Straßenumfrage zu Cannabis  Gegen die Droge – aber für die Legalisierung?

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 19.10.2022 19:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Cannabis könnte in Deutschland bald freiverkäuflich sein. Foto: DPA
Cannabis könnte in Deutschland bald freiverkäuflich sein. Foto: DPA
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20 Gramm Cannabis sollen Erwachsene in Deutschland nach einem Entwurf straffrei kaufen können. Die von den ON Befragten in der Auricher Innenstadt sind geteilter Ansicht.

Aurich - Straffrei soll der Kauf und Besitz von bis zu 20 Gramm Cannabis in Deutschland werden. Das sei der Plan von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die ON haben mit Passanten in der Auricher Innenstadt darüber gesprochen. Keiner der Befragten befürwortet den Konsum der Droge – und trotzdem sind sie sich bei der Frage nach der Legalisierung uneins.

Sobald der Verkauf legal ist, sollen strikte Vorschriften gelten. So sollen Cannabisgeschäfte, sogenannte Coffee-Shops, nicht in der Nähe von Schulen oder Jugendeinrichtungen öffnen dürfen. „Das finde ich bombe“, sagt Christiane Gröneveld aus Aurich. Sie vermutet, dass die größte Zielgruppe der Cannabiskäufer bei jungen Erwachsenen liegt. Von einer Legalisierung hält die 27-Jährige nichts. „Also ich will das nicht in meinem Körper haben“, sagt sie. Auch in ihrem Umfeld gebe es Drogenabhängige – genug Leute würden schon jetzt Cannabis konsumieren. Sie glaubt, dass durch den legalen Verkauf die Zahl steigen könnte.

Weniger gefährlich als Alkohol?

„Lieber ein Tütchen rauchen und chillen, als Alkohol trinken und alles zerstören“, sagt Kevin Gröneveld aus Aurich. Und trotzdem ist er gegen die Legalisierung von Cannabis. Zwar halte er Alkohol für gefährlicher, trotzdem bleibe Marihuana ein Rauschmittel, das nicht zu unterschätzen sei, sagt der 28-Jährige. Wenn es freiverkäuflich wäre, würde es für Minderjährige noch einfacher daranzukommen. Und die seien ohnehin schon die größte Zielgruppe, sagt er.

Das sieht Richard Schieritz aus Hinte anders. Er hat in seinem Berufsleben häufiger mit Drogen zu tun gehabt. Altersklassen und Gesellschaftsschichten würden bei den Konsumenten kaum eine Rolle spielen, sagt der 72-Jährige. Für ihn ist der straffreie Verkauf von Cannabis ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist er der Meinung, dass es umso schlimmer werde, je mehr man verbiete. Außerdem hält auch er Alkohol für gefährlicher als Cannabis. „Alkoholkonsum wird total unterschätzt“, sagt er. Von klein auf würde vielen Kindern von Erwachsenen vorgelebt, dass der Genuss normal sei. Aber der 72-Jährige sagt auch: „Cannabis ist meist der Anfang vom Ende.“ Wer damit einsteige, finde häufig auch den Weg zu anderen Drogen.

Für Schmerztherapie eine gute Option

Auch Wilfried Bartsch, Urlauber aus Wuppertal, glaubt, dass Cannabis für viele eine Einstiegsdroge ist. „Damit fängt es an und später hängst du an der Nadel“, sagt er. Der 57-Jährige hält nichts von Drogen. Cannabis zur Schmerztherapie einzusetzen, hält er jedoch für unproblematisch. Frei verkäuflich sollte die Droge jedoch nicht sein, sagt Wilfried Bartsch.

Wenn auch jetzt der Weg in die Niederlande nicht weit sei, die Versuchung werde wesentlich größer, wenn der Coffee-Shop direkt um die Ecke sei, glaubt Christiane Filmer aus Aurich. Das könne dazu führen, dass noch mehr Leute Marihuana konsumieren. Die 37-Jährige ist eher gegen den freien Verkauf von Cannabis. In ihrer Jugend habe es viele gegeben, die die Droge konsumiert hätten. „Das Verhalten von denen hat mir nicht gefallen“, sagt sie. Aus ihrer Sicht der einzig positive Aspekt einer Legalisierung: Die Kontrolle über die Qualität der Ware. Häufiger habe sie mitbekommen, dass auf dem Schwarzmarkt gestreckt werde.

In einem sind sich alle einig

Für Emiliana Bojko aus Ihlow steht fest: Für Schüler spielt es keine Rolle, ob der Coffee-Shop ein paar Meter weiter entfernt liege. „Ein Älterer, der fährt, findet sich immer“, sagt die 28-Jährige. Und wenn nicht, nehme man eben den Bus. In ihrem Umfeld habe sie schon mitbekommen, dass Drogenkonsum bei Minderjährigen kein Einzelfall sei. In ihrer Jugend habe auch sie die Droge einmal probiert, es jedoch dabei belassen. Auch für sie gibt es nur einen guten Aspekt an einer Legalisierung: Die volljährigen Konsumenten machen sich nicht mehr strafbar.

Auch wenn die Meinungen der Befragten auseinandergehen – in einem sind sie sich alle einig: 20 Gramm sind zu viel. Die Hälfte hätte auch gereicht, meinen selbst die, die die Legalisierung befürworten oder unsicher sind.

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