Mobilfunknetzabdeckung wird gemessen  Müllautos suchen im Landkreis Leer Funklöcher

Geertje Wehry
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Von Geertje Wehry
| 17.10.2022 14:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kai Möller, Fahrer eines Müllwagens, legt das Messgerät auf dem Armaturenbrett ab. Über den Zigarettenanzünder wird das Gerät mit Strom versorgt. Foto: Wehry
Kai Möller, Fahrer eines Müllwagens, legt das Messgerät auf dem Armaturenbrett ab. Über den Zigarettenanzünder wird das Gerät mit Strom versorgt. Foto: Wehry
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Ein Jahr lang soll im Auftrag des Landkreises Leer die Mobilfunknetzabdeckung erfasst werden. Dazu werden Müllwagen mit besonderer Technik ausgerüstet.

Landkreis Leer - Dass es im Landkreis Leer mehrere Funklöcher gibt, weiß Landrat Matthias Groote aus eigener Erfahrung. „Das Loch fängt in Folmhusen an und geht bis Collinghorst. Da verliert man jeden Anruf“, sagte er. Laut Netzanbieter ist das Gebiet jedoch gut versorgt. Der Landkreis will nun dieser Abweichung und auch an anderen Orten im Kreisgebiet auf den Grund gehen und die Mobilfunkabdeckung messen. Bereits seit einigen Tagen läuft das Projekt.

Das Gerät misst in allen drei Netzen, ob es Empfang hat. Foto: Wehry
Das Gerät misst in allen drei Netzen, ob es Empfang hat. Foto: Wehry

Dazu fahren Messgeräte der Firma STF auf mehreren Müllfahrzeugen mit. „Dadurch hält sich der zusätzliche Aufwand in Grenzen“, sagte Frédéric Dildei, Prokurist des Unternehmens, während des Projektauftaktes am Donnerstagvormittag. „Weil die Wagen zyklisch jede Straße mit einem relativ langsamen Tempo befahren, erhalten wir eine hohe Messwertdichte“, erläuterte er. Die Geräte werden dazu auf das Armaturenbrett des Müllfahrzeuges gelegt. Über den Zigarettenanzünder werden sie mit Strom versorgt. Die Messungen übernehmen sie quasi von selbst, indem sie nacheinander immer wieder probieren, sich in die drei deutschen Mobilfunknetze einzuwählen. Dabei werden zwei verschiedene Mobilfunkstandards gemessen. „Zum einen 2G, was häufig als Rückfallbasis für Sprachanrufe genutzt wird, und zum anderen 4G, weil die meisten Provider derzeit diesen Standard nutzen“, erläutert Dildei.

Landrat Matthias Groote zeigt auf einer Karte mit ersten Messergebnissen die Strecke zwischen Folmhusen und Collinghorst, auf der er regelmäßig nicht mehr telefonieren kann. Foto: Wehry
Landrat Matthias Groote zeigt auf einer Karte mit ersten Messergebnissen die Strecke zwischen Folmhusen und Collinghorst, auf der er regelmäßig nicht mehr telefonieren kann. Foto: Wehry

Erste Löcher sind bereits zu erkennen

Ein Jahr lang werden die Messgeräte auf den Müllwagen mitfahren. Die erfassten Daten werden dann in ein Geoportal der Verwaltung übertragen. Bereits nach den ersten Tagen lassen sich dort einige Schwerpunkte erkennen. So gibt es neben der Strecke zwischen Folmhusen und Collinghorst auch im Moormerland zahlreiche schwarze Punkte, die für „kein Netz“ stehen. Acht Wochen wird es dauern, bis die Messgeräte im gesamten Landkreis waren. Sie fahren nur auf Papiermüllwagen mit. „Die Restmülltouren wären schneller, aber dann hätte man nicht alle Daten. Die Papiertonnen stehen an noch mehr Ecken“, erläuterte Andrea Sope vom Amt für Digitalisierung und Wirtschaft des Landkreises Leer.

Ingo Helmers, Geschäftsführer der H. Bohmann-Gruppe aus Rastede, die diese Tonnen leert, zeigte sich der Idee gegenüber aufgeschlossen. „Wir brauchen auf den Müllautos auch oft Netz. Zum Beispiel, wenn Tonnen falsch befüllt werden: Dann schicken die Mitarbeiter schnell ein Foto an den Landkreis“, erzählte er. „Alle Wirtschaftszweige sind betroffen“, betonte Landrat Groote. Ob der Handwerker, der auf der Baustelle eine Bestellung aufgeben wolle oder der Landwirt, der mit smarter Technik Düngemittel ausbringen möchte.

Freuen sich über den Projektauftakt: Landrat Matthias Groote (von links), Frédéric Dildei von der STF Gruppe, Andrea Sope und Markus Gewinn vom Amt für Digitalisierung und Wirtschaft sowie Ingo Helmers, Geschäftsführer der H. Bohmann-Gruppe. Foto: Wehry
Freuen sich über den Projektauftakt: Landrat Matthias Groote (von links), Frédéric Dildei von der STF Gruppe, Andrea Sope und Markus Gewinn vom Amt für Digitalisierung und Wirtschaft sowie Ingo Helmers, Geschäftsführer der H. Bohmann-Gruppe. Foto: Wehry

Funklöcher messbar machen

Sie alle sollen von dem Projekt profitieren. Denn mit den erfassten Daten gebe es für den Landkreis eine gute Grundlage für Gespräche mit Netzanbietern, um die Qualität der Netzabdeckung zu steigern. „Die Versorgung ist auch stark von äußeren Einflüssen wie dem Wetter oder der Belaubung der Bäume abhängig“, betonte Dildei. Die Messbox verhalte sich ähnlich wie ein Nutzer und hätte durch die Fahrzeuge auch leichte Störeinflüsse. Die eigenen Daten sollen beim Landkreis für Klarheit sorgen, wo es gefühlte und wo es messbare Funklöcher gibt. Dann könne man sich sinnvoll mit den Netzbetreibern auseinandersetzen, so Groote.

Der Ausschuss für Wirtschaft, Handwerk, Tourismus und Digitalisierung hatte das 20.000 Euro teure Projekt beschlossen. Die Ergebnisse der Messungen sollen in ihm dann auch öffentlich präsentiert werden. Ein ähnliches Projekt läuft bereits seit einigen Monaten im Landkreis Aurich.

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