Vortrag in Kreisvolkshochschule Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen
Die Norder Terre des Femmes und die Gleichstellungsbeauftragte informieren über Prostitution und das System Layla. Denn der weitaus größte Teil der Prostituierten arbeitet nicht freiwillig im Bordell.
Norden - Wer auch nur ansatzweise weiß, wie es den sogenannten „Sexarbeiterinnen“ in den deutschen Bordellen geht, wird – anders als das Heer der Freier – den Sommer-Hit von der geilen Puffmutter Layla nicht lustig finden.
Denn der weitaus größte Teil der Prostituierten arbeitet nicht freiwillig im Bordell, sondern wird dazu gezwungen, täglich Sexpraktiken über sich ergehen zu lassen. Am Freitag, 30. September, werden Felizitas Exner von Solwodi Osnabrück und Marietta Hageney von Diaka auf Einladung der Terre des Femmes-Städtegruppe Norden über die Auswirkungen der Liberalisierung der Prostitution in Deutschland vor 20 Jahren sprechen.
Vortrag in der Kreisvolkshochschule
Der Vortrag in der Kreisvolkshochschule Norden beginnt um 19 Uhr. Unterstützt wird Terre des Femmes von Elke Kirsten, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Norden, und dem Verein zur Förderung der Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt in Norden. Marietta Hageney gehört laut einer Mitteilung wie der pensionierte Augsburger Polizeioberkriminalrat Helmut Sporer, der vor zwei Jahren über dieses Thema in Norden sprach, zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Instituts für angewandte Kriminalitätsanalyse, abgekürzt Diaka, das sich für eine Gesellschaft frei von Menschenhandel und der damit verbundenen sexualisierten Gewalt einsetzt. Sie kämpfen damit gegen das System Layla, das die betroffenen Frauen als gnadenloses Gewaltsystem erfahren.
Ein Ausweg wird in dem sogenannten Nordischen Modell gesehen, das nicht die prostituierten Frauen, sondern die Freier ächtet. Es wird bereits in Schweden, Norwegen, Island, Irland, Nordirland, Frankreich, Israel und Kanada praktiziert. Auch Spanien ist auf dem Weg dorthin.
Auch junge Ukrainerinnen sind derzeit betroffen
Der Verein Solwodi (Abkürzung für „Solidarity with Women in Distress“, übersetzt: Solidarität mit Frauen in Not) hilft unter anderem Opfern von Frauenhandel, Zwangsheirat und Prostitution. Deutschlandweit gibt es derzeit 19 Beratungsstellen und sieben Schutzhäuser.
Seit vor 20 Jahren das Prostitutionsgesetz erlassen wurde, hat sich Deutschland den Angaben zufolge zum Bordell Europas entwickelt, verbunden mit einer wachsenden organisierten Kriminalität. Vor allem Frauen aus den ärmsten Ländern Osteuropas und Afrikas werden mit der Aussicht auf Arbeit nach Deutschland gelockt und dann zur Prostitution gezwungen.
Nach Ansicht von Terre des Femmes ist die meist mit Gewalt verbundene sexuelle Ausbeutung von Frauen und auch Männern durch Prostitution und Pornografie mit den Menschenrechten nicht vereinbar. Auch auf junge Ukrainerinnen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, haben es die Menschenhändler den Angaben zufolge abgesehen. Doch auch deutsche Frauen können Opfer der Zwangsprostitution werden. So steigt die Zahl der sogenannten Loverboys (wenn aus Liebe Zwang wird), die sich oft per Internet-Chat an ihre Opfer heranmachen.