Hamburg  Nazi-Werk „Mein Kampf“ im Online-Shop: Scharfe Kritik an Kaufland

Julia Wadle
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Von Julia Wadle
| 10.10.2022 11:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Erst nach heftigen Protesten auf Social Media reagierte die Discounterkette. Foto: Imago images/mix1
Erst nach heftigen Protesten auf Social Media reagierte die Discounterkette. Foto: Imago images/mix1
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Die Supermarktkette Kaufland vertreibt online offenbar Nazi-Literatur. In den Sozialen Netzwerken empörten sich am Wochenende zahlreiche Nutzer. Kaufland reagierte, was das Ganze nur schlimmer machte.

In diesem Artikel erfährst Du:

Sandalen zum Schnäppchenpreis, ein reduzierter Akkubohrer, ein Zelt für den nächsten Sommerurlaub – und Hitlers „Mein Kampf“? Diese Produktpalette gab es wohl bis vor Kurzem auf dem Online-Marktplatz der Discounterkette Kaufland. Erst nach einem Twitter-Shitstorm löschte die Kette die Angebote – postete vorher aber ein fragwürdiges Statement.

Aufgefallen waren die rechtsextremen Produkte auf dem Online-Marktplatz eher durch Zufall. Am Freitag hatte ein Nutzer Kaufland via Twitter darauf hingewiesen, dass auf deren Online-Marktplatz Jutebeutel und T-Shirts mit dem Symbol der Antifaschistischen Aktion, kurz Antifa, erhältlich waren. Der Online-Marktplatz ist ein Portal, auf dem nicht nur Kaufland selbst, sondern auch verschiedene weitere Händler Produkte verkaufen können.

Folgendes Statement postete Kaufland auf Twitter: „Vielen Dank für deinen Hinweis! Unser Shop funktioniert nach dem Marktplatzprinzip. Dies bedeutet, dass dort verschiedene Verkäufer ihre Angebote einstellen können. Nach eingehender Prüfung haben wir uns dazu entschieden, die Produkte des Händlers zu entfernen.“

Diese Entscheidung sorgte bei vielen Usern für Unverständnis: Schließlich ist beispielsweise das rechtsextreme Magazin „Compact“ im Kaufland-Sortiment erhältlich. Kaufland postete darauf hin eine Erklärung, die für noch mehr Unverständnis sorgte – und den Shitstorm erst so richtig entfachte.

Kaufland lehnt „extreme Meinungen“ ab, steht in einem weiteren Tweet der Discounter-Kette.

In mehreren weiteren Tweets erklärte das Unternehmen, dass es „extreme Produkte dort [verbanne], wo wir es können“. Wo sie es nicht können und ihrer Argumentation folgend scheinbar nicht die komplette Hoheit über ihren eigenen Online-Marktplatz haben, bleibt offen.

Allerdings sei „nicht alles, was wir vielleicht für falsch halten, [...] auch verboten“. Man „verurteile“ jedoch extreme Standpunkte, und „versuche zu vermeiden, dass dazu gehörige Produkte“ verkauft werden.

Eine Erklärung, die viele User fassungslos machte – die daraufhin anfingen, den Online-Marktplatz nach weiteren Produkten zu durchstöbern, die man scheinbar „aushalten muss“. Die Rechercheergebnisse posteten sie auf Twitter. Eine ganze Liste postete der Juso-Politiker Leo Schneider.

Hier siehst Du einen Ausschnitt seines Threads:

Diese Bücher von Corona-Leugnern waren bis vor kurzem im Shop erhältlich:

Und selbst die unkommentierte Originalausgabe von „Mein Kampf“ haben Nutzer gefunden:

Inzwischen hat Kaufland auf die Posts reagiert und die auf Twitter geposteten Angebote gelöscht [Stand Montag, 10.10.2022, 11.30 Uhr]. Trotzdem sind nach wie vor rechtsextreme Bücher im Shop zu finden, weil beispielsweise eine Biografie über Wladimir Putin, verfasst vom russischen Neurechten Alexander Dugin.

Eine Stellungnahme zur Löschung und eine Erklärung, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass solche Inhalte wie „Mein Kampf“ scheinbar im Onlineshop verfügbar gewesen sind, bleibt Kaufland bislang schuldig.

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