Hamburg  Kinder auf Kuba missbraucht? Mann soll Armut der Eltern ausgenutzt haben

Markus Lorenz
|
Von Markus Lorenz
| 26.09.2022 17:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Prozess findet ohne Publikum statt. Foto: dpa
Der Prozess findet ohne Publikum statt. Foto: dpa
Artikel teilen:

Der mutmaßliche Tatort liegt Tausende Kilometer entfernt. Bis zur Anklage vergingen Jahre. Ein Zufall half.

Der Vorwurf klingt ungeheuerlich: Vor dem Hamburger Landgericht muss sich seit Montag ein Familienvater wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen verantworten. Laut Anklage hat der Hamburger die wirtschaftliche Not von Familien auf Kuba ausgenutzt und dort Eltern dafür bezahlt, dass er sich an deren Töchtern vergehen konnte.

Der 56-jährige Angeklagte erscheint in Anzug und Krawatte im Verhandlungssaal. In seiner Wohnung hatten Ermittler auf PC und Handy mehr als 24 Bilder und sechs Videos entdeckt, die den teils schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen. Er selbst will auf keinen Fall, dass Fotos von ihm in die Öffentlichkeit gelangen. Als Pressevertreter die Kammer zücken, zieht sich der 56-Jährige eine Jacke über den Kopf.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann fünf Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen auf Kuba in den Jahren 2013 und 2014 zur Last. Im Einvernehmen mit den Erziehungsberechtigten habe der Hamburger Geld dafür gezahlt, dass er sexuelle Handlungen an den Mädchen habe vornehmen dürfen. Mit dem Wissen der Geschädigten soll er die Taten auf Video aufgezeichnet haben. Bei alledem, so die Anklage weiter, kannte der 56-Jährige die schlechte wirtschaftliche Situation der Betroffenen und habe diese für seine Zwecke ausgenutzt.

Unter anderem soll der Mann Anfang 2013 mit einem etwa 16 Jahre alten Mädchen an zwei Tagen Geschlechtsverkehr gehabt haben. Im September 2014 missbrauchte er ein 13-jähriges Mädchen, so die Ankläger. Die Identität der kubanischen Opfer konnten die deutschen Ermittler nicht klären.

Mehrere Jahre blieben die mutmaßlichen Taten unentdeckt, bis ein Zufall die Fahnder auf die Spur des Hamburgers brachte. In einem Prozess wegen Kindesmissbrauchs in Köln kam heraus, dass der dortige Angeklagte – der inzwischen verurteilt ist – im Internet Kinderpornos mit dem Mann aus der Hansestadt getauscht hatte.

Die Ermittler durchsuchten daraufhin die Wohnung des Hamburgers und stießen dort auf kinderpornografische Fotos und Videos. Im vergangenen Jahr hatte der Beschuldigte deswegen für einen Monat hinter Gittern gesessen, war anschließend aber von der U-Haft verschont worden.

Weitere Details dringen am ersten Verhandlungstag nicht nach außen: Auf Antrag der Verteidigung hat das Gericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen – noch vor Verlesung der Anklageschrift. Begründung der Richter: Im Verfahren könnten Sachverhalte zur Sprache kommen, deren öffentliche Erörterung „schutzwürdige Interessen“ des Angeklagten verletzten könnte. Der Mann ist verheiratet und hat selber Kinder.

Seine Verteidiger kündigten an, dass ihr Mandant aussagen werde. Das Urteil könnte am 6. Oktober falle.

Ähnliche Artikel