Hamburg  Wann es ok ist, über Gehalt zu sprechen – und wann ich mich dafür schäme

Katharina Preuth
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Von Katharina Preuth
| 11.10.2022 10:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Geld ist oft ein Tabuthema, aber warum ist das so? Foto: Unsplash/Willfried Wende
Geld ist oft ein Tabuthema, aber warum ist das so? Foto: Unsplash/Willfried Wende
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„Über Geld spricht man nicht“, ist eine sehr deutsche Redewendung. Dabei hat es Vorteile, über sein Gehalt zu reden. In einigen Momenten kommt es für mich aber überhaupt nicht infrage.

Im Studium habe ich oft darüber gesprochen, wie viel Geld ich zur Verfügung habe. Das, was monatlich auf dem Konto landete, spielte plötzlich eine existenzielle Rolle. Ich musste zum ersten Mal selbst so haushalten, dass ich meine Miete, Nahrungsmittel und alles, was man sonst so braucht, bezahlen kann – vorher haben das meine Eltern übernommen.

Paradoxerweise habe ich so gerne und oft über mein Geld gesprochen, weil ich so wenig davon hatte. Die Mischung aus Bafög, Unterstützung durch meine Eltern und das, was ich mir mit Studentenjobs dazuverdient habe, ergab nicht viel. Verstehen Sie mich nicht falsch: In Zeiten, in denen Mieten bezahlbar waren und Butter unter einem Euro kostete, hatte ich mit dem wenigen Geld ein fantastisches Studentenleben. Aber ich musste mich nicht dafür schämen, dass ich viel Geld habe, darum habe ich darüber geredet.

Heute verdiene ich mehr. Nein, ich werde jetzt nicht sagen, wie viel. Aber es ist mehr. Wenn ich mit Freunden zusammensitze, die Lehrer oder Ingenieurinnen sind, habe ich auch kein Problem damit, genau zu sagen, was mir finanziell zur Verfügung steht – obwohl ich weiß: Es ist weniger als bei ihnen.

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Anders sieht es hingegen aus, wenn ich weiß, dass mein Gegenüber weniger verdient und es bei ihm monatlich sogar knapp ist. Dann rücke ich ungern mit meinem Gehalt heraus, weil es mir peinlich ist, mehr zu haben. Vor allem, wenn ich weiß, mein Gesprächspartner muss davon noch eine Familie ernähren, was ich nicht muss. Ich finde es in Ordnung, in so einer Situation nicht mit seinem Geld zu prahlen.

Doch es gibt Momente, in denen es wichtig ist, sich über das Gehalt auszutauschen – und zwar mit Kollegen und Kolleginnen. Da Männer auf gleichen Positionen oftmals immer noch mehr verdienen als Frauen, hilft der Vergleich in Gehaltsverhandlungen. Auch unabhängig vom Gender-Pay-Gap gibt der Gehaltsvergleich einen hilfreichen Ansatz, damit ich mich in Verhandlungen nicht unter Wert verkaufe.

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