Umfrage zum Grünen Weg  Auricher Stadtpolitik ist nun am Zug

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 22.09.2022 16:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit einem Poller soll nach dem Willen von 273 Aurichern der Grüne Weg an der Brücke über den Kanal abgesperrt werden. Foto: Heino Hermanns
Mit einem Poller soll nach dem Willen von 273 Aurichern der Grüne Weg an der Brücke über den Kanal abgesperrt werden. Foto: Heino Hermanns
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Die Umfrage zum Grünen Weg hat ein klares Ergebnis gebracht: Die Mehrheit will die Straße mit einem Poller sperren. Bis es so weit ist, wird es aber noch etwas dauern.

Aurich - Einen Poller an der Holzbrücke am Westgaster Weg wünschen sich 273 Auricher. Das ist eine absolute Mehrheit der Menschen, die an der Umfrage zur „nachhaltigen Verkehrslösung ‚Grüner Weg‘“ teilgenommen haben. Insgesamt beteiligten sich 527 Auricher an dieser ersten Online-Bürgerbeteiligung der Stadt Aurich.

Die Reaktion sowohl von Befürwortern als auch von Gegnern der Sperrung des Grünen Weges ließ nach der ON-Berichterstattung vom Mittwoch nicht lange auf sich warten. Albert Herresthal, Sprecher der Initiative Lebensqualität und Mobilität für Aurich (Luma) sowie des ADFC Aurich, lobte die Auricher Stadtverwaltung für die Umfrage. „Es gehört zu den demokratischen Gepflogenheiten, dass das Ergebnis der Befragung dann am Ende auch von allen akzeptiert wird, insbesondere wenn es so eindeutig ausfällt wie in diesem Fall“, heißt es im Anschluss in seiner Mitteilung. Nur sehr schlechte Verlierer würden nun anfangen, „das Haar in der Suppe des Befragungsdesigns zu suchen“. Luma und ADFC würden erwarten, dass das eindeutige Votum der Auricher nun von allen respektiert und auch bald konkret umgesetzt werde.

81 Bürger hatten eigene Vorschläge

Mit dem „Haar in der Suppe des Umfragedesigns“ meint Herresthal die Tatsache, dass in der Umfrage mit nur einem Klick eine der vier vorgegebenen Varianten der Stadtverwaltung ausgewählt werden konnte. Bei allen vieren war die Fahrradstraße, die jetzt bereits existiert, weiterhin vorgesehen. Wer diese nicht wollte, musste einen eigenen Vorschlag unterbreiten. Diesen deutlich aufwendigeren Weg wählten 81 (15 Prozent) der Teilnehmer.

Details zur Umfrage zum Grünen Weg

Insgesamt nahmen 527 Auricher an der Umfrage zum Grünen Weg teil.. Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß hatte zunächst deutlich mehr erwartet. Im Vergleich zu Erfahrungen anderer Kommunen sei das aber ein guter Wert.

Knapp die Hälfte der Teilnehmer (46 Prozent) kamen aus der Kernstadt, gefolgt von Haxtum (15 Prozent) und Extum (11 Prozent). Die meisten waren zwischen 41 und 60 Jahre alt (45 Prozent), 25 Prozent waren älter, 27 Prozent waren zwischen 19 und 40 Jahre alt. Rund 71 Prozent der Teilnehmer gaben an, vorwiegend mit dem Rad unterwegs zu sein. Es folgte das Auto mit 24 Prozent. Täglich nutzen den Grünen Weg 30 Prozent, wöchentlich 29 Prozent und mehrmals im Monat 35 Prozent. 27 Prozent der Teilnehmer fühlen sich im Grünen weg „meistens sicher“, weitere 31 Prozent „sicher“. 42 Prozent fühlen sich dort „unsicher“ beziehungsweise „meist unsicher“.

