Defizite bei Viertklässlern Auricher Schulleiter spricht von Alarmismus
Grundschüler schneiden laut einer Bildungsstudie immer schlechter ab. Am Auricher Gymnasium Ulricianum macht sich das laut dem Schulleiter noch nicht bemerkbar – und trotzdem sieht er Handlungsbedarf.
Aurich - Ob Lesen, Schreiben oder Rechnen – Grundschüler schneiden bundesweit in allen getesteten Bereichen immer schlechter ab. Das ist das Ergebnis einer Bildungsstudie mit Viertklässlern des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Bei den Schülern des Auricher Gymnasiums Ulricianum macht sich diese Entwicklung noch nicht bemerkbar. „Es ist nicht so, dass man schreiend davonlaufen muss“, sagt Schulleiter Rüdiger Musolf. Er spricht mit Blick auf die Untersuchungen von Alarmismus. Auch wenn er der Meinung ist, dass an den Grundschulen Handlungsbedarf besteht.
Auf die Frage, ob er die Ergebnisse der Studie als besorgniserregend empfinde, antwortet Musolf: „Solche Untersuchungen sind wichtig. Aber ich bin gegen Alarmismus.“ Er lasse sich seinen Optimismus davon nicht nehmen, so der Schulleiter. Die Defizite in den Grundkompetenzen gebe es schon seit langer Zeit. Es sei schon seit Jahren festzustellen, dass vereinzelte Schüler, auch in den jüngeren Jahrgängen an weiterführenden Schulen, große Probleme hätten, sich auszudrücken, sagt Musolf. Am Ulricianum seien das jedoch Ausnahmefälle. Man müsse allerdings auch bedenken, dass an Gymnasien nur die Leistungsspitze unterrichtet werde.
Pandemie ist laut Musolf nicht der Auslöser für Defizite
Kultusminister sehen die Gründe für die Defizite bei den Grundschülern unter anderem im Unterrichtsausfall durch Corona-Maßnahmen. Rüdiger Musolf ist anderer Meinung: Die Pandemie wirke sich zwar verschärfend aus, sei jedoch auf keinen Fall der Auslöser für die Entwicklung, sagt er.
Im Ländervergleich fällt auf: In Hamburg schneiden die Grundschüler vergleichsweise gut ab. Musolf hat dafür eine Erklärung: Der Stadtstaat habe in der vergangenen Zeit viel investiert. Die gezielte Förderung der Kernkompetenzen ist laut dem Schulleiter der richtige Ansatz, um die Probleme anzugehen. Dazu könne zum Beispiel auch zählen, die Stundenzahl in Mathematik und Deutsch zu erhöhen. Auch an den Grundschulen sei der Lehrermangel ein Problem. „Die Arbeit der Grundschulkollegen kann man gar nicht genug würdigen“, sagt Musolf. An den Lehrkräften würde die Entwicklung bestimmt nicht liegen – aber eben vielleicht an den Lehrplänen. Anfragen der ON an Auricher Grundschulen blieben bis zum Redaktionsschluss am Dienstagabend unbeantwortet. Aufgrund der Herbstferien sind die Sekretariate momentan teils nicht besetzt.
Immer weniger Abgänger
Am Ulricianum gibt es für Schüler mit Defiziten zum Beispiel eine Leserechtschreibförderung. Musolf betont jedoch, dass es nicht der primäre Aufgabenbereich eines Gymnasiums sei, diese Schüler zu fördern. Man tue alles im Rahmen seiner Möglichkeiten, sei jedoch auch personell eingeschränkt. Unter anderem deshalb werde es immer wichtiger, die Eltern und Schüler gezielt zu beraten, um die richtige Schulform für die Kinder zu wählen, sagt Musolf.
Damit soll schon frühestmöglich der richtige Bildungsweg eingeschlagen werden, um Abgänge zu vermeiden. Und dieser Plan geht laut Musolf auf: In der vergangenen Zeit gebe es am Ulricianum immer weniger Abgänge, sagt der Schulleiter.