Hilfe bei Abhängigkeit  Aurich gehen die Suchttherapeuten aus

Neelke Harms
|
Von Neelke Harms
| 23.10.2022 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Eine junge Frau sitzt hinter leeren Bierflaschen. Die Corona-Pandemie erhöht Experten zufolge das Risiko für Alkohol- und Drogenmissbrauch. Foto: DPA
Eine junge Frau sitzt hinter leeren Bierflaschen. Die Corona-Pandemie erhöht Experten zufolge das Risiko für Alkohol- und Drogenmissbrauch. Foto: DPA
Artikel teilen:

Auricher Drogenberatungsstelle ist vom Fachkräftemangel betroffen. Patienten müssen an Kollegen verwiesen werden – und das, während der Bedarf stetig steigt.

Aurich - Zwei bis drei Wochen Wartezeit muss momentan mitbringen, wer sich ein Beratungsgespräch bei der Auricher Drogenberatungsstelle (Drobs) wünscht. Das teilt der Leiter der Einrichtung, Michael Frantz-Wielstra, auf Anfrage mit. Noch vor einiger Zeit waren diese Termine spontan vereinbar.

Und noch schlechter sieht es bei der Frage nach einer ambulanten Suchttherapie aus. Denn es fehlt an Therapeuten. Die Auricher Einrichtung muss mittlerweile Klienten wegschicken beziehungsweise an Kollegen verweisen.

In der Pandemie stieg der Alkoholkonsum

In der Pandemie hat der Alkoholkonsum in der Gesellschaft laut Drobs deutlich zugenommen. Weil Kneipen geschlossen waren, sei ziemlich viel gekauft worden, sagt Frantz-Wielstra – und spricht dabei nicht nur von Alkohol, sondern auch von härteren Drogen.

Genaue Zahlen kann er nicht nennen. Doch auch ihm sei aufgefallen, dass sich in der Pandemie immer mehr Leute bei der Beratungsstelle gemeldet haben, so Frantz-Wielstra. Dazu zählen Betroffene gleichermaßen wie Angehörige. Während Familien im Lockdown dauerhaft zusammen waren, seien manche Abhängigkeiten erst ans Licht gekommen, sagt der Suchttherapeut.

Immer mehr Angehörige auf der Suche nach Hilfe

„Die Gesellschaft läuft auf einem hohen Level“, so Frantz-Wielstra. Denn die Entwicklung kam nicht erst mit der Pandemie. Derzeit schätzt der Drobs-Leiter die Anzahl der jährlichen Klienten in Aurich und Norden auf rund 600 Personen. Im Jahr 2016 waren es über 500 und 20 Jahre zuvor, 1996, zwischen 150 und 200 Menschen. Schon immer gehörten zu den Hilfesuchenden auch Angehörige. Doch es werden immer mehr Personen, die um Rat bitten, weil sie sich um Menschen in ihrem Umfeld sorgen.

Während die Beratungswünsche zunehmen, schwindet bei der Drobs das Personal. Eines der größten Probleme ist laut Frantz-Wielstra der fehlende Nachwuchs. Schon immer seien die Anforderungen für die Ausbildung zum Suchttherapeuten hoch gewesen, doch in den vergangenen Jahren habe sich noch einmal einiges verändert. So können Berufseinsteiger zum Beispiel erst später eigene Klienten übernehmen als noch vor einigen Jahren. Alles werde komplizierter, so der Drobs-Leiter. „Es verändert sich so viel, dass ich froh bin, gehen zu können“, sagt er mit Blick auf seinen bevorstehenden Ruhestand.

Ähnliche Artikel