Wolfsburg  VW dreht Klima-Aktivisten das Licht und die Heizung ab

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 21.10.2022 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Scientist Rebellion hat in Wolfsburg den Porsche-Salon gekapert und mit Kunstblut besudelt. Foto: imago-images/Martin Dziadek
Scientist Rebellion hat in Wolfsburg den Porsche-Salon gekapert und mit Kunstblut besudelt. Foto: imago-images/Martin Dziadek
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Aktivisten von „Scientist Rebellion“ haben sich in Wolfsburger Porsche-Pavillon festgeklebt – und nachts im Dunkeln mit ihrer vollen Blase gekämpft.

Ein Spaziergang in der Stadt ist voller Gefahren. Überall klebt was, an dem die Kinder die gute Hose einsauen könnten: hier ein verlassener Döner, dort ein Klima-Aktivist in seinem Kunstblut. Gerade hat die Gruppe „Scientist Rebellion“ das Verkehrsministerium besudelt. Angeblich war’s Rote-Bete-Saft. Das gibt echte Flecken – immer noch besser als die Tomatensuppe, mit der ihre Kollegen Van Goghs Sonnenblumen gegossen haben.

In Wolfsburg hat „Scientist Rebellion“ jetzt einen Pavillon gekapert und sich mit Sekundenkleber vor die Porsches geheftet. Einer von ihnen, der Kieler Ökonom Gianluca Grimalda, schildert auf Twitter die Härten der Nacht: Volkswagen hat den Aktivisten Licht und Heizung abgedreht. Essen nach Wahl durften sie auch nicht ordern. Immerhin: VW hat hauseigene Kost bereitgestellt – dann aber nicht die erbetenen Schüsseln. Die brauchten die Wissenschaftler, um „in anständiger Weise urinieren und defäkieren“ zu können.

Wie sieht wohl die anständige Weise aus, in der man sich einhändig in eine Schüssel entleert? Die spannende Benimmfrage bleibt der nächsten Knigge-Auflage vorbehalten. Dafür klärt Grimalda die Risiken des Sekundenklebers. Seine Hand ist bei der Aktion so stark angeschwollen, dass Ärzte Blutgerinnsel befürchteten und ihn behandelt haben. Die Sache scheint also wirklich schmerzhaft zu sein.

Darüber war zuletzt Unsicherheit aufgekommen: Im Sommer hatte die Pariser Polizei ortsansässige Aktivsten grob von der Straße gerupft. Bei Twitter kursierte das Video eines Demonstranten, dessen Schmerzgeheul jeden Preis verdient – für die beste Schwalbe jenseits des Fußballgrüns. Der Spott war groß. Auch jetzt amüsiert man sich gern über Akademiker, die im Dunkeln frierend nach dem Töpfchen rufen.

Auch ich sehe mir wieder dabei zu, wie ich lache – über die Menschen, die meinen Kindern eine lebenswerte Welt erhalten wollen. Und nicht über den Autohersteller, der im Abgasskandal bewiesen hat, wie gleichgültig ihm die Erderwärmung ist. Irgendwas läuft falsch.

Hat dieser Aktivist wirklich Schmerzen? Oder tut er nur so?

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