Auricher Kitas besorgt  Ende des Sprach-Förderprogramms sorgt für Probleme

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 25.09.2022 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kinder und Erzieherinnen sitzen in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf im Kreis. Foto: DPA
Kinder und Erzieherinnen sitzen in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf im Kreis. Foto: DPA
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Obwohl der Förderbedarf der Kinder stetig wächst, stehen Auricher Sprachkitas vor dem Aus oder mussten bereits aufgeben. Sie haben weitere Sorgen.

Aurich – Mit dem Ende dieses Jahres läuft ein seit 2016 bestehendes bundesweite Förderprogramm für Sprachkitas aus. Auch Auricher Einrichtungen sind davon betroffen. Doch selbst wenn das bundesweite Förderprogramm fortgesetzt würde, wäre ihnen nicht automatisch geholfen. Denn sie haben mit noch mehr Problemen zu kämpfen.

Rund 95 Prozent der Kinder in der Auricher Kindertagesstätte Bodelschwingh haben laut der Leiterin einen Migrationshintergrund – und auch in anderen Auricher Kitas wird der Anteil immer größer. Bei vielen dieser Kinder ist die deutsche Sprache ein Problem. Und der Bedarf an Sprachförderung wächst stetig, so die Leiterin.

Personal kann Lücke nicht auffangen

Jannes Thiele, mittlerweile Leitung des Auricher Kindergartens Finkennüst, arbeitete bis vor wenigen Wochen als zusätzliche Kraft in der Kita Bodelschwingh. Rund vier Jahre war er dort für die Sprachförderung zuständig. Dass das Bundesprogramm nun ausläuft, kostete ihm den Job und der Einrichtung eine wertvolle Arbeitskraft. „Ich muss auch irgendwie sehen, wo ich bleibe“, sagt Thiele. Denn ohne den staatlichen Zuschuss hätte er nur noch eine halbe Stelle gehabt. „Der Bedarf an Sprachförderung ist in Aurich exorbitant hoch“, so Thiele. In Gruppen mit 25 Kindern der Bodelschwingh Kita sei bei höchstens zweien Deutsch die Muttersprache gewesen. Im Finkennüst habe momentan rund die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund.

„Einen großen Verlust“ nennt die Leiterin der Kita Bodelschwingh, Magrit Apel, das Ende des Förderprogramms. Auch wenn das gesamte Personal durch die Arbeit von Thiele profitiert und dazu gelernt habe, könne man die entstehende Lücke unmöglich auffangen.

Ungleiche Bildungschancen

„Dass nun die Förderung ausläuft – mit der Begründung, dass die Maßnahme nun in den Einrichtungen „verstetigt sein sollte“ – halte ich persönlich für nicht durchdacht und schlicht weltfremd“, heißt es von Tina Hardy, Leiterin der katholischen Kita St. Ludgerus Aurich. Die Kindertagesstätte ist laut Angaben des Landeskreises Aurich, die letzte, die diesen Titel in der Kernstadt noch trägt.

Tina Hardy befürchtet, dass die erlernten Kenntnisse ohne die Sprachförderkraft wieder in den Hintergrund geraten. Kinder mit sprachlichem Förderbedarf würden ohne Unterstützung den Anschluss verlieren und hätten in ihrer Zukunft nicht die gleichen Bildungschancen, wie andere, so Hardy. Die Leiterin plädiert für mindestens eine Sprachförderkraft in Vollzeit für jede Kita.

Schlechte Bedingungen für Berufseinsteiger

Doch dieser Wunsch wäre derzeit gar nicht umsetzbar. Denn sowohl Thiele, Apel als auch Hardy klagen über Fachkräftemangel. Das Problem beschränke sich nicht nur auf den Stadtkern, sondern sei im gesamten Kreis akut, teilt der Landkreis Aurich auf Anfrage mit.

Für Magrit Apel ist klar, was nun zu tun ist: Seit 40 Jahren habe sich an den Bedingungen in dem Berufsfeld nichts getan, sagt sie. Wer sich für eine Ausbildung zum Erzieher entscheide, verdiene in den ersten vier Jahren kaum Geld. Dort gebe es Aufholbedarf. „Es wird viel darüber gesprochen, aber es tut sich nichts“, so Apel. Dem Landkreis Aurich ist der Fachkräftemangel bekannt. „Wir überlegen sehr intensiv, welche Möglichkeiten wir haben, dem entgegenzuwirken“, heißt es in einer Mitteilung.

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