Hamburg/Osnabrück  Wie spreche ich eine Person korrekt an, die trans oder nicht-binär ist?

Julia Falkenbach
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Von Julia Falkenbach
| 19.10.2022 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach der queerfeindlichen Attacke auf dem CSD in Münster zeigte Osnabrück Anfang September Flagge. Foto: Swaantje Hehmann
Nach der queerfeindlichen Attacke auf dem CSD in Münster zeigte Osnabrück Anfang September Flagge. Foto: Swaantje Hehmann
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Ein transphober Angriff in Osnabrück hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Opfer hat Anzeige erstattet und will damit ein Zeichen setzen. Setze auch Du ein Zeichen und sprich trans und nicht-binäre Personen in Zukunft richtig an. Wir verraten Dir, wie.

In diesem Artikel erfährst Du:

Transfeindlicher Angriff mitten in Osnabrück: Am Abend der Niedersachsenwahl waren mehrere Mitglieder der Jungen Union und aus dem Umfeld der CDU und ihrer Nachwuchsorganisation die trans Frau Maja, Mitglied der SPD, auf dem Heger Tor verbal angegangen. Neben allerlei höhnischen Bemerkungen wurde sie als „Schwuchtel“ bezeichnet. Sie erstattete Anzeige, der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Dass solche Beleidigungen niemals okay sind – egal, gegen welchen Menschen – ist klar. Doch wie spricht man eine trans Person korrekt an? Und wie ist es bei Menschen jenseits des binären Spektrums?

Die Ansprache von trans Frauen und trans Männer ist so einfach wie die Ansprache von cis Frauen und cis Männern. Trans Frauen und cis Frauen spricht Du als „Frau XY“ und den Pronomen „sie/ihr“ an, soweit sich die Person nichts anderes wünscht; trans Männer als „Herr XY“ und den Pronomen „er/sie“, außer er möchte etwas anderes.

Bei nicht binären Personen ist es etwas anders, zumindest in der deutschen Sprache. Denn es mangelt uns an genderneutralen Pronomen für Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau definieren. Nicht binäre Prominente im Englischsprachigen Raum wie Emma D‘Arcy („House of the Dragon“) verwenden häufig „they/them“ als geschlechterneutrale Pronomen. Inzwischen hat es sich soweit sprachlich neben „he“ und „she“ durchgesetzt, dass selbst das „Oxford English Dictionary“ „they“ als nicht binäres Pronomen aufgenommen hat. „It is now generally acceptable in writing and speech to use they, them, and their to refer to a singular noun“, schreibt das Wörterbuch.

Und im Deutschen? „Es gab einige Bestrebungen, wie beispielsweise den Buchstaben x, das Pronomen ens oder auch nur ein *, bislang hat sich aber nichts einheitlich durchgesetzt“, erklärt Katha Krämer. Sie arbeitet bei der Beratung „fairlanguage“, die Unternehmen beim Einsatz von gendergerechter Sprache coacht.

Neben der Vielzahl an sogenannten Neopronomen wie „sier“, „xier“ oder „dey“ erlebt sie in ihrer Arbeit, dass viele nicht-binäre Menschen es bevorzugen würden, wenn überhaupt keine Pronomen verwendet werden. „,Kim holt noch schnell Kims Laptop‘ wäre ein Beispiel, wie man die Verwendung von Pronomen vermeiden kann“, erklärt Krämer.

Warum Neopronomen für queere Menschen so wichtig sind, erklärt Paula auf dem TikTok-Account unserer Redaktion, „nebenan.report“: auf

Gerade bei Menschen, mit denen man öfter zu tun hat, rät sie, einfach nach den bevorzugten Pronomen zu fragen. Das sind auch nicht unbedingt immer Neopronomen, bei denen es Dir vielleicht schwerfällt, sie sofort immer richtig zu verwenden.

Am Anfang des TikToks siehst Du beispielsweise, dass Paula mit den Pronomen „dey/er/sie“ angesprochen werden möchte. Idealerweise würdest Du alle drei Pronomen abwechselnd benutzen, wenn Du mit Paula sprichst.

Eine nicht binäre Person anzusprechen, ist genauso einfach, wie eine binäre Person anzusprechen. Im informellen Umfeld spricht man sich ja eh nur mit dem Vornamen an, im förmlichen Umfeld kannst Du statt „Herr“ oder „Frau“ einfach den Vor- und Nachname der Person nennen, also „Hallo Emma D‘Arcy“.

Sprichst Du eine Gruppe an, kannst Du statt „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ auch einfach schreiben:

Das gleiche Prinzip kannst Du auf Mails übertragen: Statt „Sehr geehrte Frau oder Herr XY“, schreibe doch einfach „Hallo Emma D‘Arcy“. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Du musst Dich nicht entscheiden, ob Du die Person duzen oder siezen willst. Das kann ja manchmal etwas steif rüberkommen, gerade unter Menschen im gleichen Alter.

Und auch hier gilt, wenn Du unsicher bist: Mit einem „Hallo, schön Dich kennenzulernen“ und einer Nachfrage, welche Anrede und Pronomen sich Dein Gegenüber wünscht, wirst Du nie etwas falsch machen.

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