Berlin Instagram-Star: Leoobalys, sind Deine Eltern Deine Angestellten?
Auf Instagram, TikTok und YouTube hat Leoobalys 1,6 Millionen Follower. Im Interview verrät sie, ob man mit Social Media reich wird und wer in ihrer Firma der Chef ist: Sie oder ihre Eltern?
In diesem Artikel erfährst Du:
1,6 Millionen Follower folgen der 18-jährigen Leonie alias Leoobalys auf Instagram, TikTok und YouTube. In der Kino-Doku „Girl Gang“ lässt die Influencerin ihre Fans hinter die Kulissen blicken. Und im Interview mit uns verrät sie dann sogar die Geheimnisse, die im Kino offen bleiben – vom Verhältnis zu ihren Eltern bis hin zum Geld.
Frage: Leo, Du hast einen Traum sehr vieler Teenager verwirklicht und bist als Influencerin erfolgreich. Was daran macht am meisten Spaß?
Antwort: Die vielen lieben Leute, die ich kennenlerne und mit denen ich Projekte umsetzen kann – das Musik-Video mit Culcha Candela zum Beispiel. Und natürlich das Reisen. Ich darf auf der „About You Fashion Week“ in Mailand dabei sein und bin Teil dieser Welt. Ich reise zur Apple-Keynote nach San Francisco. Das ist alles der Wahnsinn.
Frage: Geben Dir auch die bloßen Zahlen einen Kick? Immer mehr Follower zu sammeln, immer neue Rekorde bei den Likes aufzustellen?
Antwort: Natürlich will man, dass die Sachen gesehen werden. Das ist wie Applaus. Wenn mir Hunderte Leute unter eine Story schreiben, spüre ich, dass ich nicht mit einer Wand spreche. Wichtiger als die reinen Aufrufzahlen ist mir aber, was die Leute schreiben.
Frage: Du bist als Schülerin zur Unternehmerin geworden. Kannst du einen Augenblick benennen, an dem Du gemerkt hast: Was ich hier mache, ist kein Hobby mehr?
Antwort: Schwierig. Es ist ja immer noch so, dass ich nur Angebote annehme, die mir Spaß machen. Natürlich ist das anstrengend, wenn ich bei der Serie „Das Internat“ frühmorgens am Set stehe und Text auswendig lerne. Natürlich stresst es, wenn ich mit dem Kopf noch beim Fußball bin, aber mein Kosmetik-Partner mit dem nächsten Abgabetermin kommt. Aber in erster Linie ist es geil und macht Spaß. Und was ich gar nicht machen möchte, sage ich ab.
Frage: Was genau sagst Du ab? Produkte, mit denen du dich nicht identifizieren kannst? Aufträge mit schlechten Arbeitsbedingungen? Kooperationen mit Leuten, die Du nicht magst?
Antwort: Ich sage Angebote ab, bei denen ich nur in Unterwäsche poste. Das bin ich nicht. Und ich mache keine Produkte, die mich nicht überzeugen. Wenn ein Shampoo das Haar schön glänzen lassen soll und dann wird es fettig – dann sage ich: Nee.
Hier findest Du den Trailer zu Leoobalys-Doku „Girl Gang“:
Frage: Es gibt Börsenmakler, die sagen: Wenn ich soundsoviel Geld verdient habe, höre ich auf. Hast Du Dir ein vergleichbares Ziel gesetzt? Oder machst Du weiter, solange es Spaß macht?
Antwort: Das zweite. Ich habe das alles ja angefangen, als ich im Hauptberuf Schülerin war. Es ist schön, dass ich damit Geld verdiene, aber es macht mir auch einfach Spaß zu dieser Welt zu gehören – dabei zu sein, wie ein Nagellack-Set entwickelt wird oder ein Schuh. Oder zu erleben, was bei der Apple Keynote passiert – das wird nicht bezahlt, aber das braucht es auch nicht. Ich sammle ja nicht nur Geld, sondern auch Erfahrungen und Erinnerungen.
Frage: Denkst Du über Möglichkeiten nach, aus der Influencer-Welt auch in andere Branchen zu kommen – in den Journalismus zum Beispiel? Du hast vor Jahren in Springers „Stylebook“ reingeschnuppert.
Antwort: Stimmt, das war mein Berufspraktikum in der achten Klasse. Das ist eine Schiene, die auf jeden Fall mega zu mir passt, und ich finde es immer noch total spannend. Was mich auch interessieren würde, wäre die Richtung Kommunikationsmanagement.
Frage: Wer ist in Deinem Unternehmen der Chef? Sind Deine Eltern Deine Angestellten?
Antwort: Tatsächlich ist mein Vater Chef der Firma. Aber natürlich wechseln die Rollen. Mein Vater sagt mir nicht, was ich zu tun habe, sondern er fragt, was ich möchte.
Frage: Was sind Vor-, was Nachteile dieser engen Arbeits- und Familienbeziehung?
Antwort: Es ist schon mal gut, dass das Geld in der Familie bleibt. Und dann beantworten meine Eltern auch um 22 Uhr noch Mails. Ein Manager, der von außen kommt, arbeitet von 9 bis 18 Uhr. Und natürlich sind Absprachen schneller erledigt. Negativ: Wir sitzen 24/7 aufeinander. Irgendwann braucht jeder Zeit für sich, und das wird schwieriger. Manchmal hat man verschiedene Meinungen, beruflich und auch im Privaten, oder einfach nur schlechte Laune – dann muss ich zum Chillen in mein Zimmer gehen.
Leoobalys im Video von Culcha Candela:
Frage: Es gibt eine große Debatte um Influencer und die Rollenbilder, die sie vermitteln. Als Fußballerin bietest Du eine Facette, die aus dem Klischee fällt. Warum sehe ich trotzdem nicht viel mehr Fotos vom Platz auf Deinen Kanälen?
