen Handstein.
Zuletzt gaben in einer anderen Studie der Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) rund 23,1 Prozent der Befragten unter zwanzig Jahren an, dass die Nutzung und das Konsumieren von Social Media den Wunsch nach einer Veränderung des Erscheinungsbildes verstärkt hätten.
Aktivisten wie die Youtuberin Silvi Carlsson forderten vor diesem Hintergrund kürzlich eine Kennzeichnungspflicht für Beauty-Filter auf Social Media. Ihre Petition „#BeautyFilterKennzeichnen: Filter und Retusche, nur mit Kennzeichnung!“ auf der Plattform innn.it hat bereits mehr als 6.000 Unterschriften gesammelt.
„Beauty-Filter verzerren unsere Wahrnehmung und schaffen viel Leid. Sie führen dazu, dass sich das Schönheitsideal von der Realität entfernt. Sie machen Druck, sie schaden der mentalen Gesundheit. Für manche ist der Leidensdruck so hoch, dass sie bereit sind, diesen operativ zu beseitigen, und das, obwohl sie damit ein gesundheitliches Risiko auf sich nehmen“, so Carlsson.
Geleakte Dokumente zeigten zuletzt, wie schlecht Instagram für die psychische Gesundheit von Mädchen im Teenager-Alter sein kann. „Wir verschlimmern die Körperbildprobleme bei jedem dritten Mädchen im Teenager-Alter“, heißt es dort. Und weiter: „Teenager machen Instagram für die Zunahme der Angst- und Depressionsrate verantwortlich“.
In Norwegen ist im Juli dieses Jahres bereits eine Gesetzesänderung in Kraft getreten, die Influencer dazu verpflichtet, zu kennzeichnen, wenn das Aussehen von Personen in Werbeanzeigen geändert wurde. Die Maßnahme gilt für klassische wie für soziale Medien.