Prozessauftakt in Aurich  Student soll Chatpartner mit Nacktfotos erpresst haben

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 12.10.2022 08:02 Uhr | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Landgericht in Aurich muss sich mit einem Fall von Erpressung auseinandersetzen. Foto: DPA
Das Landgericht in Aurich muss sich mit einem Fall von Erpressung auseinandersetzen. Foto: DPA
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Pikanter Prozess in Aurich: Ein Student aus Leer soll Chatpartner mit Nacktfotos um hohe Summen erpresst haben. Dabei ging er mit einem Trick vor.

Aurich - Ein Student aus Leer muss sich seit Dienstag wegen Erpressung vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts in Aurich verantworten. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wiegen schwer. Demnach soll sich der 27-Jährige zwischen Juli 2021 und März 2022 im Internet in verschiedenen Chatportalen als Frau ausgegeben haben und als solche zufällig ausgewählten Männern Bilder und Videos von nackten Frauen zum Kauf angeboten und sie aufgefordert haben, ihm ihrerseits freizügige Bilder von sich zuzuschicken. Hatten sich seine Opfer darauf eingelassen, soll der Angeklagte als vermeintliche Chatpartnerin mit der Veröffentlichung der Bilder oder einer Anzeige bei der Polizei gedroht haben. Aus Angst, Familie und Arbeitsstelle könnten von den Fotos erfahren, hatten sich drei der vier von ihm Angesprochenen darauf eingelassen, dem Angeklagten bis zu fünfstellige Summen für sein Stillschweigen zu zahlen. Lediglich ein Minderjähriger hatte auf dessen Drohungen gar nicht erst reagiert. Insgesamt soll der Angeklagte auf diese Weise knapp 120.000 Euro erbeutet und damit seinen Lebensunterhalt finanziert haben.

Ein Opfer wollte sich das Leben nehmen

Einem Österreicher soll der 27-Jährige laut Staatsanwaltschaft besonders hart zugesetzt haben. Unter dem Namen „Viktoria“ hatte er demnach den Kontakt aufgenommen und ihm gegen Bezahlung Fotos nackter Frauen zugesandt. Anschließend soll er den Mann über fast sechs Monate immer wieder bedroht und genötigt und ihn mehrmals dazu gebracht haben, Pakete mit Bargeld in fünfstelliger Höhe an seine Wohnadresse zu schicken. Von der dauerhaften Einschüchterung zermürbt, hatte der Mann schließlich versucht, sich das Leben zu nehmen. Insgesamt soll der Angeklagte allein in diesem Fall über 100.000 Euro erlangt haben.

Der 27-Jährige äußerte sich am Dienstag zunächst nicht zu den Vorwürfen. Verteidiger Folkert Adler aus Leer kündigte seine Einlassung für den kommenden Verhandlungstag an.

Der Prozess wird am 28. Oktober ab 9 Uhr fortgesetzt.

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