Antwort: Es ist wirklich mehr Gym-Content zu sehen – einfach, weil ich meinen Fußballverein nicht öffentlich mache. Es gibt aber Fußball-Content, ich habe gerade vor, wieder ein Shooting dazu zu machen. Ich spiele ja schon mein Leben lang. Und natürlich kriegen meine Follower mit, dass ich Fußball spiele – ich spreche darüber, ich erzähle, wenn ich zum Training gehe. Das Thema Rollenbilder liegt mir auf jeden Fall am Herzen: Meine Präsentationsprüfung im Abi habe ich über Rollenbilder und die Emanzipation der Frau gemacht.
Frage: Es gibt Social-Media-Stars, die sich gegen die geschönte Instagram-Welt engagieren: Stefanie Giesinger postet Bilder von ihren OP-Narben, Chrissy Teigen hat nach eine Fehlgeburt Fotos aus der Klinik veröffentlicht. Wie stehst Du zu der Debatte?
Antwort: Mein Leben ist nicht perfekt und das zeige ich auch. Ich bin real. Ich poste Fotos, auf denen ich nicht perfekt bin und ich teile meine Probleme. Als ich mir das Bein gebrochen habe, tauchte auch das auf.
Frage: Was sagst Du Mädchen, die fragen, wie man Influencerin wird?
Antwort: Dass sie ein gutes Zeitmanagement brauchen. Es reicht nicht, ab und an ein Bild hochzuladen. Und wenn man auch das Abi noch schaffen will, muss man gut organisiert sein.
Frage: In der Doku über Dich macht ihr nicht nur Stunden-, sondern auch Finanzpläne. Die erhofften Einnahmen, die ein Berater da einmal aufruft, sind eine Million Euro in anderthalb Jahren.
Antwort: Das ist Schwachsinn. Man verdient nicht Millionen im Jahr mit Social Media; das schaffen vielleicht Leute, die zehn Millionen Follower haben, aber nicht ich. Ich habe das hobbymäßig neben der Schule gemacht – nicht hauptberuflich. Ich verdiene ja auch nicht mit jedem Instagram-Beitrag Geld; einmal die Woche gibt es vielleicht ein Werbe-Foto oder eine Story, mit der ich Geld verdiene. Und auch dann nicht mit jedem einzelnen; manchmal gehört das zu einem PR-Paket. Die Zahlen sind übertrieben und nicht wahr. Und die Leute machen sich völlig falsche Vorstellungen.
Frage: Also könntest Du, um die Erwartungen mal zu dämpfen, den Satz sagen: Ich mache seit fünf, sechs Jahren Social Media und bin immer noch keine Millionärin?
Antwort: (Lacht.) Na, klar, das kann ich sagen, bitte: Ich mache das seit Jahren und bin immer noch nicht Millionärin.
Frage: Der ganze Film hebt darauf ab, dass es hinter den Kulissen weniger schön aussieht als im Instagram-Feed. Seid Ihr als Familie glücklich mit der Dokumentation?
Antwort: Das kann ich nicht in einem Satz beantworten. Der Film sollte von Anfang an „Girl Gang“ heißen und von der ganzen Community handeln – von den Mädchen, die Social Media machen, und von den Social-Media-Groupies. Meine Eltern sollten zuerst gar nicht auftauchen; aber dann hat die Regisseurin gesagt, dass sie meine Familie sehr filmisch findet. Und sie haben sich bereiterklärt mitzumachen.
Frage: Und wie denken sie jetzt darüber?
Antwort: Ich muss sagen, dass sie anders wirken, als sie sind. Es sieht so aus, als würden meine Eltern mich hauptberuflich managen – was nicht stimmt. Mein Papa war 15 Jahre Bar Captain im Ritz Carlton, auch während der Jahre, in denen wir die Doku gedreht haben. Inzwischen hat er gekündigt, aber erst nach dem Film. Meine Mama ist selbständig mit Nahrungsergänzungsmitteln. Wenn die beiden sich um meine Sachen kümmern, haben sie das nach Feierabend gemacht. Mein Papa hat sich auf Frühdienst gesetzt, damit er früher zuhause war und mit mir zu Events fahren konnte.
Frage: Und was sagst Du zu deiner eigenen Darstellung?
Antwort: Mir wird nicht deutlich genug, dass der Film nur einen Ausschnitt aus meinem Leben zeigt. Ich bin nicht einsam. Ich habe schon immer Freunde gehabt, in der Schule, beim Fußball und und und. Es gibt für mich nicht nur Social Media. Es ist natürlich spannend, dass die Doku hinter die Kulissen guckt. Vieles wird aber dramatisiert: Kleine Streitigkeiten in meiner Familie werden da groß ausgebaut, obwohl es ganz normale Diskussionen sind. Dass wir uns als Familie lieben, kommt nicht so rüber. Ich finde schade, dass die Doku nur die negativen Seiten zeigt.
Frage: Mir ist aufgefallen, dass Deine Katze nur drei Beine hat. Was ist da vorgefallen? Hoffentlich war das nicht Euer Hund!
Antwort: Mein Hund Maja und meine Katze Claudi haben sich immer gut verstanden. Aber beide hatten Krebs-Tumore. Bei meiner Katze saß der Tumor an der Pfote. Man konnte nicht riskieren, dass er hochwandert, deshalb wurde das Bein amputiert. Jetzt lebt sie auf drei Beinen und das richtig gut. Beim Hund konnte man den Krebs nicht mehr heilen. Er lebt nicht mehr; im letzten Jahr ist er gestorben. Ihn jetzt im Film noch mal zu sehen, ist hart für mich.