Schwerin  Flüchtlingsheim nur noch Brandruine: Schwesig kämpft mit den Tränen

Uwe Reißenweber
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Von Uwe Reißenweber
| 20.10.2022 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Am Morgen danach machen sich die Ministerpräsidentin und der Innenminister ein Bild vor den teils noch lodernden Trümmern der Flüchtlingsunterkunft bei Wismar. Gerettet wurde unter anderem ein einjähriges Kind.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kämpft sichtbar mit den Tränen, als sie mit Heimleiter Andrej Bondartschuk und Feuerwehrleuten direkt vor der Ruine der abgebrannten Flüchtlingsunterkunft nahe Wismar spricht: „Ich möchte mich bedanken, dass Sie die Menschen gerettet haben. Das war eine richtig gute Unterkunft, nicht die letzte Ecke, eine ordentliche gute Lage. Ich möchte, dass sie sich nicht einschüchtern lassen.“ Wenig später erzählt ihr der aus der Ukraine stammende Bondartschuk, dass unter den Geretteten auch ein ein- und ein vierjähriges Kind waren.

Gemeinsam mit Innenminister Christian Pegel (SPD) und Landrat Tino Schomann (CDU) hatte sich Schwesig am Donnerstagvormittag ein Bild vor Ort gemacht. Nach dem Brand der vom DRK betriebenen Unterkunft für ukrainische Geflüchtete in Groß Strömkendorf vermutet die Polizei einen politischen Hintergrund. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen, teilte das Polizeipräsidium Rostock mit. Das ehemalige Hotel brannte am späten Mittwochabend nieder. Zu dem Zeitpunkt befanden sich den Angaben zufolge 14 Geflüchtete überwiegend ukrainischer Herkunft in dem reetgedeckten Gebäude. Verletzt wurde niemand. Ein Brandursachenermittler wurde eingeschaltet. „Es ist erschütternd, dass man vor dem Schutzzeichen des Roten Kreuzes gar keine Achtung mehr hat“, sagt DRK-Landeschef Werner Kuhn.

Laut Innenminister Pegel bestehe der „Grundverdacht“ einer Brandstiftung. Zurzeit sei man aber noch in den Ermittlungen. Aber: „Immer dann, wenn ernsthaft im Raum stehen kann, dass es eine politisch motivierte Straftat sein könnte, ermittelt der Staatsschutz federführend. Wenn es dann ,lediglich‘ eine Brandstiftung bliebe, bleibt es eine schwere Straftat.“ Gegenwärtig führten die Ermittler zwei Verfahren. „Eines bereits seit zwei Tagen, weil es eine Hakenkreuzschmiererei gegeben hat. Ich kann nicht sagen, ob es einen Zusammenhang gibt. Aber wir können wegen dieser Schmiererei nicht ausschließen, dass es eine politisch motivierte Brandstiftung sein könnte.“ Landrat Schomann, selbst bei der Brandbekämpfung dabei, hatte zuvor seine Beobachtungen geschildert: „Es gab ein Loch im Schilf, armlang und etwa 20 Zentimeter im Durchmesser. Es gab kein Gewitter. Wie soll Schilf einfach brennen, ohne Zutun, ohne Wetter?“

Schwesigs Schlussfolgerungen sind eindeutig: „Wenn sich der Verdacht der Brandstiftung bestätigt, dann wäre dieser ganze Vorgang noch schrecklicher und grausam und dann muss dagegen hart vorgegangen werden, denn wir dulden keinen Hass und keine Gewalt.“ Der Brand sei „eine Katastrophe für die Menschen, die wir schützen wollten.“

Ähnlich äußern sich viele der politischen Akteure in Mecklenburg-Vorpommern. FDP-Landtagsfraktionschef René Domke fordert: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Krisen und Ängste durch politische Kräfte genutzt werden, um die Bevölkerung zu spalten, aufzuwiegeln und gegeneinander aufzubringen.“

Die Linken-Landesspitze kündigt für Freitag um 16.30 Uhr auf dem Wismarer Marktplatz eine Mahnwache an. Sie stehe unter dem Motto: „Gegen gesellschaftliche Kälte! Solidarität mit Geflüchteten auch in Krisenzeiten!“ Anne Shepley, Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag MV, zeigt sich schockiert: „Ich kann nicht glauben, dass in meinem Heimatland wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen.“ Die mutmaßliche Tat zeige, dass die Unterkünfte für geflüchtete Menschen in Mecklenburg-Vorpommern offenbar nicht ausreichend geschützt seien.

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