Wolf in Ostfriesland Streit und wilde Gerüchte um den Friedeburger Wolf
Der Wolf in der Friedeburger Region beschäftigt viele: Lokalpolitik, Verwaltung, ein Landesministerium und ein Gericht. Und wahrscheinlich auch einige Jäger. Erlegt wurde er offenbar noch nicht.
Friedeburg - Der Umgang mit dem Wolf in der Friedeburger Region ist auch nach der Erlaubnis für seinen Abschuss von vielen Spannungen geprägt. Bei der Sitzung des Friedeburger Gemeinderates am Mittwochabend ging es genau so lange harmonisch zu, bis das Thema Wolf auf den Tisch kam. Die folgende Debatte wurde von lauten Zwischenrufen, beleidigtem Kopfschütteln und empörten Ausrufen begleitet. Beobachtet von gut 20 Zuschauern, viele von ihnen aus der Landwirtschaft.
Was und warum
Darum geht es: Was ist mit dem Friedeburger Wolf, der zum Abschuss freigegeben wurde?
Vor allem interessant für: Landwirte, Tierschützer, Eltern
Deshalb berichten wir: Der Wolf war Thema im Friedeburger Rat und sorgte einmal mehr für einen emotional geführten Streit. Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de
„Ich weiß, der Wolf ist ein ganz emotionales Thema“, versuchte Bürgermeister Helfried Goetz (parteilos) die Wogen zu glätten. Das sei gewiss nicht einfach, aber sollte doch in Ruhe besprochen werden. Geklappt hat es nicht. Nach dem offenen Streit innerhalb des Rates kam es zu offenen Unmutsbekundungen aus den Zuschauerreihen. Auch hier: Kopfschütteln, Beschuldigungen, Unverständnis. Dabei ging es eigentlich nur um die Verabschiedung einer Resolution, ein Papier mit eher symbolischem Charakter.
Die Politik
Die CDU-Fraktion wollte in der Sitzung am Mittwoch eine Resolution vom gesamten Rat verabschieden lassen, „als Zeichen der Unterstützung“, wie Ratsherr und Landwirt Detlef Grüßing (CDU) erklärte. Sollte es in Zukunft zu Wolfsrissen kommen, müsse es binnen Tagesfrist einen Automatismus zur Abschussfreigabe geben, heißt es darin. Auch eine Obergrenze für die Wolfspopulation wird verlangt. Eine knappe Mehrheit der Ratsmitglieder wollte das so nicht unterschreiben.
„Ich betrachte das als Wahlkampfgeplänkel“, erklärte Doris Stehle von den Grünen etwas verschnupft. Sie kritisierte, dass das Papier so ganz ohne vorherige Aussprache beschlossen werden solle. Aus der SPD hieß es, man wolle keine Forderung mittragen, die gegen das Gesetz sei. In der Resolution wird auch der Abschuss des ganzen Rudels gefordert. Es gibt aber nur eine Abschussgenehmigung für ein einzelnes Tier. Stattdessen beschloss die knappe Ratsmehrheit, die Resolution zunächst mal im nächsten Umweltausschuss zu besprechen. Bei den Zuschauern sorgte dieses Vorgehen für besonders heftige Reaktionen.
Der Wolf
Um das Raubtier selbst war es zuletzt eher still geworden. Zwischen April und September wurden in den Landkreisen Wittmund und Friesland neun Jungrinder nachweislich von Wölfen gerissen. Geografisch spielte sich das alles – grob gesagt – rund um den Knyphauser Wald ab. So ist es auf einer Karte des Niedersächsischen Umweltministeriums zu sehen, auf der die Nutztierrisse erfasst werden. Dort werden in den meisten Fällen auch die individuellen Wölfe den einzelnen Nutztierrissen zugeordnet. Vor allem ein Rüde taucht dabei immer wieder auf; aber auch ein weiblicher Wolf hat nachweislich ein Rind getötet. Das Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft führt ein bestätigtes Wolfsrudel mit zwei Welpen im Landkreis Wittmund.
Zuletzt hatte das Tempo zugenommen: In den ersten Septembertagen fielen vier Rinder den Wölfen zum Opfer. Die DNA-Analyse aus Spuren an den toten Rindern ergaben einen männlichen und einen weiblichen Wolf als Verursacher. Doch seitdem: nichts mehr. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatte am 14. September eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss eines Wolfes in den Kreisen Friesland und Wittmund erlassen. Ist der Wolf möglicherweise schon tot?
Gerüchte
Kaum war die Abschussgenehmigung da, verbreiteten sich schon erste Gerüchte, das Raubtier sei tot. Wiederholte Rückfragen beim Umweltministerium in Hannover – zuletzt am Morgen nach der Friedeburger Ratssitzung – ergaben allerdings stets die gleiche Antwort: Nein, es gebe bisher keinen Abschuss, das würde man dann auch sicher kundtun.
In Hannover räumte der Sprecher des Umweltministeriums auch gleich mit einem zweiten Gerücht auf, das am Rande der Ratssitzung zu hören war: Mittlerweile solle es eine zweite Abschussgenehmigung geben, für den weiblichen Wolf, hieß es da. Stimmt nicht, so der Sprecher. Vom Land gebe es keine zweite Ausnahmegenehmigung. Und auch der Landkreis Wittmund, Sitz der unteren Jagdbehörde, teilt mit: Es wurde bisher keine zweite Ausnahmegenehmigung beantragt.
Das Gericht
In Oldenburg wird sich demnächst auch das Verwaltungsgericht mit der Abschuss-Genehmigung beschäftigen. Der Freundeskreis freilebender Wölfe hatte dort Klage eingereicht gegen die Ausnahmegenehmigung. Begleitet von einem Eilantrag, der verhindern sollte, „dass von der ungerechtfertigten Ausnahme-Genehmigung Gebrauch gemacht werden darf, bis zu dem Zeitpunkt, da das Verwaltungsgericht in Oldenburg über die zeitgleich eingereichte Klage entschieden hat“, heißt es auf der Homepage des Vereins.
Das funktioniert aber so nicht. „Die Erhebung eines Eilantrags allein hat keine aufschiebende Wirkung“, erklärte Karl-Heinz Ahrens, Sprecher des Verwaltungsgerichts, auf Nachfrage. Das Gericht werde voraussichtlich in den nächsten ein oder zwei Monaten über den Eilantrag entscheiden.