Moskau/Rom  Berlusconi: Putin schenkte mir 20 Flaschen Wodka und „süßen Brief“

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 19.10.2022 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Silvio Berlusconi (rechts) beteuert in einer Audioaufnahme seine Freundschaft zu Wladimir Putin. Foto: imago images/ITAR-TASS
Silvio Berlusconi (rechts) beteuert in einer Audioaufnahme seine Freundschaft zu Wladimir Putin. Foto: imago images/ITAR-TASS
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Silvio Berlusconi ist am 29. September 86 Jahre alt geworden. In einer veröffentlichten Audioaufnahme erzählt der italienische Politiker, dass der russische Präsident Wladimir Putin ihm kistenweise Wodka zum Geburtstag geschenkt habe – und einen „sehr süßen Brief.“

Für Silvio Berlusconi könnte es politisch derzeit kaum besser laufen. Mit seiner Partei Forza Italia kann der frühere Regierungschef in einer Rechtskoalition die künftige Regierung in Italien bilden. Doch jetzt droht dem 86-Jährigen ein politischer Skandal – wieder einmal.

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Am Dienstagabend veröffentlichte die Nachrichtenagentur LaPresse den Mitschnitt einer heimlich aufgenommen Rede Berlusconis vor Forza-Italia-Parteikollegen im Parlament. Darin sagte der Politiker, dass er mit Kremlchef Wladimir Putin wieder in Kontakt sei und dass dieser ihn als einen seiner fünf besten Freunden bezeichnet habe.

In der Tonaufnahme erklärt Berlusconi unter anderem: „Ich habe die Beziehungen zu Präsident Putin wieder ein bisschen aufgenommen, so dass er mir zu meinem Geburtstag 20 Flaschen Wodka geschickt hat und einen sehr süßen Brief.“ Er selbst habe sich mit heimischem Lambrusco bei Putin revanchiert.

Die Aufnahmen werfen vor allem die Frage auf, wie Italien in Hinblick auf den Ukraine-Krieg künftig mit Russland umgehen will. „Ich kann meine Meinung nicht persönlich abgeben. Denn wenn es der Presse mitgeteilt wird, wird es sich als Katastrophe herausstellen. Aber ich bin sehr, sehr, sehr besorgt. Ich habe die Beziehungen zu Präsident Putin ein wenig wiederhergestellt. Ich kannte ihn als friedlichen und vernünftigen Menschen“, sagte Berlusconi über den Kreml-Chef.

Bereits zuvor hatte der Bunga-Bunga-Partypremier der frühen Nullerjahre öffentlich geäußert, Putin sei zum Angriff auf die Ukraine gedrängt worden.

Nachdem die Partei am Dienstag die Aussagen noch dementiert hatte, hieß es später nach Veröffentlichung des Audio-Mitschnitts nur noch, dass Berlusconi weiter auf der Linie Europas und der USA sei.

Der Sozialdemokrat Enrico Letta kritisierte, die Rechtsallianz sei dabei, Italien in eine immer unklarere Position gegenüber Russland zu manövrieren. Er verwies auch auf Aussagen des neuen Vorsitzenden der Abgeordnetenkammer, Lorenzo Fontana von der rechten und seit Jahren russlandfreundlichen Lega, der am Dienstagabend in einem TV-Interview sagte: „Wir müssen bei den Sanktionen aufpassen: Sie könnten zum Bumerang werden. Die Russen waren vorbereitet, wir in Europa nicht.“

Berlusconi selbst äußerte sich bislang nicht zu den veröffentlichten Aufnahmen. Stattdessen postete er auf Twitter ein Foto mit seiner Partnerin, der Forza-Italia-Politikerin Marta Fascina. Nach einem Tag im italienischen Senat habe sich das Paar mit Eis und Crêpes belohnt.

(Mit dpa)

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