Ostfriesland-Cup  Geniestreich entscheidet Finale

Stefan Rammelmann
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Von Stefan Rammelmann
| 06.10.2022 16:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die entscheidende Szene: Manuel Suda bejubelt den Platzverweis des Emder Spielers Ibrahim Sillahkurz vor Ende der ersten Halbzeit. Fotos: Bernd Wolfenberg
Die entscheidende Szene: Manuel Suda bejubelt den Platzverweis des Emder Spielers Ibrahim Sillahkurz vor Ende der ersten Halbzeit. Fotos: Bernd Wolfenberg
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GW Firrel schlägt Kickers Emden im Finale des Ostfriesland-Cups mit 3:2 – ein Firreler schoss ein nicht alltägliches Tor.

Aurich - Das hatte sich Kickers-Trainer Stefan Emmerling bestimmt anders ausgemalt. Nicht der Regionalligist aus der Seehafenstadt, sondern der Landesligist GW Firrel, in Ossi-Cup T-Shirts gekleidet, bildete den Spielerkreis und sang, sprang und jubelte über den Finalerfolg. Am Mittwochabend wurde auf dem Ellernfeld in Aurich mit zweimonatiger Verspätung dass Endspiel um den diesjährigen Ostfrieslandcup ausgetragen. Beide Finalisten verzichteten schon vorher auf die Siegprämie in Höhe von 2000 Euro. Dieses Geld wurde den Hinterbliebenen des verstorbenen Brookmerlander Fußballers Marco Memenga gespendet. Die Siegermannschaft darf sich dennoch freuen. Neben einem Trainingslager im Sporthotel Middelpunkt in Middels, treffen die Firreler in einem Freundschaftsspiel im kommenden Jahr auf den FC St. Pauli.

Die erste Halbzeit des Finales war sehr zäh. Firrel zog sich bis in die eigene Hälfte zurück und überließ Emden den Spielaufbau. Der Landesligist wollte über seine beiden schnellen Außenspieler Steef Borgmann und Felix Karius Akzente setzen. Karius konnte hier zweimal in Szene gesetzt werden, die Abschlüsse waren jedoch zu ungefährlich. Emden wiederum spielte die Angriffe länger aus und nutzte die gesamte Platzbreite. Doch je näher die Emder Spieler dem gegnerischen Tor kamen, desto einfallsloser wurden die Aktionen. So waren nur Weitschüsse und Flanken, die entweder zu weit oder hinters Tor geschlagen wurden, die einzigen wirklichen Angriffsbemühungen. Es dauerte bis zur 41. Spielminute, bis Emdens Verteidiger Ibrahim Sillah dem Spiel eine entscheidende Wende gab. Sillah, der vorher schon sehr nachlässig agierte, vertändelte im Zweikampf mit Firrels Reinhard Grotlüschen den Ball. Als letzter Mann konnte er sich nur mit einem Foul helfen. Schiedsrichter Hanno Ulferts entschied sofort auf Notbremse und zückte die Rote Karte – Platzverweis.

Firrels Spieler Reinhard Grotlüschen im Duell mit dem Emder Ayo Adeniran.
Firrels Spieler Reinhard Grotlüschen im Duell mit dem Emder Ayo Adeniran.

Manuel Suda schießt Traumtor

Nach der Pause nutze Firrel die nummerische Überzahl aus. In der 51. Minute traf Tim Schouwer nach einem Querpass im Strafraum von Borgman zum 1:0. Was dann folgte, war ein Spiegelbild der BSV-Saison. Keine drei Minuten später erhöhte Manuel Suda nach einem wunderbaren Zuspiel in die Schnittstelle der Emder Defensive auf 2:0.

Ab der 61. Minute wurde das Spiel dann spektakulär. Erst rutschte Firrels Keeper Pascal de Buhr beim Herauslaufen weg, berappelte sich wieder und konnte dann den heranstürmenden Milad Faqiryar nur mit einem Foulspiel bremsen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Stürmer Ayodeji Adeniran zum 1:2-Anschlusstreffer. Mit dem Anstoß sah Manuel Suda, dass Kickers Keeper Isaak Djokovic sich zu weit vor seinem Gehäuse befand. Suda zog einfach mal ab und traf mit einem Geniestreich zum 3:1. Kickers stemmt sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Mehr als der Anschlusstreffer zum 2:3 in der 79. Minute durch den eingewechselten Gabriel Bamezon kam aber nicht dabei heraus. Die größte Möglichkeit Kickers in eine Verlängerung zu retten hatte in der 81. Minute Adeniran. Nach einer schönen Flanke von Nick Köster stand er völlig frei vor de Buhr. Seine Direktabnahme ging jedoch über das Tor.

Kickers-Trainer Stefan Emmerling war enttäuscht vom Auftreten seiner Mannschaft
Kickers-Trainer Stefan Emmerling war enttäuscht vom Auftreten seiner Mannschaft

Emmerling enttäuscht

Emdens gesperrter Kapitän Bastian Dassel war nach dem Spiel dann auch bedient. „Firrel hat immer zu richtigen Zeit ein Tor erzielt. Uns fehlt im Spiel die Leichtigkeit und natürlich das Selbstvertrauen. Wir werden aber weiter im Training arbeiten und alles geben. Aufgeben ist keine Alternative.“ Emdens Coach Stefan Emmerling wusste: „Wer den ersten Fehler macht, wird bestraft. Das Spiel spiegelt den gesamten Saisonverlauf wider. Wir kassieren zu schnell die Tore, kommen wieder zurück und belohnen uns dann nicht.“ Welche Konsequenz die Rote Karte von Sillah hat konnte Emmerling nach dem Spiel noch nicht sagen.

Firrels Trainer Bernd Grotlüschen freute sich riesig für seine Mannschaft: „Meine Jungs haben ein tolles Spiel gemacht. Das war eine überragende Mannschaftsleistung. Allen Akteuren ein Riesenkompliment. Wir wollten Kickers mit schnellen Angriffen ärgern. In der Defensive habe ich bewusst Lasse Härtel gegen Andre Ndiaye spielen lassen, um so sein Tempo aus dem Spiel zu nehmen“, so Grotlüschen.

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