Hannover Forderung nach Strompreiszonen birgt Zündstoff
Die norddeutschen Flächenländer wollen Deutschland in Strompreiszonen aufteilen, um mehr Gerechtigkeit herzustellen. Das birgt Risiken.
Auf den ersten Blick erscheint die Forderung der norddeutschen Flächenländer logisch: Sie sprechen sich für eine Aufteilung Deutschlands in unterschiedliche Preiszonen beim Strom aus.
Hintergrund sind die sogenannten Stromnetzentgelte, die jeder Verbraucher zahlen muss. Die Höhe fällt von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus. Mitentscheidend sind beispielsweise die „Integrationskosten der erneuerbaren Energien“. Die Folge ist, dass Länder, die einen hohen Anteil am Ausbau der erneuerbaren Energien schultern, die höchsten Strompreise verkraften müssen.
Kein Wunder, dass der Norden das Thema in der aktuellen Energiekrise wieder aufwärmt und die Forderung nach einer Neuregelung der sogenannten Verteilnetzentgelte erneuert. In Niedersachsen wird in zwei Wochen ein neuer Landtag gewählt. Da überrascht es nicht, dass SPD-Umweltminister Olaf Lies lautstark in den Kanon einstimmt und markig fordert: „Wenn ich da lebe oder produziere, wo auch die Energie produziert oder angelandet wird, muss diese Energie dort auch günstiger sein.“
Das macht sich im Wahlkampf zwar gut, aber die die ganze Debatte hat auch eine Kehrseite. Ist es sinnvoll, in diesen angespannten Zeiten einen Keil zwischen den nord- und den süddeutschen Bundesländern zu treiben oder wäre es nicht wichtiger, an einem Strang zu ziehen?
Dieser Frage jedenfalls sollten die Nordländer sich stellen und am Ende kann die Antwort nur lauten, dass Deutschland zusammenhalten muss. Statt sich im Klein-Klein zu verlieren, muss es darum gehen, die Energiewende so zügig wie möglich zu bewältigen - ein Kraftakt, der nur mit- und nicht gegeneinander gelingen kann.