Versorgungsgrad sinkt Landkreis Aurich droht Ärztemangel
Noch ist die Versorgung mit Ärzten im Kreis Aurich gut. Das könnte sich aber innerhalb der nächsten Jahre ändern.
Aurich - Auch wenn es manchmal anders scheint: Die Ärzteversorgung im Altkreis Aurich ist gut. Derzeit liegt der Versorgungsgrad bei 98,4 Prozent, teilte der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung in Aurich, Dieter Krott, am Donnerstag den Mitgliedern des Kreisgesundheitsausschusses mit.
Im Altkreis Norden ist der Versorgungsgrad sogar noch besser. Hier liegt er bei 110,1 Prozent. Hier gibt es keine freien Sitze mehr für Kassenärzte, im Altkreis Aurich sind 7,5 Sitze frei. Noch steht der Landkreis Aurich recht gut da. Das könnte sich jedoch in den kommenden Jahren ändern, so Krott. Prognosen zufolge sinkt der Versorgungsgrad im Landkreis Aurich dann auf 70 bis 80 Prozent. Grund dafür ist unter anderem das jetzige Durchschnittsalter von Ärzten, es liege bei etwa 56, sagte Krott. Es sei davon auszugehen, dass viele von ihnen demnächst in Rente gingen.
Arbeit ist fürviele nicht attraktiv
In den Kliniken der Trägergesellschaft Aurich-Emden-Norden ist der Fachkräftemangel jetzt bereits deutlich zu spüren. Es fehle in allen Bereichen, sagte Interimsgeschäftsführer Andreas Epple im Ausschuss. Es hänge ein Damoklesschwert über den Kliniken. Es gebe ständig Ausschreibungen und kaum geeignete Bewerber. „Wir brauchen Honorarkräfte, um manche Bereiche am Leben zu erhalten“, so Epple.
Für den Mangel an Fachkräften gebe es viele Gründe. Einerseits gebe es schlicht nicht genug auf dem Markt. Auf der anderen Seite stünden die Arbeitsbedingungen, sagte Epple. Es gebe einige Teilzeitkräfte, die gerne voll arbeiten würden, aber wegen der schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf verzichten müssten.
Personalmangel hat mehrere Gründe
Anderen werde wiederum zu wenig gezahlt, sagte Epple. So mancher Mitarbeiter verlasse die Klinik, um bei einer Zeitarbeitsagentur zu arbeiten. Er werde dann wieder in der Klinik eingesetzt – nun mit besserer Bezahlung.
Die Folge des Mangels: Patientenbetten können nicht mehr betreut werden. Die Kapazitäten sind da, aber das Personal fehlt. „So ist das gerade überall im Land“, sagte Epple.
Problem schon lange bekannt
Auch im Ausschuss fiel die Frage, was man gegen den Mangel tun kann. Es gebe eine Reihe von finanziellen Förderungen, um Ärzte in die Region zu locken, sagte Krott. Allerdings konkurriere man dabei auch mit anderen, die ebenfalls dringend Ärzte suchen.
Anziehend für Fachkräfte sei auch eine gute Infrastruktur, eine gute Schulversorgung und Kinderbetreuung, sagte Krott. Zudem müsse man mehr Studienplätze schaffen.
Ob der Ärztemangel abgewendet werden kann, ist offen. Epple klingt dabei wenig optimistisch. Das Problem sei seit den 70ern bekannt. „Die Politik weiß lange davon und hat nichts getan.“