Hannover Zoff um TV-Interviews: „Tanker“ NDR mit 275 Leuten im Einsatz - und extrem träge
Am Wahlabend für Fernseh-Interviews bis zum Messegelände fahren? Für die Spitzenkandidaten von SPD, CDU, Grünen und FDP keine Option. Die Öffentlich-Rechtlichen indes beklagen Platzmangel in und um den Landtag. Nun scheint ein Kompromiss gefunden.
Nach einem heftigen Gezerre zwischen Politik, Landtagsverwaltung und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern um die TV-Übertragungen zur Landtagswahl am 9. Oktober, haben NDR und ZDF jetzt eingelenkt. Nachdem es zuvor stets geheißen hatte, die Platzverhältnisse machten es den Fernsehstationen unmöglich, direkt vom Landtag aus zu senden, soll es jetzt Schalten in den Landtag geben. Es bleibt aber dabei, dass die Sender ihre Technik und ihre zentralen Wahlsets aus Platzgründen auf dem Messegelände aufbauen.
Gegen die Forderung der Sender, die Spitzenkandidaten sollten nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr für Interviews auf das mehr als zehn Kilometer entfernte Messegelände in Hannover fahren, hatte sich entschiedener Widerstand geregt. Stephan Weil (SPD), Bernd Althusmann (CDU), Julia Willie Hamburg (Grüne) und Stefan Birkner (FDP) hatten ein entsprechendes Protestschreiben an die Öffentlich-Rechtlichen geschickt.
Das zeigte nun offenbar Wirkung. Vom NDR hieß es auf Nachfrage unserer Redaktion: „Leider fand sich trotz umfangreicher Prüfungen kein geeigneter Standort in der Innenstadt von Hannover, an dem alle Wahlsets Platz gefunden hätten. Deshalb müssen sie wie bereits bei der Niedersachsen-Wahl 2017 auf dem Messegelände aufgebaut werden. Auch wenn die zentralen Wahlsets auf der Messe platziert sind, werden ARD und NDR ausführlich am Wahlabend aus dem Landtag berichten mit Reporterschalten aus den Fraktionen und Interviews mit den Spitzenkandidaten.“
Das ZDF verfährt nach Angaben eines Sprechers ähnlich. Also: Wahlstudios auf dem Messegelände mit Hochrechnungen, Analysen und Interviews aus dem Messestudio und dazu „viele Live-Schalten zum ZDF-Reporterteam im Landtag und zu den Wahlpartys der Parteien“.
Wie es heißt, wäre es für die SPD auch denkbar gewesen, den Sendern entgegenzukommen. Offiziell kommentieren wollte die Partei den Vorgang aber nicht. CDU-Generalsekretär Sebastian Lechner teilte auf Nachfrage mit, die CDU könne mit der jetzt gefundenen Lösung „gut leben“. Auch die FDP begrüßte den nun gefundenen Kompromiss und bekräftigte, dass es „angesichts der Dynamik eines Wahlabends“ nicht möglich sei, „zwischen unterschiedlichen Locations hin und her zu wechseln“. Die Grünen zeigten sich ebenfalls zufrieden, „weil gerade im Landtag alle Medien gut bedient werden können“.
Die Privatsender machten auf Nachfrage deutlich, dass sie ein Ausweichen auf die Messe nicht in Betracht gezogen hätten. So wird etwa bei Sat1 Norddeutschland die Vor-Ort-Berichterstattung am Wahltag nach Angaben eines Sprechers von einem „rund 25-köpfigen Team“ übernommen.
NDR-Sprecherin Bettina Brinker nennt den Wahltag eine Großveranstaltung, „etwa so wie Olympia an einem Tag“. Redaktion, Technik und Produktion seien gleichzeitig an mehreren Spielstätten unterwegs. So würden 33 Kameraleute an allen Außenpositionen benötigt, elf Tontechniker, neun Cutter sowie 15 Reporter, die an 14 Außenstellen im Einsatz seien.
„Der NDR produziert am Wahlabend Sendungen und Live-Schalten sowie Beiträge für die ARD, das NDR Fernsehen, für Radioprogramme des NDR und der ARD sowie Inhalte für digitale Plattformen und hat trotz der flächendeckenden Berichterstattung das eingesetzte Personal über die Jahre kontinuierlich reduziert“, erklärt Sprecherin Brinker. Insgesamt seien am Wahlabend 275 Mitarbeiter im Einsatz - laut NDR immerhin 100 Beschäftigte weniger als noch bei der Landtagswahl 2013.
Zu den Kosten wollten sich alle Sender nicht im Detail äußern.