Osnabrück  Unsere Schulen produzieren sozialen Sprengstoff erster Güte

Ralf Doering
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Von Ralf Doering
| 17.10.2022 14:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Es sieht nicht gut aus mit dem Niveau unseres Schulsystems. Statt umfassender Bildung für alle bringen die Schulen eher sozialen Sprengstoff hervor. Foto: Uli Deck
Es sieht nicht gut aus mit dem Niveau unseres Schulsystems. Statt umfassender Bildung für alle bringen die Schulen eher sozialen Sprengstoff hervor. Foto: Uli Deck
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Im Fünfjahres-Abstand überprüft das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), wie es um die Schulbildung von Viertklässlern in Deutschland steht. Das Ergebnis der Studie aus dem Jahr 2021 offenbart: Wir haben ein großes Problem.

Es gibt nichts, aber auch gar nichts zu beschönigen: Unser Schulwesen ist eine Katastrophe. Die Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) offenbart, dass Viertklässler von Flensburg bis Garmisch schlecht lesen, schlecht schreiben, schlecht rechnen, schlecht zuhören können. Würde man die Bundesländer zensieren - die verantworten ja die Bildungspolitik - käme keines über “ausreichend” hinaus. Und alle, wirklich alle, haben sich verschlechtert seit der letzten Studie aus dem Jahr 2016. Die Länder betreiben nicht Bildungs- sondern Unbildungspolitik.

Warum ist das so, in einem der reichsten Länder der Welt? Sicher wird in den nächsten Tagen viel über Strukturen gesprochen, über Inklusion und Schulmodelle, über Gesamtschulen und Schulen im ländlichen Raum und über Problemschulen in den Großstädten. Hoffentlich wird in diesem Zusammenhang aber auch über die grundlegende Misere gesprochen, nämlich dass uns mindestens 30000, vielleicht auch 40000 Lehrer fehlen. Um das abzufedern, flickschustern sich die Länder Lösungen zurecht, werben um Quereinsteiger, kürzen Stundentafeln und legen Klassen zusammen. Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich auszumalen, wie sich das auf die Leistungen der Schüler auswirkt - und auf die Motivation der Lehrerkollegien.

Wie sollen nun Kinder, die aus der Ukraine zu uns geflüchtet sind, in ein derart marodes Bildungssystem integriert werden? Ohnehin, auch das hat die Studie ergeben, sind die Verlierer dieses Schulsystems diejenigen, die eh schon benachteiligt sind: die Kinder aus sozial schwachen Familien, die Kinder aus Flüchtlingsfamilien - genau die Kinder, die die maximale Unterstützung bräuchten. Doch die bleibt notgedrungen aus, und so produziert unser Schulsystem zu wenig Bildung, aber dafür sozialen Sprengstoff erster Güte. Um den zu entschärfen, müssten die Länder endlich anfangen, ihre Schulen gut auszustatten - baulich und mit genügend Lehrkräften. Solange die Politik aber die Bedeutung von Bildung nur in Sonntagsreden beschwört, die sie bereits am Montag wieder vergessen hat, solange wird unser Schulwesens eine Katastrophe bleiben.

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