Ganz so schnell, wie Herresthal es erwartet, wird der Poller indes nicht aufgestellt werden. Das machte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß am Donnerstag in einem Pressegespräch deutlich. Denn maßgeblich dafür sei nicht die Befragung der Auricher, sondern das Votum des Auricher Stadtrates. Dementsprechend werde nun zunächst eine Vorlage für die Politik angefertigt, damit diese über eine Lösung für den Grünen Weg beraten könne. Das soll ab dem 13. Oktober im Verkehrsausschuss des Rates geschehen. In dieser Vorlage sollen auch die Einzelvorschläge der 81 Teilnehmer eingearbeitet werden. Diese werden derzeit noch ausgewertet. Bis zu zehn Seiten würden diese Vorschläge umfassen, so Busch-Maaß. Deswegen könne jetzt, wenige Tage nach Ende der Befragung, auch noch nichts zu deren Inhalt gesagt werden.

Im Juni 2020 hatten Mitglieder der Auricher Gruppe „Critical Mass“ provisorisch einen Poller an der Brücke installiert. Foto: privat
Im Juni 2020 hatten Mitglieder der Auricher Gruppe „Critical Mass“ provisorisch einen Poller an der Brücke installiert. Foto: privat

Andere Anwohner fühlen sich ausgegrenzt

Abgehängt fühlen sich durch die Diskussion um den Grünen Weg direkte Nachbarn der Straße. Ein Anwohner der Straße „Am Deich“ schreibt in einer Mitteilung an die ON-Redaktion, dass man sich dort ausgegrenzt fühle. „Wir wissen bald nicht mehr, wie wir noch unsere Ziele, insbesondere Einkaufsmöglichkeiten, erreichen können. Wenn wir jetzt noch durch diesen Poller ausgesperrt werden, kommen wir aus unserer Sackgasse bald nicht mehr heraus.“ Denn die Straßenverbindung zum Berliner Ring sei bereits seit geraumer Zeit abgetrennt. Über den Treidelweg gehe es auch nicht, und durch den Westgaster Weg zu kommen, sei schwierig. „Die Kirchdorfer Straße ist eine Katastrophe und die Kreuzstraße soll ja ursprünglich auch als Fahrradstraße umdeklariert werden“, heißt es weiter in der Mitteilung. Radfahrer könnten viel sicherer über den Treidelweg zum Großen Sett fahren und dort den Ems-Jade-Kanal überqueren. Das sei besser, als für wenige Anlieger den Westgaster Weg zu sperren.

Im Vorschlag der Verwaltung heißt es, auf der westlichen Seite des Kanals müsste eine Wendeanlage gebaut werden, wenn ein Poller an der Brücke gesetzt wird. Wie die Situation auf der anderen Seite, am Westgaster Weg, gelöst werden könnte, steht noch nicht fest. Entsprechende Pläne würde die Verwaltung machen, wenn die Politik sich festgelegt habe, so Alexandra Busch-Maaß. Schon daraus ist zu lesen: Eine schnelle Umsetzung der Sperre, wie von Albert Herresthal gefordert, kann es nicht geben.

Die Auricher Stadtbaurätin hat die Umfrage nach eigener Aussage auf der Grundlage der Beschlüsse des Rates erarbeitet. Beschlossen wurde der Masterplan Radverkehr samt der zwölf Fahrradstraßen. Von denen ist der Grüne Weg die erste und bislang einzige. Die Vorgeschichte dieser Straße, die eng verknüpft ist mit dem Bau der Johannes-Diekhoff-Straße, reicht viele Jahre zurück. Darin geht es um den Wunsch nach Verkehrsberuhigung seitens der Anwohner des Grünen Weges – und um die Förderung des Radverkehrs. Beide Ziele sollten mit der Fahrradstraße erreicht werden, die am Ende für viel Unmut bei vielen Aurichern geführt hat. „Ich möchte keine Polarisierung erzeugen, ich möchte ein Miteinander haben“, sagt Alexandra Busch-Maaß. Die Diskussionen im Stadtrat werden ab Mitte Oktober zeigen, ob das gelingt.

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