Wahrzeichen wird erneuert  Teure Schönheitskur

| | 14.10.2022 20:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das neue Dach des eingerüsteten Packhauses der Schewelingschen Mühle in Marienhafe nimmt Form an. Foto: Thomas Dirks
Das neue Dach des eingerüsteten Packhauses der Schewelingschen Mühle in Marienhafe nimmt Form an. Foto: Thomas Dirks
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An der verfallenen Schewelingschen Mühle in Marienhafe laufen erste Sanierungsarbeiten. Was die kosten und wer sie bezahlt.

Marienhafe - Wohl nur wenige hatten damit noch gerechnet: An der Schewelingschen Mühle in Marienhafe haben erste Sanierungsarbeiten begonnen. Durch sie soll der seit Jahrzehnten andauernde Verfall des 1774 erbauten Gallerieholländers gestoppt werden. Zimmerleute der Firma Ahlers aus Bad Zwischenahn haben sich das direkt an der Straße Mühlenloog stehende Packhaus vorgenommen und es mit einem neuen Dach versehen.

Die Eigentümer der Mühle: Gundolf (links) und Torsten Scheweling. Foto: Thomas Dirks
Die Eigentümer der Mühle: Gundolf (links) und Torsten Scheweling. Foto: Thomas Dirks

Am Donnerstagnachmittag war Richtfest. Die alte mit Teerpappe gedeckte Flachdachkonstruktion war bereits vor einiger Zeit eingestürzt. Die Pläne für das neue Dach stammen von Torsten Scheweling, dem die Mühle gemeinsam mit seinem Bruder Gundolf gehört. Das Problem mit der bisher geringen Dachneigung hat Scheweling gelöst, indem das Dach anders gestaltet wird. Statt des Flachdachs hat das Packhaus einen kleinen Giebel bekommen, mit einer Luke. Damit der Bock in der Mitte der Mühle verläuft und alles proportionsgerecht aussieht, ist ein Teil des Daches flacher geneigt. Die Denkmalpfleger hätten den Plan genehmigt, hieß es.

Ausstellungs- und Veranstaltungsraum

Später sollen noch die Fenster und der Innenraum saniert und die Räume der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Zum einen denkt der Mühleneigentümer an einen Ausstellungsraum, wie es ihn jahrelang gegeben habe. Zum anderen könne das Obergeschoss vielleicht als Veranstaltungssaal genutzt werden.

Das Obergeschoss des Packhauses soll vielleicht als Veranstaltungssaal genutzt werden. Foto: Thomas Dirks
Das Obergeschoss des Packhauses soll vielleicht als Veranstaltungssaal genutzt werden. Foto: Thomas Dirks

Doch nicht nur das Packhaus wird derzeit wieder hergerichtet. Auch das Müllerhaus ist eingerüstet. Mitarbeiter der Dachdeckerei Hoppe aus Ludwigsdorf erneuern das Dach. Geeignete Handwerker zu finden, sei nicht einfach gewesen, berichtete Torsten Scheweling. Das gelte für die Arbeiten mit Reet. Die werden inzwischen nur noch von wenigen Spezialisten vorgenommen. Eine Firma habe ihm Reet aus Asien angeboten. Das sei im Vergleich zum europäischen aber minderwertiger, weniger haltbar und auch noch teuer. Scheweling lehnte ab.

Neuer Name für alte Mühle

In Kürze soll die Sanierung der Mühle in Angriff genommen werden. Laut Scheweling ist die aus dem Jahr 1905 stammende Mühlentechnik noch völlig in Ordnung. Selbst ein Loch in der Kappe und der dort eindringende Regen hätten dem Holz nichts anhaben können. Das Reetdach ist aber in keinem guten Zustand und von Vögeln und Wind lädiert. Das Reet soll bei der Sanierung, die im kommenden März beendet sein muss, erneuert werden. Die Kappe soll in Kürze abgenommen werden. Flügel und Windrose stehen dann noch in einem späteren Schritt an, so Scheweling.

Torsten Scheweling zeigt die kleine Richtkrone, die am neuen Dachstuhl des Packhauses befestigt wurde. Foto: Thomas Dirks
Torsten Scheweling zeigt die kleine Richtkrone, die am neuen Dachstuhl des Packhauses befestigt wurde. Foto: Thomas Dirks

Billig wird die Schönheitskur nicht. Nach Angaben der Gebrüder Scheweling verursachen allein die derzeit laufenden Arbeiten Kosten in Höhe von 179.000 Euro. Mehr als ein Drittel – Scheweling sprach von etwa 65.000 Euro – tragen er und sein Bruder. Den Rest würden der Mühlenpool des Landkreises, in den die Gemeinde Marienhafe nach wie vor einzahlt, übernehmen. Außerdem rechnen die Mühleneigentümer mit Mitteln aus dem Fördertopf der Dorfregion Brookmerland. Unklar blieb trotz mehrerer Nachfragen, ob diese bereits genehmigt oder bisher lediglich beantragt sind.

Unterdessen verkündete Torsten Scheweling am Rande des Richtfestes, wie seine Mühle künftig heißen solle: „Mühle De Hoop“, abgeleitet und ins Niederländische übersetzt aus einer steinernen Inschrift, die sich oberhalb des Packhauses im Achtkant der Mühle wiederfand: „In Hoffnung mit Gott“ ist dort zu lesen.

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